Mindestlohn-Initiative: selbst Gewerkschaften sind gespalten

11 Mrz

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

In der Gastrobranche führt die Mindestlohn-Initiative zu einem Beizensterben und kostet unzähligen Angestellten, darunter sehr vielen Frauen, den Job. Taxiunternehmen müssen ihre Mitarbeitenden entlassen, weil sie diese nicht mehr zahlen können. Die Betroffenen werden weiterhin als selbstständige Taxifahrer zu einem viel tieferen Einkommen durch die Schweizer Strassen fahren. Und wie das Beispiel der Coiffeurbranche eindrücklich zeigt, wird die Schwarzarbeit wegen der Mindestlohn-Initiative stark zunehmen, weil entlassene Coiffeure von zu Hause aus als sogenannte „Badewannen-Coiffeure“ zu Dumpinglöhnen arbeiten werden – sehr häufig illegal.

Die Konsequenzen eines starren Mindestlohnes für die Coiffeur-Branche sind verheerend: Mehr Arbeitslose, ein zunehmender Schwarzmarkt und weniger qualifiziertes Personal.

Die Konsequenzen eines starren Mindestlohnes für die Coiffeur-Branche sind verheerend: Mehr Arbeitslose, ein zunehmender Schwarzmarkt und weniger qualifiziertes Personal.

Neben der Binnenwirtschaft nimmt aber auch die Exportindustrie grossen Schaden, wenn wir uns den weltweit mit Abstand höchsten Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde in die Verfassung schreiben. Es ist deshalb nachvollziehbar und verständlich, dass selbst die Gewerkschaften gespalten sind und die Gewerkschaft Angestellte Schweiz vor den negativen Folgen der Mindestlohn-Initiative warnt.

Denn die Gewerkschaft hat erkannt, dass wir uns mit einem solchen immensen in der Verfassung festgeschriebenen Lohnunterschied im internationalen Wettbewerb selber schachmatt setzen. Diktiert der Staat den Unternehmen, dass sie die untersten Löhne auf Weltrekord-Niveau anpassen müssen, fürchten die Arbeitnehmervertreter, dass die Löhne des Mittelstandes unter Druck geraten und nach unten angepasst würden. Mittlere Löhne würden sich vermehrt am Mindestlohn orientieren, damit die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und im internationalen Wettbewerb überleben können.

Die Gewerkschaft fürchtet aber auch, dass wegen der sehr hohen vorgeschlagenen Mindestlöhne zusätzlich Arbeitsplätze verloren gehen. Betroffen wären besonders Frauen, die überdurchschnittlich oft Teilzeit arbeiten oder weniger gut Qualifizierte, wie die Gewerkschaft schreibt.

Die Befürchtungen der Gewerkschaft sich durchaus real. Denn KMU und grössere exportorientierte Unternehmen, die im internationalen Konkurrenzkampf mit den bestehenden hohen Schweizer Löhnen heute schon am Limit laufen, erfahren mit der Mindestlohn-Initiative einen richtigen Kostenschock. Die Lohnkosten werden so in die Höhe getrieben, dass ein konkurrenzfähiges Wirtschaften verunmöglicht wird. Wir zwingen unsere Unternehmen mit solchen Vorlagen ja gerade dazu, Stellen zu streichen und Tätigkeiten im unteren Lohnsegment weg zu rationalisieren oder eben die mittleren Einkommen nach unten anzupassen.

Es ist deshalb ganz im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass die schädliche Mindestlohn-Initiative am 18. Mai wuchtig verworfen wird.

Verfolgen Sie alle Beiträge von sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler zur gefährlichen Mindestlohninitiative im NZZ Blog unter:
http://mindestlohn.blog.nzz.ch

Eine Antwort to “Mindestlohn-Initiative: selbst Gewerkschaften sind gespalten”

  1. Thomas 15. September 2014 um 19:52 #

    Das ganze Thema spaltet tatsächlich die Meinungen der Menschen, denn auf der einen Seite ist es ein ganz wichtiger Schritt, der gemacht werden soll, auf der anderen Seite reicht es einfach bei weitem nicht aus, um endlich auch jedem Arbeitnehmer entgegen zu kommen. Hier gibt es zudem einfach viel zu viele Ausnahmen, so dass man am Ende vermutlich genauso da steht, wie jetzt auch und das sollte ja nicht Sinn der ganzen Sache sein.

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