Archiv | August, 2013

Die Stärke der Miliz wird angegriffen

21 Aug

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Warum engagiert sich der sgv als KMU-Verband für die Wehrpflicht und gegen die GSoA-Initiative? Welche Interessen können KMU denn an einer Wehrpflicht haben? Um Missverständnisse zu vermeiden: Die meisten von uns, die Armeedienst leisten, unterstützen die Wehrpflicht – und dies ganz intuitiv. Aber welche Argumente sprechen aus KMU-Sicht für die Wehrpflicht? Es sind zwei Argumente:

Erstens profitieren die KMU von der «Führungsschule Armee». Auch wenn es abgedroschen klingt, es ist eine Tatsache, dass junge Menschen in der Armee die Chance erhalten, erstmals eine Führungsrolle wahrzunehmen. Sie lernen dabei zu planen, zu entscheiden und Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen. Sie müssen sich auch der Herausforderung stellen, Menschen zu motivieren, mit ihnen gemeinsam Ziele zu erreichen, klar und präzise zu kommunizieren und einen Führungsrhythmus einzuhalten.

Für die KMU ist diese Ausbildung von Nutzen, weil sie so Mitarbeitende erhalten, die anpacken können. Es gehört eben auch dazu, dass man ab und zu ­Führungsaufgaben im Betrieb wahrnimmt. Je mehr Erfahrung eine junge Person schon in einer Führungsposition gemacht hat, desto besser kann sie sich in den Betrieb einbringen. KMU können sich meist keine teuren Führungsschulungen leisten, sondern müssen auf die Fähigkeiten der Mitarbeitenden bauen.

Das zweite Argument: Der Milizgedanke ist für die Schweiz zentral; mit einer allfälligen Abschaffung der Wehrpflicht wird der Wert der Milizarbeit insgesamt in Frage gestellt. Die Miliz ist dabei keine Besonderheit der Armee, sondern der Grundgedanke, dass der Staat aus seinen Bürgerinnen und Bürgern besteht und deswegen von ihrem Engagement lebt. Die Schweiz ist auf allen Ebenen bürgernah: Unser nationales Parlament ist eine Milizvertretung; kantonale und kommunale Behörden sind selten Vollzeit-Ämter; die meisten Feuerwehren sind freiwillig, die Engagements in den Vereinen und Verbänden ebenso. Kurz: Unser Land lebt von der Miliz auf allen Stufen in vielen Bereichen. Sie macht den Staat flexibler, bürgernäher und letztlich auch günstiger. Sie stärkt die Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit.

Schweizer Armee

Schweizer Armee

Fällt das alles nun auseinander, wenn die Wehrpflicht abgeschafft werden ­sollte? Nicht sofort, aber langfristig wird eben diese Stärke angegriffen. Der Staat darf nicht zur Privatdomäne Weniger werden, die unter dem Mantel der «Professionalisierung» eigenen Interessen nachgehen. Das darf weder in der Armee noch in der Politik geschehen.

Die Wehrpflicht ist das Eingangstor zu allen Formen der Miliz und deswegen bekennt sich der sgv als grösster ­Dachverband der Schweizer Wirtschaft zu ihr. Für die KMU bringt sie betriebswirtschaftliche Vorteile, weil sie Führungskräfte ausbildet. Volkswirtschaftlich bringt sie Vorteile, weil sie den Staat günstig, flexibel und bürgernah hält. Deshalb gibt es nur gute Gründe, Nein zur Abschaffung der Wehrpflicht zu sagen.

Monitor der Glaubwürdigkeit

9 Aug

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Pünktlich kurz vor den Sommerferien publizierte das Meinungsforschungs-Institut gfs den Finanzmonitor 2013. Das erstmals vor sechs Jahren erstellte Informationssystem dient der längerfristigen Beobachtung zu Aspekten der Finanzpolitik aus Sicht der Stimmberechtigten.

Eine Fragestellung, die den Schweizerischen Gewerbeverband sgv immer auch interessiert, ist diejenige nach der Glaubwürdigkeit der Akteure innerhalb der finanzpolitischen Diskussion. Hier erstaunt es zunächst nicht, wenn «Leute wie Sie und ich» mit Abstand die Spitze der Rangliste zieren. Die Befragten schreiben sich mit 79 Prozent die höchste Kompetenz in den politischen Entscheiden zu (sehr oder eher glaubwürdig). Mit 72 Prozent folgt der Bundesrat als Ganzes an zweiter und mit 70 Prozent das Parlament als Ganzes an dritter Stelle.

Diesem Spitzentrio dicht auf den Fersen ist der sgv, der mit 68 Prozent in knappem Abstand  bereits auf Platz vier und damit praktisch auf gleichem Niveau mit den politischen Behörden liegt. Dabei wird der Gewerbeverband in allen Lagern als glaubwürdig eingestuft, wobei überraschenderweise der Wert bei den Anhängern der Grünen Partei am höchsten ist. Interessant ist weiter die Beobachtung, wonach die Gewerkschaften bloss einen Wert von 59 Prozent erzielen, währenddem sämtliche Parteien unter der 50-Prozent-Limite liegen.

Selbstverständlich dürfen solche Umfragewerte nicht zum absoluten Nennwert genommen werden, da immer auch Momentaufnahmen eine Rolle spielen. Trotzdem fällt doch auf, dass der sgv seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008 seinen Wert markant steigern konnte. Damals lag die Zustimmung gerade mal bei 56 Prozent.

Wichtiger noch ist aber die Feststellung, wonach diese Glaubwürdigkeit immer wieder unter Beweis gestellt werden muss. Ein Prüfstein dazu ist die Abstimmung zur 1:12-Initiative vom kommenden Herbst. Und hier sieht sich das Erfolgsmodell Schweiz einem beispiellosen Angriff von Links ausgesetzt. Die Schweiz steht inmitten von kriselnden Staaten erfolgreich, stabil und sozial ausgeglichen da. Während die umliegenden europäischen Länder mit hohen Arbeitslosenzahlen, Inflation und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit zu kämpfen haben, verzeichnen wir als innovativstes europäisches Land Vollbeschäftigung und praktisch keine Jugendarbeitslosigkeit.

Diese beneidenswerte Position wurde möglich, weil wir auf die Stärken unserer Bürgerinnen und Bürger gesetzt, das Unternehmertum gefördert und Arbeitsplätze und Wohlstand für die gesamte Gesellschaft geschaffen haben. Entscheidend waren Eigenverantwortung, gezielte Risikobereitschaft zu unternehmerischen Investitionen und damit die Schaffung von Zukunftsperspektiven.

Unsere beneidenswerte Position ist denn auch alles andere als selbstverständlich. Wenn wir beginnen, unseren Wohlstand, die prosperierende Wirtschaft und die soziale Stabilität als gegeben zu betrachten, werden wir verlieren. Arbeit, Einsatz und unternehmerisches Engagement müssen weiterhin als wichtiger gesellschaftlicher Wert und als unabdingbare Bedingung für eine erfolgreiche Schweiz geschätzt und gefördert werden. In krassem Gegensatz dazu steht die 1:12-Initiative, mit der der Staat per Lohndiktat in die Unternehmen eingreifen soll. Auslagerungen von Jobs, mehr Arbeitslosigkeit, höhere Steuern und Abgaben und staatliche Lohnkontrolleure und Bürokratie wären die Folgen. Dies gilt es mit einem Nein am kommenden 24. November zu verhindern.

Moniteur de la crédibilité

9 Aug

Hans-Ulrich Bigler, directeur de l’Union suisse des arts et métiers usam

Peu avant les vacances d’été, l’Institut de sondage gfs a publié le Moniteur financier 2013. Ce système d’infor­mation, instauré pour la première fois il y a six ans, mesure à long terme comment la politique financière est perçue par les citoyens.

Une question qui intéresse toujours l’Union suisse des arts et métiers usam est celle de la crédibilité des acteurs politiques et économiques. A la question de savoir qui est le plus crédible aujourd’hui, il n’est pas étonnant que 79 pour cent des personnes interrogées aient répondu « des gens comme vous et moi » (très ou plutôt crédibles). Avec 72 pour cent, le Conseil fédéral dans son ensemble vient en deuxième position et le Parlement occupe la troisième place avec 70 pour cent d’avis positifs.

Juste derrière, avec 68 pour cent, l’usam talonne les trois premiers du classement et arrive au quatrième rang, se situant ainsi pratiquement au même niveau que les autorités politiques. L’usam est jugée crédible par tous les camps, et de manière surprenante, tout particulièrement par le parti des Verts. Il est en outre intéressant de noter que les syndicats obtiennent 59 pour cent d’avis positifs alors que l’ensemble des partis affiche un taux de crédibilité de moins de 50 pour cent.

Bien entendu, ces résultats ne doivent pas être pris comme des valeurs absolues. Ils ne représentent qu’une image de la situation à un moment donné. Cependant, ce qui saute aux yeux, c’est que depuis le premier sondage réalisé en 2008, l’usam a notablement amélioré son taux de crédibilité qui était alors de 56 pour cent.

Mais il est encore plus important de noter que cette crédibilité doit toujours être démontrée. La votation sur l’initiative 1:12 de l’automne prochain constituera un véritable test. Le modèle suisse dont on connaît le succès est soumis à une attaque sans précédent de la gauche. Au milieu d’Etats en crise, la Suisse est stable et socialement équilibrée. Alors que les pays européens qui nous entourent doivent faire face à un chômage élevé, à l’inflation et à un manque de compétitivité, nous connaissons, en tant que pays européen le plus novateur, le plein emploi et n’avons pratiquement pas de chômage des jeunes.

Cette position enviable a été acquise parce que nous avons misé sur les forces de nos citoyennes et citoyens, encouragé les entreprises, créé des emplois et la prospérité pour l’ensemble de la société. La responsabilité individuelle, la volonté de prendre des risques pour investir dans les entreprises ont été décisives et ont permis de créer des perspectives d’avenir.

Mais cette position enviable ne va absolument pas de soi. Si nous commençons à considérer que le bien-être, l’économie prospère et la stabilité sociale nous sont donnés, nous les perdrons. Nous devons continuer à prôner et à promouvoir le travail et l’engagement entrepreneurial comme une valeur sociale importante et une condition indispensable à une Suisse couronnée de succès.

L’initiative 1:12, qui stipule que l’Etat intervienne dans les entreprises en dictant les salaires, va exactement à fins contraires. Elle aurait pour conséquence le transfert d’emplois à l’étranger, davantage de chômage, des impôts et taxes plus élevés, des contrôles salariaux effectués par l’Etat et encore plus de bureaucratie. Il s’agit d’empêcher cela en déposant un Non dans l’urne le 24 novembre prochain.

Berufs-Nachwuchs im Goldrausch

6 Aug

Corinne Remund, Redaktorin Schweizerische Gewerbezeitung sgz

WORLDSKILLS 2013 – Unsere 39 Kandidatinnen und Kandidaten haben an der Berufs-WM in Leipzig eindrücklich gezeigt, dass sie Weltspitze sind. Das Swiss Team hat sich in der Nationenwertung hinter Südkorea den zweiten Rang erkämpft.

Ein grosser Medaillenregen ergoss sich an den 42. WorldSkills Competitions in Leipzig über das gut vorbereitete Schweizer Team. Neun Gold-, drei Silber-, fünf Bronzemedaillen sowie 18 Diplome: So die Bilanz der helvetischen Edelmetalle der diesjährigen Berufs-Weltmeisterschaften in Deutschland. «Teamarbeit vom Feinsten», harte Arbeit von Kandidaten und Experten sowie grosse Investitionen und Unterstützung auch von Seiten der Berufsverbände haben zu diesem Spitzenplatz geführt.

Grossartiger Empfang
«Wir haben mit diesem Resultat in Leipzig gezeigt, dass wir sowohl gemäss Medaillenspiegel als auch von der durchschnittlichen Punktzahl her mit Abstand die beste europäische Nation sind», freute sich Hans-Ulrich Stöckling, Stiftungsratspräsident von SwissSkills, am feierlichen Empfang der Delegation am Schluefweg in Kloten. «Die Karriere ist nicht eine Frage des Bildungsweges, sondern vorab des Willens, deshalb kommt ihr Erfolg nicht von ungefähr», begrüsste Ständeratspräsident Filippo Lombardi die erfolgreiche Equipe.

WorldSkills 2013 Leipzig: Berufs-Nachwuchs im Goldrausch

WorldSkills 2013 Leipzig: Berufs-Nachwuchs im Goldrausch

Sieg des dualen Systems
Überwältigt vom Goldrausch des Schweizer Teams ist auch Josef Widmer, stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation und somit quasi der «oberste Lehrmeister» des Landes. Zusammen mit Nationalratspräsidentin Maya Graf nahm er in Leipzig selbst einen Augenschein vor Ort und liess sich von dem grossen Wissen und Können des Schweizer Berufs-Nachwuchses überzeugen. «Ich bin fast ausgeflippt, als ich von unserem Spitzenresultat erfahren habe», so Widmer, der höchst angetan war vom «Spirit in der Mannschaft».  Ähnlich ergangen ist es Maya Graf. Die grüne Politikerin hat die jungen Berufsleute kurzerhand ins Bundeshaus eingeladen. In diesem Zusammenhang hoch gelobt wurde natürlich auch das duale Bildungssystem, das gemäss Widmer und Graf «eine wahre Alternative zu anderen Bildungswegen ist.»

Als Helden gefeiert
Hochzufrieden sind auch die Delegationsleiterin und sgv-Vizedirektorin Christine Davatz sowie der Technische Delegierte Rico Cioccarelli: «Es waren vier unvergessliche Wettkampftage mit einer Super-Organisation und Infrastruktur sowie einem sehr zuvorkommenden Gastgeber.»

Als wahre Helden wurden die erfolgreichen Heimkehrer von ihren Angehörigen, Chefs und Ausbildern sowie Arbeitskollegen und  Verbandsverantwortlichen in Kloten mit Kuhglocken, Jubelschreien, Schweizerfahnen, Transparenten und Blumensträussen frenetisch gefeiert. Die Medaillenträgerinnen und -träger selber konnten ihr Glück zum Teil noch gar nicht richtig fassen.  Doch Freudentränen gehören dazu…

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