Unpräzise Recherche

25 Mrz

Von Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Wettbewerb ist grundsätzlich zu begrüssen, und so gesehen ist es erfreulich, dass unter den Verlagshäusern mit den Sonntagsblättern eine intensive Konkurrenz ausgetragen wird. Ausdruck davon ist die Jagd nach dem ultimativen Primeur. Also jener Nachricht, die brandneu, exklusiv am Wochenende zu lesen und dazu geeignet ist, ein erhöhtes Mass an öffentlicher Empörung zu kreieren. Dieses System funktioniert je nach Temperament der Sonntagsredaktionen in Stil und Tonalität unterschiedlich, mit Blick auf die Auflagezahlen aber offenbar ganz passabel.

Sollte sich der ersehnte Primeur für einmal nicht finden lassen, so gibt es immer noch den Ausweg, eine griffige Story zu konstruieren. So geschehen in der Ausgabe der «NZZ am Sonntag» vom letzten Wochenende. Da wurde einmal mehr die Abzocker-Thematik bemüht und in grossen Lettern vermeldet, die Mehrheit der Chefs von börsenkotierten Firmen verdienten mehr als eine Million Franken. Mehr noch, auch die Mehrheit der KMU würden mitziehen. Als Beweis wurde eine Tabelle von 20 Firmen angeführt und in einem Kommentar unter dem Titel «Manager-Löhne: Auch die KMU greifen zu» gezielt die emotionale Empörung angeheizt.

Allerdings hat diese vermeintlich süffige Story gleich zwei Haken. Schaut man sich die Liste nämlich genau an, so handelt es sich durchwegs um börsenkotierte Firmen, sogenannte small-caps. Kennzeichen dieser Firmen ist tatsächlich, dass sie kleiner als die internationalen Grosskonzerne sind. Trotzdem gilt die Feststellung, wonach die Problematik der Managerlöhne mit der Annahme der Minder-Initiative, die die börsenkotierten Firmen – darunter eben auch die small-caps – betrifft, vom Souverän definitiv entschieden worden ist. Zudem hat der Bundesrat dargelegt, dass er mit der entsprechenden Umsetzungsverordnung rasch für klare Verhältnisse sorgen will.

Mangelhafte Präzision in der Recherche zeigt sich ebenso in der Definition der KMU. Laut Bundesamt für Statistik ist hier nicht die ­Börse massgebend, sondern folgenden Fakten:

98 Prozent aller Betriebe haben weniger als fünfzig Mitarbeitende und gelten als Kleinbetriebe. Weitere 1,7 Prozent beschäftigen bis zu zweihundertfünfzig Arbeitnehmende und gehören in die Kategorie der Mittelbetriebe. Nur gerade 0,3 Prozent aller Betriebe fallen unter die Grossbetriebe, darunter auch die oben angesprochene Liste in der «NZZ am Sonntag».

Angesichts dieser Fakten ist es unzulässig, die KMU der Abzockerei zu bezichtigen. Tatsache ist, dass sich die Patrons in den KMU durch Bodenhaftung auszeichnen und Verantwortung für ihre Angestellten übernehmen – eben gerade weil sie ihr ganzes persönliches Vermögen investiert haben und das unternehmerische Risiko mit dem eigenen Portemonnaie tragen.

Mittels der 1:12-Initiative hingegen erfolgt der sozialistische Frontalangriff auf den wichtigsten Standortvorteil unseres Landes im internationalen Standort-Wettbewerb. Die Schweiz ist deshalb das innovativste Land weltweit, weil wir insbesondere über einen flexiblen Arbeitsmarkt verfügen, der Arbeitsplätze, Vollbeschäftigung und Wohlstand garantiert. Freiheit setzt Verantwortung voraus. Die sozialistische Initiative will Lohnkontrolleure und Planwirtschaft, Umverteilung durch Inkaufnahme von Wohlstandsverlusten.

Darauf gibt es nur eine Antwort: ein wuchtiges Nein.

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