Nahrungsmittelpreise: Spekulation ist nicht das Problem

27 Jan

Hélène Noirjean, Ressortleiterin Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Die Volksinitiative «Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln» wird am 28. Februar 2016 dem Volk zur Abstimmung vorgelegt. Obwohl der Bundesrat und die eidgenössischen Räte die Ziele der Initiative weitgehend teilen, empfehlen sie die Ablehnung der Initiative. Der Ansatz und die vorge­schla­genen Massnahmen sind für die angestrebten Ziele weder zweckmässig noch effizient. Vielmehr noch würden sie zu negativen Auswirkungen für die Schweizer Wirtschaft führen. Die Initiative ist daher klar abzulehnen.

Starke Preisschwankungen

Diese Volksinitiative wurde im Zusammenhang mit den in den letzten Jahren bei zahlreichen landwirtschaftlichen Produkten vorgekommenen starken Preisschwankungen, welche zu Ernährungsproblemen in mehreren Entwicklungsländern führten, lanciert. Sie geht von der Annahme aus, dass diese Preisschwankungen eine Folge von Transaktionen und Preismani­pu­lationen auf dem physischen Markt seien. Der Initiativtext verlangt deshalb ein Verbot von allen mit landwirtschaftlichen Produkten und Nahrungs­mitteln verbundenen Anlagen und Finanzinstrumenten. Damit würde der Verkauf von mit diesem Wirtschaftszweig verbundenen strukturierten Produkten ausgeschlossen. Dieses Verbot zielt in erster Linie auf Banken und Anlagefonds ab, die ihren Sitz oder eine Zweigniederlassung in der Schweiz haben. Die Initianten hoffen, damit den Hunger und die Armut in der Welt einzudämmen.

Nicht Spekulation, sondern vielmehr Kriege, Korruption, Verteilungsprobleme oder schlechtes Wetter sind die Gründe für zeitweilige Preiserhöhungen im internationalen Nahrungsmittelhandel.

Nicht Spekulation, sondern vielmehr Kriege, Korruption, Verteilungsprobleme oder schlechtes Wetter sind die Gründe für zeitweilige Preiserhöhungen im internationalen Nahrungsmittelhandel.

Lausige Lager, Kriege und schlechtes Wetter

Der Bundesrat hält fest, dass die Spekulationsaktivitäten weder der Grund für die Preiserhöhungen von 2007/08 und 2010/11 noch für den Hunger in der Welt sind. Die Investitionen in Finanzinstrumente beein­flussen die Preisbildung im Umfang von weniger als zehn Prozent und spielen daher nur eine untergeordnete Rolle. Die Preisexplosion der Lebensmittel in der Dritten Welt ist vielmehr auf Faktoren wie unge­nü­gende Lager, Verteilungsprobleme, ungünstige Wetterbedingungen, bewaffnete Konflikte, Korruption oder auf politische und wirt­schaft­liche Massnahmen der exportierenden und importierenden Länder (Exportbeschränkungen, massive Panikkäufe usw.) zurückzuführen. Ausserdem sind höhere Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht zwingend schädlich für die Entwicklungsländer. Sie stärken den landwirtschaftlichen Sektor, begünstigen die Investitionen in ländlichen Gebieten und generieren höhere Exporteinnahmen. Der internationale Handel kompensiert also einen Teil der Engpässe auf den nationalen Märkten.

«DIE INITIATIVE IST PROTEKTIONISTISCH UND EIN SCHRITT IN DIE FALSCHE RICHTUNG.»

Da der Handel auf diesen Märkten verschiedene nützliche und notwendige Funktionen erfüllt, ist zu befürchten, dass die landwirtschaftlichen Märkte weniger gut funktionieren, wenn die geplanten Einschränkungen Anwen­dung finden.

Negative Folgen für die Schweizer Wirtschaft

Die Annahme dieser Initiative hätte nicht nur Auswirkungen auf die Banken, Händler, Versicherungsgesellschaften, Kollektivkapitalanlagen und institutionellen Anleger, sondern auch auf alle Marktteilnehmer, die eine Verbindung mit der Produktion von Nahrungsmitteln und dem Handel mit Nahrungsmitteln haben. Sie hätte zusätzliche Kosten und Einschränkungen zur Folge, die zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit im Verhältnis zur ausländischen Konkurrenz führen würden. Es ist zu befürchten, dass diese Gesetzgebung die Unternehmen veranlasst, die Schweiz zu verlassen, um dem Verbot auszuweichen.

Die betroffenen Gesellschaften tragen 3.4 Prozent zu unserem BIP bei. Wenn die Schweiz einmal mehr strengere Regeln als die anderen Länder einführen würde, hätte dies eine Schwächung der inlän­dischen Unter­nehmen und den Verlust von Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und Steuereinnahmen zur Folge.

Überdies würde so die Unsicherheit in Bezug auf die Entwicklung der Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft verstärkt und ein negatives Signal für den gesamten Wirtschaftsstandort Schweiz ausge­sandt.

Diese protektionistische Initiative ist nicht zielführend und stellt einen Schritt in die falsche Richtung dar. Ihre Annahme würde eine schwerfällige Bürokratie mit sich bringen, die es unbedingt zu vermeiden gilt.

Für den Alpenschutz – Ja zur zweiten Gotthard-Röhre

25 Jan

Filippo Leutenegger, ehemaliger Nationalrat

In meiner damaligen Funktion als Chef der Arena beim Schweizer Fernsehen war ich eng in die Diskussionen rund um die Alpeninitiative involviert und kenne die Positionen in Bezug auf den Alpenschutz. Ich stehe ein für eine sinnvolle Mobilitäts- und Verkehrspolitik, ebenso wie für den Schutz der Alpen. Gerade deshalb unterstütze ich mit Überzeugung die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels mit einer zweiten Röhre.

Eine zweite Röhre und Alpenschutz sind keine Widersprüche, wie es das Referendumskomitee mit viel Einsatz darzustellen versucht. Nein, die Sanierung mit einer zweiten Röhre stärkt vielmehr den in der Verfassung festgeschriebenen Alpenschutz und ist nachhaltiger und sinnvoll gerade auch im Hinblick auf den Umweltschutz.

Erstens: Es muss hier einmal klipp und klar festgehalten werden: Bei einem Ja am 28. Februar 2016 zur zweiten Röhre gibt es keine Kapa­zi­täts­erweiterung und keinen Mehrverkehr auf der Gotthardachse. Im Gegenteil: Mit einem Ja schreiben wir die Kapazitätsbegrenzung im Gesetz fest.

Die Alpeninitiative selber hat mit einem Rechtsgutachten auf­ge­arbeitet, dass es diese Festschreibung der Kapazitätsbegrenzung im Gesetz brauche, dann wäre der Bau einer zweiten Röhre möglich. Genau dieser Forderung ist man in der jetzigen Vorlage nachgekommen. Die Alpeninitiative hat eigentlich alles erreicht, was sie gefordert haben. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wieso man jetzt derart gegen die eigenen Forderungen weibelt.

Bei einem Ja am 28. Februar 2016 zur zweiten Röhre gibt es keine Kapazitätserweiterung und keinen Mehrverkehr auf der Gotthardachse. Im Gegenteil: Mit einem Ja schreiben wir die Kapazitätsbegrenzung im Gesetz fest.

Bei einem Ja am 28. Februar 2016 zur zweiten Röhre gibt es keine Kapazitätserweiterung und keinen Mehrverkehr auf der Gotthardachse. Im Gegenteil: Mit einem Ja schreiben wir die Kapazitätsbegrenzung im Gesetz fest.

Zweitens: Es ist falsch, wenn man den Alpenschutz auf den Gotthard beschränken will. Saniert man den Strassentunnel mit einer zweiten Röhre kann der Verkehr durch den Berg fahren. Das ist sinnvoller, als wenn die Lastwagen und Automobile sich über die Alpenpässe auf über 2000 Meter über Meer kämpfen müssen. Die Umwelt wird stärker belastet. Als Alternative zur zweiten Röhre fordern die Tunnelgegner den Bau von Verladestationen. Diese sind jedoch schon heute in der Theorie bezüglich Kapazitäten, hohen Kosten und Landbedarf derart unsicher, dass es in der Praxis einfach nicht sinnvoll funktionieren wird.

Als Folge werden sich die Lastwagen und Automobile vor den Rampen im Uri und im Tessin stauen. Stop and go, Abgasen aus langen Kolonnen. Das hat mit Alpenschutz nichts zu tun. Der Verkehr wird sich andere Routen suchen. Über den Simplon und über den San Bernardino wird der Verkehr ausweichen. 2006, als der Gotthard nach einem Steinschlag gesperrt werden musste, nahm der Verkehr auf diesen Achsen massiv zu. Auch der Simplon und der San Bernardino sind Alpen. Sagen wir Nein zum Gotthard fahren die Fahrzeuge während Jahre über diese Pässe. Aus Sicht des Alpenschutzes meine ich ist es sinnvoller den Verkehr durch den Berg und nicht über zahlreiche Kurven über den Berg zu führen.

Der Gotthard-Strassentunnel muss saniert werden. Der Bau einer zweiten Röhre ist sinnvoll und nachhaltig.

LINK
www.gotthard-tunnel-ja.ch

Finanzplatzgesetze: Die Mär vom Marktzugang

25 Jan

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Es tönt so schön: Die Schweiz macht ein Gesetz. Dieses schützt Kunden vor den Finanzdienstleistern. Und schafft somit Äquivalenz und deswegen den Zutritt zum EU-Markt für die Finanzdienstleister. Zu schön, um wahr zu sein? Ja. Denn das Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) und Finanz­instituts­gesetz (Finig) schützen Kunden nicht. Und vor allem: EU-Markt­zugang können sie auch nicht gewähren. Fidleg und Finig sind irgendetwas zwischen frommem Wunsch und unfrommem Märchen.

Hier die ganze Geschichte: Fidleg und Finig geben vor, den Zugang zum EU Markt für Finanzdienstleister zu ermöglichen. Schliesslich – so geht das Märchen – setzen beide Gesetze die EU Direktive MIFID II um. Das Dumme ist nur: MIFID II enthält keine „cross-border“-Regulierung. Unter MIFID II sind die einzelnen EU Mitgliedstaaten selber für die Zulassung ausländischer Anbieter zuständig; sie können sogar EU/EWR- und stärker noch nicht-EU/EWR-Finanzdienstleiter besonderen Regelungen unterwerfen. Regeln die für ihre jeweiligen Inländer nicht gelten würden.

Was in einem EU-Mitgliedsland gelten kann, heisst noch nicht Marktzugang im ganzen EU Raum. Das zeigt folgendes Beispiel: Ein EU-Mitgliedsstaat macht die Vorschrift, dass ein nicht-EU/EWR- Finanzdienstleister eine Niederlassung eröffnen müsse, um Marktzugang zu erhalten. Eine solche Niederlassung steht unter MIFID II. Sie garantiert aber noch überhaupt keinen Marktzugang im ganzen EU-Raum (EU-Passport). Dieser müsste bei jedem einzelnen EU-Staat ersucht werden.

Kompliziert? Nein, eigentlich sehr einfach. Erstens kann die Schweiz mit einem Schweizer Gesetz nicht die EU dazu zwingen, das Schweizer Gesetz in der EU für verbindlich zu erklären. Zweitens lehnt sich das Schweizer Gesetz an die MIFID II an, aber es hat mit Fidleg und Finig nichts zu tun. Kurz: Die Schweiz hat sich den falschen Orientierungspunkt gesucht.

Fidleg und Finig geben vor, den Zugang zum EU Markt für Finanzdienstleister zu ermöglichen. Die EU-Direktive MIFID II enthält jedoch keine „cross-border“-Regulierung. Unter MIFID II sind die einzelnen EU Mitgliedstaaten selber für die Zulassung ausländischer Anbieter zuständig; sie können sogar EU/EWR- und stärker noch nicht-EU/EWR-Finanzdienstleiter besonderen Regelungen unterwerfen.

Fidleg und Finig geben vor, den Zugang zum EU Markt für Finanzdienstleister zu ermöglichen. Die EU-Direktive MIFID II enthält jedoch keine „cross-border“-Regulierung. Unter MIFID II sind die einzelnen EU Mitgliedstaaten selber für die Zulassung ausländischer Anbieter zuständig; sie können sogar EU/EWR- und stärker noch nicht-EU/EWR-Finanzdienstleiter besonderen Regelungen unterwerfen.

Das Versprechen von Äquivalenz zur EU und damit von Marktzugang kann ohnehin nicht eingehalten werden. Schweizer und EU Regulierung sind in vielen Fällen unterschiedlich. Während die Schweiz einen meist auf Prinzipien basierenden, bottom-up Ansatz pflegt, ist die EU eher Regel-orientiert, top-down. Das macht die Vergleichbarkeit und somit die Gewährung von Äquivalenz schwer. Aber Äquivalenz selbst ist ein poli­tischer Entscheid. Nur weil die Schweiz sich Regeln gibt, bedeutet es noch nicht automatisch, die EU und jedes einzelne Mitgliedsland würde der Schweiz die Äquivalenz zugestehen. Auf jeden Fall geschieht dies nicht automatisch über FIDLEG/FINIG, sondern bestenfalls als Konsequenz von politischen Verhandlungen.

Es geht aber noch weiter: Äquivalenz ist kein Dauerzustand. Wie sich die EU-Regulierung verändert, so müsste sich die Schweiz stetig daran anpassen.

Die Folgen davon wären alles andere als positiv: Die Schweiz würde damit immer mehr dem politischen Druck aus der EU und der Logik des Binnenmarktes unterstehen. Das ist umso problematischer, als Äquivalenz zur EU keineswegs Marktzugang zu internationalen Märkten allgemein bedeutet. Im Gegenteil: Diese Äquivalenz sorgt für eine Massierung des Finanzdienstleistungsgeschäfts in der EU und wirkt sich gegenteilig auf eine globale Diversifizierung aus. Damit wird die Äquivalenz zum eigentlichen Klumpenrisiko.

Der Marktzugang ist also weder Wunsch noch Märchen. Er ist ein Traum mit Potenzial zum Alptraum. Und deswegen setzt sich der Schweizerische Gewerbeverband sgv gegen die neuen Finanplatzgesetze ein.

Finanzplatzgesetze: Mit Volldampf gegen KMU

22 Jan

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Demnächst kommen das Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) und das Finanzinstitutsgesetz (Finig) in die parlamentarische Beratung. Wer sich von diesen Gesetzen Nutzen für Kunden und Finanzdienstleister erhofft, ist auf dem falschen Dampfer.

Beide Gesetze kreieren Regulierungskosten – etwa 300 Millionen Franken im Jahr. Und sie schliessen Kunden von der Finanzberatung aus – was dann Kundenschutz genannt wird. Doch das ist noch nicht alles. Fidleg und Finig setzen vor allem die Finanz-KMU unter Druck.

Fidleg und Finig sind ganz auf die Bedürfnisse der Grossbanken ausgerichtet und werden bei den Finanz-KMU, welche die grosse Mehrheit der Firmen des Schweizer Finanzplatzes ausmachen, wegen nicht verkraftbarer Regulierungskosten zu Arbeitsplatzabbau führen. So wird der Wettbewerb vom Gesetzgeber zugunsten der Grossbanken verzerrt. Daher lehnt der sgv Fidleg & Finig ab.

Fidleg und Finig sind ganz auf die Bedürfnisse der Grossbanken ausgerichtet und werden bei den Finanz-KMU, welche die grosse Mehrheit der Firmen des Schweizer Finanzplatzes ausmachen, wegen nicht verkraftbarer Regulierungskosten zu Arbeitsplatzabbau führen. So wird der Wettbewerb vom Gesetzgeber zugunsten der Grossbanken verzerrt. Daher lehnt der sgv Fidleg & Finig ab.

Fidleg und Finig sind ganz auf die Bedürfnisse der Grossbanken ausge­richtet und werden bei den Finanz-KMU, welche die grosse Mehrheit der Firmen des Schweizer Finanzplatzes ausmachen, wegen nicht verkraftbarer Regulierungskosten zu Arbeitsplatzabbau führen. So wird der Wettbewerb vom Gesetzgeber zugunsten der Grossbanken verzerrt. Daher lehnt der sgv Fidleg & Finig ab.

Der Schweizer Finanzplatz ist von Finanz-KMU geprägt. Die meisten unabhängigen Vermögensverwalter sind Mikrounternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitenden. Finanzplanerinnen, Versicherungsbroker, Treuhand­unternehmen… das sind alles typische KMU. Und sie haben mit den neuen Finanzplatzgesetzen ein grosses Problem. Denn sie müssen eine Vielzahl neuer Regeln einhalten und Aufsichtsinstitutionen aufbauen. Das kostet viel Geld.

Es kommt noch schlimmer. Fidleg und Finig orientieren sich an Bedürfnisse und Strukturen von Grossbanken. Damit regulieren sie alle gleich. Doch wir wissen: Wenn eine Grossbank einen Franken für Regulatorisches ausgibt, sind es bei mittleren Instituten um die vier und bei den KMU um die zehn Franken. Das erklärt sich aufgrund der Strukturen, die dafür neu aufgebaut oder dazu gekauft werden müssen.

Und das Ergebnis? Einfach: Viele Finanz-KMU werden diese neuen organisatorischen Anforderungen nicht genügen können. Sie sind schlicht zu kompliziert und zu teuer. Also wird es zu Firmen­schliessungen kommen. Und wenn es weniger Firmen gibt, gibt es weniger Wettbewerb. Ist das wirklich der Sinn der Finanzgesetzgebung, den Wettbewerb auf dem Finanzplatz zu verringern? Und vor allem: Ihn zu Gunsten der Grossbanken zu verzerren?

Noch brisanter ist das Folgende: Es gibt eine Möglichkeit für KMU, sich einer leichteren Regulierung zu unterziehen. Das bedingt jedoch, dass sie nie wieder neue Kunden aufnehmen. Das gehört wohl zum absurdesten, was je reguliert wurde.

Diese neuen Finanzplatzgesetze sind nicht nur auf dem falschen Dampfer. Sie gehen mit Volldampf gegen KMU. Und deshalb setzt sich der Schweizerische Gewerbeverband sgv gegen sie ein.

Finanzplatzgesetzgebung: 300 Millionen Franken für Kundendiskriminierung

20 Jan

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Ab nächster Woche werden das Finanzdienstleitungsgesetz (Fidleg) und das Finanzinstitutsgesetz (Finig) beraten. Beide Vorlagen sollen den Finanzplatz Schweiz völlig neu aufstellen. Insbesondere wurde mehr Kundenschutz  versprochen. Doch gerade das Gegenteil trifft zu. Die Vorlagen generieren pro Jahr 300 Millionen Franken Regulierungs­kosten und schliessen Kunden von der Beratung aus. Bizarr? Es wird noch schlimmer.

Wenn es nach dem Entwurf geht, müssen sich Kunden zunächst qualifizieren, um überhaupt beraten zu werden. Nur wer eine Eignungsprüfung hinter sich hat, kann ein Gespräch mit dem Finanzdienstleister führen. Und es ist nicht der Kunde, der entscheidet, welches Produkt er will. Nein, der Finanzdienstleister muss auch noch dazu eine Angemessenheitsprüfung machen. Nur geeignete Kunden werden mit angemessen Produkten versorgt. Das heisst konkret: Kunden mit kleinen Vermögen oder wenig Wissen werden womöglich nicht mehr bedient. Oder sie müssen den sogenannten Haftungsausschluss unterschreiben. Damit ist die Gleichberechtigung von Kunde und Berater definitiv verloren. Denn Berater wählen ihre Kunden aus und überwälzen Ihnen auch noch das ganze Risiko.

Die Bilanz zu Fidleg und Finig ist vernichtend: 300 Millionen Franken Regulierungskosten pro Jahr und schlechter gestellte Kunden, die mit weniger Produkten zu schlechteren Konditionen versorgt werden.

Die Bilanz zu Fidleg und Finig ist vernichtend: 300 Millionen Franken Regulierungskosten pro Jahr und schlechter gestellte Kunden, die mit weniger Produkten zu schlechteren Konditionen versorgt werden.

Überwälzt werden den Kunden neben dem Risiko auch noch die ganzen Regulierungskosten. Fidleg und Finig schaffen es pro Jahr auf rund 300 Millionen Franken Regulierungskosten. Das hört sich nach viel an und es ist auch viel. Die Schätzung allerdings ist eher konservativ. Denn Aufsichtsorganisationen, Prospektprüfer, Ombudsstellen und Register werden neu ins Leben gerufen. Ihr Zweck? Regulieren und beaufsichtigen. Wen? Die unabhängigen Vermögensverwalter und andere Finanz-dienstleister. Warum? Das weiss man nicht so genau, denn in diesen Finanz-KMU kam es bisher weder zu Skandalen noch zu staatlichen Rettungsaktionen. Die viel wichtigere Frage ist, wer bezahlt die Kosten? Das sind die Kunden, logischerweise.

Wer meint, die schlechten Nachrichten für die Kunden hätten jetzt ein Ende, der irrt. Auf sie warten weitere Bürden.  Hunderte von Seiten an Prospekten, Erklärungen, Haftungsausschussformularen müssen gelesen und unterschrieben werden.

Entsprechend vernichtend fällt sie aus, die Bilanz zu Fidleg und Finig: 300 Millionen Franken Regulierungskosten pro Jahr; schlechter gestellte Kunden, die mit weniger Produkten zu schlechteren Konditionen versorgt werden. Und der Nutzen? Der lässt sich schnell beziffern: 0. Weil Fidleg und Finig Kundendiskriminierungsvorlagen sind, lehnt sie der sgv ab.

Réfection du Gothard : investir intelligemment au lieu de dilapider l’argent public

12 Jan

Jean-François Rime, conseiller national UDC Fribourg, président de l’Union suisse des arts et métiers usam

Le tunnel routier du Gothard doit faire l’objet d’une réfection complète. Si nous n’y procédons pas, le coût des travaux futurs n’en sera que plus élevé. En disant NON au 2e tube, ses opposants retardent un assainissement judicieux et durable. Et dilapident de façon irresponsable l’argent du contribuable.

La construction d’un 2e tube au Gothard permettra d’absorber le trafic durant la réfection du tunnel existant. La circulation s’écoulera ensuite sur une seule voie dans chaque tube. La suppression du trafic bidirectionnel augmentera considérablement la sécurité. Ce système permettra en outre d’effectuer les futurs assainissements – tous les 30 à 40 ans – sans nécessiter de coûteux investissements supplémentaires en installations provisoires de transbordement.

Il est essentiel que l’aménagement et l’entretien de l’infrastructure routière soient exécutés avec professionnalisme dans toute la Suisse. Cela concerne d’importants projets en Suisse romande comme le contournement de Morges de même que la maintenance et la réfection du réseau des routes nationales, dont fait aussi partie le tunnel routier du Gothard. Nous ne pouvons pas laisser notre infrastructure routière se délabrer, mais devons réaliser des investissements intelligents à valeur ajoutée. Ce sera le cas si, le 28 février, nous approuvons la réfection du tunnel du Gothard moyennant la construction d’un 2e tube.

Construire un 2e tube coûte moins cher que les installations de trans­borde­ment provisoires exigées par les adversaires. Ces installations devraient être démolies sans qu’il n’en ressorte aucune plus-value à la fin des travaux. Les opposants au tunnel veulent un corridor de transbordement qui, même aménagé à travers toute la Suisse, n’aura pas les capacités suffisantes. Plusieurs centaines de milliers de francs devraient être investis dans le seul matériel roulant – promis à la casse. Sans 2e tube, la réfection coûte ainsi plus de 3 milliards de francs et donc plus qu’un 2e tube.

Au cours des dernières semaines, différents adversaires du tunnel de réfection ont demandé le report de l’assainissement, voire sa totale remise en question. Attendre ne ferait cependant que renchérir le projet. Le Conseil fédéral et le Parlement ont décidé, après des années de planification et de délibérations, que la réfection moyennant un 2e tube constituait la meilleure solution. Faits, rapports et analyses, tout est sur la table. Nous devons agir, maintenant !

Ceux qui faute d’alternative pertinente veulent retarder la réfection du Gothard gaspillent sciemment l’argent du contribuable. Alors que la construction d’un 2e tube représente une solution judicieuse et durable.

LIEN
http://www.tunnel-du-gothard-oui.ch

Unfälle passieren nicht einfach, sie werden verursacht

8 Jan

Jürg Kägi, Bauingenieur HTL/SIA, Präsident SISTRA

Der längste Strassentunnel der Alpen wird von Süden und von Norden jährlich von über 6 Mio. Fahrzeugen auf einer vierspurigen, rich­tungs­getrennten Autobahn erreicht. Die letzten Kilometer geht es beidseits über Hunderte von Höhenmetern hinauf auf 1’100 M.ü.M. Und genau hier oben verengt sich das Querprofil drastisch – von 4 Spuren mit Pannenstreifen auf 2 Spuren mit Gegenverkehr.

Nach heutigen Normen und Erkenntnissen dürfte der Gotthardtunnel nicht mehr einröhrig gebaut werden.

Nach heutigen Normen und Erkenntnissen dürfte der Gotthardtunnel nicht mehr einröhrig gebaut werden.

In diesem 17 km langen Engnis kommt es im Mittel zu 75’000 Kreu­zungs­manövern je Stunde. Diese Situation ist verkehrspsychologisch eine grosse Herausforderung. Und leider überfordert sie häufig! Es ist die Kombination von Länge, Enge, Verkehrsmenge und Höhenlage, welche den Tunnel gefährlich macht. Das kürzlich veröffentlichte ADAC-Tunnelranking (Gotthard an letzter Stelle) erinnerte uns erneut daran. Es gibt zu viele Pannen, Fahrzeugbrände, Kollisionen, Unfälle und leider auch zu viele Verletzte und Tote. Ein Vorkommnis wie im Jahr 2001, eine Frontalkollision zweier LKWs mit 11 Toten und 21 Verletzten, kann auch heute nicht ausgeschlossen werden.

Zur Sicherheit im Tunnel

Dem Querschnitt fehlt es an Fahrbahnbreite, Fahrraumbreite, Bankettbreite und Fahrraumhöhe. Kurz: Es fehlt an Fahrraumquerschnitt und das Profil lässt keine massgeblichen Verbesserungen zu. Nach heutigen Normen und Erkenntnissen dürfte der Gotthardtunnel nicht mehr einröhrig gebaut werden. Auch die aus dem Hut gezauberte versenkbare Mittelleitschranke wäre da keine Lösung, im Gegenteil. Der Tunnel würde damit noch gefähr­licher, denn es entstünden zwei lange, schmale Fahrstreifen mit Gefährdungen wie auf Autobahnbaustellen. Im Ernstfall wären Rettungs­kräfte massiv behindert oder gar handlungsunfähig. Das mögliche Nicht­funktionieren einer solchen Konstruktion nach Kollisionen sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Sicherheit auch für die Automobilisten

Autofahrerinnen und Autofahrer haben ein Anrecht auf Gleichbehandlung mit den Benutzern des öffentlichen Verkehrs! Beim Bau der NEAT war es selbstverständlich, dass nach neusten Erkenntnissen und Normen gebaut wird. Zweiröhrige Systeme am Gotthard und am Monte Ceneri sind die Konsequenz. Für eine solche Ungleichbehandlung der Sicherheitsaspekte gibt es keine Rechtfertigung. Ein Betriebskonzept mit zwei Röhren ist entschieden sicherer als das heutige. Was schon der gesunde Menschen­verstand sagt, wurde durch die bfu auch wissenschaftlich belegt. Die Zahl an Unfallopfern würde sich mit der 2. Röhre mehr als halbieren. Man kann es drehen und wenden wie man will: Mit Blick auf alle Aspekte der Sicher­heit – im Tunnel sowie auf Umfahrungsrouten – muss die zweite Röhre gebaut werden.

LINK
www.gotthard-tunnel-ja.ch


Zum SISTRA: Zweck des Verbandes ist die Förderung der Sicherheit im Strassenverkehr in sämtlichen Bereichen der Verkehrsführung und horizontalen sowie vertikalen Ausstattung von Verkehrsanlagen. Wir bringen uns, nebst anderem, in die Normierung im Strassenwesen ein, nehmen Stellung zur Gesetzgebung und tauschen uns mit dem übrigen Europa aus. Sicherheitsrelevante Themen werden in unseren Fachgruppen behandelt. Der Sanierungstunnel am Gotthard wurde im Mai 2015 an einem Workshop behandelt.

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