Die Stärke der Miliz wird angegriffen

21 Aug

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Warum engagiert sich der sgv als KMU-Verband für die Wehrpflicht und gegen die GSoA-Initiative? Welche Interessen können KMU denn an einer Wehrpflicht haben? Um Missverständnisse zu vermeiden: Die meisten von uns, die Armeedienst leisten, unterstützen die Wehrpflicht – und dies ganz intuitiv. Aber welche Argumente sprechen aus KMU-Sicht für die Wehrpflicht? Es sind zwei Argumente:

Erstens profitieren die KMU von der «Führungsschule Armee». Auch wenn es abgedroschen klingt, es ist eine Tatsache, dass junge Menschen in der Armee die Chance erhalten, erstmals eine Führungsrolle wahrzunehmen. Sie lernen dabei zu planen, zu entscheiden und Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen. Sie müssen sich auch der Herausforderung stellen, Menschen zu motivieren, mit ihnen gemeinsam Ziele zu erreichen, klar und präzise zu kommunizieren und einen Führungsrhythmus einzuhalten.

Für die KMU ist diese Ausbildung von Nutzen, weil sie so Mitarbeitende erhalten, die anpacken können. Es gehört eben auch dazu, dass man ab und zu ­Führungsaufgaben im Betrieb wahrnimmt. Je mehr Erfahrung eine junge Person schon in einer Führungsposition gemacht hat, desto besser kann sie sich in den Betrieb einbringen. KMU können sich meist keine teuren Führungsschulungen leisten, sondern müssen auf die Fähigkeiten der Mitarbeitenden bauen.

Das zweite Argument: Der Milizgedanke ist für die Schweiz zentral; mit einer allfälligen Abschaffung der Wehrpflicht wird der Wert der Milizarbeit insgesamt in Frage gestellt. Die Miliz ist dabei keine Besonderheit der Armee, sondern der Grundgedanke, dass der Staat aus seinen Bürgerinnen und Bürgern besteht und deswegen von ihrem Engagement lebt. Die Schweiz ist auf allen Ebenen bürgernah: Unser nationales Parlament ist eine Milizvertretung; kantonale und kommunale Behörden sind selten Vollzeit-Ämter; die meisten Feuerwehren sind freiwillig, die Engagements in den Vereinen und Verbänden ebenso. Kurz: Unser Land lebt von der Miliz auf allen Stufen in vielen Bereichen. Sie macht den Staat flexibler, bürgernäher und letztlich auch günstiger. Sie stärkt die Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit.

Schweizer Armee

Schweizer Armee

Fällt das alles nun auseinander, wenn die Wehrpflicht abgeschafft werden ­sollte? Nicht sofort, aber langfristig wird eben diese Stärke angegriffen. Der Staat darf nicht zur Privatdomäne Weniger werden, die unter dem Mantel der «Professionalisierung» eigenen Interessen nachgehen. Das darf weder in der Armee noch in der Politik geschehen.

Die Wehrpflicht ist das Eingangstor zu allen Formen der Miliz und deswegen bekennt sich der sgv als grösster ­Dachverband der Schweizer Wirtschaft zu ihr. Für die KMU bringt sie betriebswirtschaftliche Vorteile, weil sie Führungskräfte ausbildet. Volkswirtschaftlich bringt sie Vorteile, weil sie den Staat günstig, flexibel und bürgernah hält. Deshalb gibt es nur gute Gründe, Nein zur Abschaffung der Wehrpflicht zu sagen.

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