Archiv | September, 2013

Politische Ränkespiele

20 Sep

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

«Welche Einbussen würde die Senkung der höchsten Löhne auf 500 000 Franken pro Jahr für die Sozialversicherungen (AHV, EO, IV) mit sich bringen?» Diese simple Frage stellte der Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv dem Bundesrat angesichts der bevorstehenden Abstimmung zur 1:12-Initiative der sozialistischen Jungspunde. Eigentlich nicht so schwierig zu beantworten – würde man meinen. Doch weit gefehlt.

In seiner Replik verzichtet die Regierung schlicht und ergreifend auf die Beantwortung. Lapidare Begründung: «Damit die Auswirkungen der Volksinitiative auf die Sozialversicherungen beurteilt werden können, bräuchte es zunächst eine genaue Vorstellung der Folgen für die ökonomischen Aggregate und im besonderen für die Lohnmasse.» Übersetzt bedeutet diese geschwollene Amtssprache nichts anderes, als dass man in verschiedenen Szenarien denken müsste. Dazu ist der Bundesrat aber offenbar nicht fähig, fährt er doch in seinen weiteren Ausführungen wörtlich fort: «In diesem Bereich überwiegen jedoch die Unsicherheitsfaktoren.»

Höhere Steuern und AHV-Beiträge für alle? Nein zur 1:12-Initiative! www.1-12-nein.ch

Höhere Steuern und AHV-Beiträge für alle? Nein zur 1:12-Initiative!
http://www.1-12-nein.ch

Aus unternehmerischer Sicht reibt man sich ob dieser Begründung verwundert die Augen. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass die Zukunft Unsicherheitsfaktoren beinhaltet. Mit dieser Herausforderung sehen sich Unternehmer laufend konfrontiert. Würde es diesen angesichts dieser unfassbaren Ausgangslage einfallen, auf die Einschätzung, Bewertung und Beurteilung ihrer unternehmerischen Entscheide zu verzichten? Oder noch deutlicher: ist Ihnen je ein erfolgreicher Unternehmer begegnet, der die Hände in den Schoss gelegt hat, nur um fatalistisch abzuwarten, welche Konsequenzen sein unternehmerisches Tun haben wird, dies immer verbunden mit der vagen Hoffnung, dass es dann doch nicht so schlimm kommt, wie es vielleicht kommen könnte…

Es ist eine Binsenwahrheit, der unternehmerische Alltag ist geprägt davon, in Szenarien und Eventualplanungen zu denken, um auf erwartete und nicht erwartete Entwicklungen angemessen reagieren zu können und um letztlich die eigene Zukunft erfolgreich zu meistern. Ganz anders offenbar die Landesragierung. In ihrer Begründung fährt sie nämlich angesichts der bestehenden Unsicherheit fort: «Aus diesem Grund hat der Bundesrat darauf verzichtet, ein bestimmtes Szenario vorzugeben und zu berechnen», nur um dann gleich beschwichtigend hinzuzufügen «allerdings nicht ohne seiner Besorgnis in Bezug auf die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft Ausdruck zu verleihen».

Nun, Zahlen liegen auf dem Tisch. Die Universität St. Gallen hat in einer Studie verschiedene Szenarien berechnet und beziffert im Falle einer Annahme der 1:12-Ini­tiative die Ausfälle bei der AHV auf bis zu 2.5 Milliarden Franken und bei den Steuern auf bis zu 1,5 Milliarden Franken. Angesichts dieses drohenden Finanzierungsabgrunds stellt sich als weiteres die Frage, wie der Bundesrat die Altersreform 2020 erfolgreich über die Bühne bringen will. Bereits heute setzt er – also noch ohne durch die Initiative zusätzlich drohende AHV-Ausfälle – auf Mehreinnahmen von sechs Milliarden Franken durch Erhöhung der Mehrwertsteuer! Es wird interessant sein, am kommenden Montag in der Fragestunde des Bundesrates zu hören, ob der Bundesrat wenigstens in diesem Fall in Szenarien denken mag oder ob er angesichts der Unsicherheit erneut lieber wieder darauf verzichtet.

Mehr Informationen zu den negativen Auswirkungen der 1:12-Initiative unter

www.1-12-nein.ch

Quel rapport entre la saucisse à rôtir et le cervelas ?

6 Sep

Hans-Ulrich Bigler, directeur de l’Union suisse des arts et métiers usam

Imaginez-vous : il est minuit. Vous vous rendez à une station-service et achetez un paquet de six boîtes de coca et quatre saucisses à rôtir. Vous voulez racheter la même chose une heure plus tard, mais – désolé – c’est impossible! À partir de 1 heure du matin, vous pouvez tout au plus acheter des cervelas, mais pas les saucisses qui se trouvent juste à côté, et qui sont d’ailleurs recouvertes d’une bâche! Vous pouvez également acheter 6 boîtes de coca séparément les unes des autres, mais pas un paquet de six. À 5 heures du matin, même topo! À 5 heures moins le quart, vous pouvez acheter autant de croissants ou de petits pains que vous le désirez. Mais du pain, pas question! On ne peut le vendre qu’à partir de 5 heures. Invraisemblable? Oui! Loufoque? À coup sûr !

Que la station-service reste ouverte toute la nuit, cela va de soi. Tout comme le fait que le vendeur ou la caissière puissent travailler toute la nuit s’ils le veulent bien. Entre 1 heure et 5 heures du matin, le travail, au shop, est exactement le même, sauf qu’il n’est pas permis de proposer aux clients la totalité de l’assortiment. Durant cette période de quatre heures, on n’a le droit de vendre que ce qui peut être consommé tout de suite. Un cervelas, on peut le manger sur place; une saucisse, il faut d’abord la rôtir. Un petit pain peut être consommé immédiatement ; une miche de pain, non (mais pourquoi au juste ?). Et selon la même logique, on pourrait boire tout de suite le contenu de 6 boîtes de coca, mais pas d’un six-pack …

Si nous sommes appelés aux urnes pour la modification de la loi sur le travail dans le domaine des stations-service, il ne s’agit en fait ni de travail ni de propagande pour la libéralisation des heures d’ouverture, mais uniquement de permettre à 24  stations-service de proposer aux consommateurs l’ensemble de leur assortiment 24 heures sur 24.

Oui à la révision partielle de la loi sur le travail! Voir www.loi-sur-le-travail-oui.ch

Oui à la révision partielle de la loi sur le travail! Voir http://www.loi-sur-le-travail-oui.ch

Pourquoi l’Union suisse des arts et métiers usam dit-elle oui à cette modification de la loi sur le travail et combat-elle le référendum des syndicats? Tout simplement parce qu’en l’occurrence le oui correspond à notre constante stratégie, qui consiste à réduire le coût des réglementations. L’usam lutte pour l’abolition de l’évidente tracasserie que constitue l’obligation de recouvrir d’une bâche certaines parties de l’assortiment, car il s’agit d’un rajout réglementaire qui coûte cher et n’est utile à personne.

Par ailleurs, l’obligation de recouvrir une partie de l’assortiment est si grotesque que les promoteurs du oui ont décidé de tabler sur cette évidente absurdité de la loi actuelle pour concevoir leur campagne d’affiches, en adoptant le slogan: oui à la légalisation des saucisses à rôtir.

Que l’on ne puisse vendre de saucisse à rôtir entre 1 heure et 5 heures du matin dans un commerce ouvert toute la nuit et où de toute manière les employés travaillent, voilà qui prouve le ridicule de la réglementation actuelle! C’est comme si l’on faisait la promotion des cervelas tout en interdisant la saucisse à rôtir … Cela n’a rien à voir ni avec le travail ni avec les heures d’ouverture des magasins.

En conclusion, disons oui à la modification de la loi sur le travail! Grillons des cervelas, mais légalisons les saucisses à rôtir !

Pour en savoir plus: www.loi-sur-le-travail.ch

Was hat die Bratwurst mit dem Cervelat zu tun?

3 Sep

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Stellen Sie sich vor: Es ist Mitternacht und Sie gehen in einen Tankstellenshop. Sie kaufen eine 6er-Packung Cola-Dosen und vier Bratwürste. Sie möchten das Gleiche eine Stunde später kaufen? Sorry, geht leider nicht! Ab 1 Uhr morgens dürfen Sie höchstens Cervelats kaufen, nicht aber die daneben liegenden Bratwürste. Diese sind nämlich abgedeckt. Sie können im Übrigen auch 6 einzelne Cola-Dosen kaufen, aber nicht eine 6er-Packung. Morgens um 5 Uhr: Das gleiche Bild! Um 04:45 Uhr können Sie so viele Weggli posten, wie Sie möchten – aber kein Brot, dieses darf nämlich erst ab 5 Uhr verkauft werden. Verwirrend? Ja! Irrwitzig? Aber sicher!

Klar ist, dass der Tankstellenshop die ganze Nacht in Betrieb bleibt. Ebenso klar ist, dass die Verkäuferin oder der Verkäufer die ganze Nacht arbeiten dürfen, sofern sie das wollen. Zwischen morgens um 1 und 5 Uhr ändert sich rein gar nichts an der Arbeit im Shop, ausser dass dort den Kunden nicht das gesamte Sortiment verkauft werden darf. Verkaufen darf man zwischen 1 und 5 Uhr nur, was sofort konsumiert werden kann. Einen Cervelat kann man auf der Stelle verspeisen; eine Bratwurst müsste zuerst gebraten werden. Ein Weggli kann sofort gegessen werden; ein Laib Brot nicht (weshalb eigentlich…?). Nach der gleichen Logik: 6 Einzelbüchsen könnte man sofort trinken, ein 6er-Pack jedoch nicht… Alles klar soweit?

Wenn wir also über die Änderung des Arbeitsgesetzes im Bereich der Tankstellenshops abstimmen, dann geht es weder um die Arbeit noch um eine propagierte Liberalisierung der Öffnungszeiten. Es geht einzig und allein darum, dass 24 Tankstellen im Land ihr gesamtes Sortiment rund um die Uhr verkaufen können.

Bratwürste legalisieren! Mehr unter www.arbeitsgesetz-ja.ch

Bratwürste legalisieren! Mehr unter http://www.arbeitsgesetz-ja.ch

Warum sagt der Schweizerische Gewerbeverband sgv Ja zu dieser Änderung des Arbeitsgesetzes und bekämpft das Referendum der Gewerkschaften? Ganz einfach: Weil das Ja zu unserer konsequenten Strategie, zum Abbau von Regulierungskosten, passt. Der sgv setzt sich ein für die Abschaffung der offensichtlichen Schikane, Sortimentsteile abdecken zu müssen. Sie ist nämlich eine unsinnige Zusatzregulierung, welche nur Kosten verursacht und niemandem nützt. Im Übrigen ist das Abdecken des Sortiments so grotesk, dass sich die Ja-Kampagne entschieden hat, diese offensichtliche Absurdität des bestehenden Gesetzes zum Wahlkampfplakat zu machen: Ja zur Legalisierung der Bratwürste.

Dass Bratwürste zwischen 1 und 5 Uhr nicht verkauft werden können in einem Geschäft, das die ganze Nacht offen hat und wo die Mitarbeitenden ohnehin arbeiten, macht die Lächerlichkeit der bestehenden Regelung deutlich. Es ist, als ob es ein Verbot von Bratwurst bei gleichzeitiger Förderung des Cervelats gäbe. Das hat doch weder mit Arbeit noch Öffnungszeiten zu tun.

Deshalb gilt: Ja zur Änderung des Arbeitsgesetzes – Cervelats grillieren, Bratwürste legalisieren!

Mehr Informationen zu einer sinnvollen Revision des Arbeitsgesetzes unter www.arbeitsgesetz-ja.ch

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