Archiv | Juni, 2014

Privatsphäre unter Angriff: Hungriger Datenstaat

17 Jun

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Schon wieder sind die Zeitungen mit Indiskretionen im Nachrichtendienst des Bundes (NDB) voll. Ob nun ein Mitarbeiter eine gesamte Festplatte entwendet oder Bürger ausspioniert; der NDB kann keine Gewähr bieten, dass die Informationen, die er hat, geschützt werden.

Privatsphäre unter Angriff: Der Datenhunger des Staates scheint keine Grenzen zu kennen.

Privatsphäre unter Angriff: Der Datenhunger des Staates scheint keine Grenzen zu kennen.

Das ist vor allem deswegen ein Problem, weil der NDB noch mehr Informationen will. Mit dem Entwurf des Nachrichtendienstgesetztes werden die Bundesspione ihren Datenhunger nach Belieben stillen können. Sie können im In- und Ausland verdeckt vorgehen. Und falls der Hunger in Gefrässigkeit endet, sieht das Gesetz keinerlei wirksame Mittel vor, um die Rechte der Bürgerinnen und Bürger auf ihre eigene Daten zu schützen. Der fliessende Übergang von Spionage und Polizei wird im Gesetzesentwurf geradezu zelebriert.

Der Datenstaat lauert überall

Der staatliche Datenhunger wird aber nicht nur im Nachrichtendienstgesetz verankert. In vielen aktuellen Gesetzesrevisionen erhalten die Behörden nahezu uneingeschränkten Zugang zu personenbezogenen Informationen. Der Schutz der Privatsphäre scheint dabei bestenfalls zweitrangig zu sein. Beispiele gefällig?

  • Der automatische Informationsaustausch in Steuersachen ist ein Beschluss des Bundesrates. Mit ihm werden Steuerdaten ohne Wissen der betreffenden Personen an ausländische Behörden geliefert.
  • Mit dem Abkommen mit der EU in Wettbewerbsangelegenheiten können die entsprechenden Kartellbehörden Informationen zu Firmen austauschen, ohne sie zu informieren (bei Paralleluntersuchungen). Wie es von den Verteidigern dieses Abkommens immer wieder heisst, geht es um die „Freiheit der Behörden“.
  • Das neue Bundesgesetz zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BüPF) erlaubt die Installation von Bundestrojanern auf Computern und Mobiltelefonen, die Speicherung auf Vorrat aller Verbindungsdaten während 12 Monaten (E-Mail, Handy, IP-Adressen, usw.) sowie eine intrusive Überwachung der Mobiltelefonie.
  • Das Zollgesetz erlaubt neu die Personenüberwachung inklusive Beschattung (d.h. das unerkannte Verfolgen). Brisant ist dabei, dass der Zoll dies bereits tat, bevor dafür eine gesetzliche Grundlage vorhanden war, wie der Bundesrat zugibt.
  • Und selbst im neuen Sportgesetz soll eine automatische Verarbeitung von Personeninformationen vorgenommen werden. Warum? Während andere Gesetze zumindest versuchen, einen Rechtfertigungsgrund für den stets wachsenden Datenhunger zu finden, wird dies im neuen Sportgesetz gar nicht erst versucht.

Der hungrige Datenstaat ist nicht die CIA oder die NSA oder gar ein Gespenst ausgefallener Fantasiefilme, sondern eine Realität in der Schweiz.

Wachstumsmarkt Asien: Qualität und Premium voll im Trend

16 Jun

Wolfgang Schanzenbach, Regional Director Asia-Pacific Switzerland Global Enterprise (ehemals Osec)

Die wachsende Mittelschicht wird anspruchsvoller – Schweizer Unternehmen sind prädestiniert, um diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Asien und Billigware, das war einmal. Heuer kommt auch auf dem grössten Kontinent immer mehr Klasse vor Masse. Eine zahlungskräftige Mittelschicht wächst heran, mit höheren Ansprüchen an die Qualität und Sicherheit der Produkte, die sie erwerben, und der Dienstleistungen, die sie in Anspruch nehmen. Für Schweizer Unternehmen, die in Asien vor allem als Nischen- und Premiumanbieter bekannt sind, eine willkommene Entwicklung, die ihnen auf dem Kontinent mehr Geschäftsmöglichkeiten denn je eröffnet.

Ein Beispiel: Indonesien, mit 250 Mio. Einwohnern die viertgrösste Nation der Welt. Rund 45 Mio. Indonesier gehören dem Mittelstand an, der sich bis 2030 verdreifachen dürfte. Bis 2015 sollte das im vergangenen Jahr etwas schwächelnde Wirtschaftswachstum wieder auf 6 Prozent steigen. Vielleicht liegt ja auch noch mehr drin, denn die ASEAN, zu deren Mitgliedern Indonesien gehört, hat auf 2015 die schrittweise Einführung von Liberalisierungsmassnahmen angekündigt. Ziel ist es, den Waren- und Personenverkehr zu vereinfachen – und so Handelshemmnisse abzubauen.

Asien und Billigware, das war einmal: Eine zahlungskräftige Mittelschicht wächst heran, mit höheren Ansprüchen an die Qualität und Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen.

Asien und Billigware, das war einmal: Eine zahlungskräftige Mittelschicht wächst heran, mit höheren Ansprüchen an die Qualität und Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen.

Zu den Kernbedürfnissen der neuen Mittelschichten gehört eine qualitative Gesundheitsversorgung – doch wie in den meisten asiatischen Schwellenländern weist das indonesische Gesundheitswesen noch viel Nachholbedarf auf. Die Nachfrage nach medizinischen Geräten dürfte sich weiterhin stark erhöhen, kann aber nur durch Importe gedeckt werden. Deren Quote in Indonesien bei 97,2 Prozent liegt.

So arbeitet ein führender Anbieter von Zahnimplantaten aus Basel etwa gemeinsam mit einem lokalen Distributionspartner in Indonesien; ein häufiger Schritt vieler Firmen, um schneller Bekanntheit im Markt zu gewinnen. Weiterhin lohnt es sich, viel Aufwand ins Coaching der Angestellten zu stecken. 2013 wuchs das Basler Unternehmen so deutlich. Schweizer Präzision und Qualität überzeugen.

Am „S-GE Impulse: Asia“ am 23. und 24. Juni führen ausgewiesene Asien-Experten durch Länder, Märkte und Branchen mit hohem Attraktivitätspotenzial für Schweizer KMU.
Mehr Informationen und Anmeldung unter www.s-ge.com/impulseAsia

Die zentrale Rolle der Frauen in den Schweizer KMU

4 Jun

Nationalrat Jean-François Rime, Präsident Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Unternehmerinnen und Frauen in Kaderpositionen spielen in der KMU-Wirtschaft eine viel wichtigere Rolle als in grossen Unternehmen oder in der Verwaltung. Diese Rolle könnte jedoch Schaden nehmen, wenn man den KMU allgemeine, auf Grossunternehmen ausgelegte Regeln auferlegt. Die Diskussion über die Stärkung der Frauen war bisher einzig auf die grossen Unternehmen ausgerichtet und muss dringend in neue Bahnen gelenkt werden.

In den KMU nehmen 35 % der Frauen eine Vorgesetztenfunktion ein. Fast jede zweite Einzelfirma wird von einer Frau geführt. Und mit einem Anteil von 22 % sind Frauen in der KMU-Wirtschaft im Vergleich zum Schnitt über alle Unternehmen (15 %) auch im Verwaltungsrat überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen tätig. Diese erfolgreiche Integration der Frauen in die Führungsebene ist sehr wertvoll. Das beweist auch die Tatsache, dass Familienbetriebe mit 58 % Frauenanteil mehrheitlich von Frauen geführt werden.

Unternehmerische Flexibilität: 70% der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen.

Unternehmerische Flexibilität: 70% der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen.

Diesen offensichtlichen Unterschieden wird aber in der Hauptdiskussion zum Thema Frauenförderung keinerlei Rechnung getragen. Sie dreht sich ausschliesslich um Quoten und organisatorische Zwangsmassnahmen, die in grossen Unternehmen und in der Verwaltung umgesetzt werden sollen. Die Realität in den KMU wird im besten Fall ausgeblendet. Oft werden jedoch undifferenzierte, auf grosse Organisationen ausgerichtete Ideen verallgemeinernd auch den KMU übergestülpt.

Die Diskussion über die Frauenförderung muss dringend in neue Bahnen gelenkt werden.

Die Frauen profitieren heute von der unternehmerischen Flexibilität in kleinen Firmen und Familienunternehmen. Sie finden dort oft individuelle Lösungen, die ihnen die Möglichkeit bieten, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Als Beweis: 70 % der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen. Der Handlungsspielraum dieser Frauen würde eingeschränkt, wenn die KMU dazu verpflichtet würden, starre Quoten und organisatorische Zwangsmassnahmen anzuwenden.

Wenn man die KMU-Unternehmerinnen wirklich fördern will, müssen vielmehr zuallererst die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es den selbstständigen Unternehmerinnen, treibenden Kräften in einem Familienunternehmen oder Teilzeit angestellten Kaderfrauen ermöglichen, effizient und ohne unnötige administrative Belastungen arbeiten zu können. Diese Bedingungen sind umso notwendiger, als dass diese Frauen daneben häufig noch zahlreiche Aufgaben in der Familie übernehmen.

Anstatt die Frauen in KMU mit starren Quoten und Vorgaben auszubremsen, verlangt der Schweizerische Gewerbeverband sgv eine bewusste Stärkung der Frauen in der höheren Berufsbildung. Trotz ihrer zentralen Rolle in den KMU verfügen mit 12 % nämlich nur wenige dieser Frauen über einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe und damit über eine ihrer Verantwortung entsprechende Ausbildung. Es ist deshalb dringend notwendig, dass der Bund die höhere Berufsbildung auch für die KMU-Frauen stärkt und finanziell unterstützt. Nur so können die Frauen in den KMU wirklich gefördert werden! Es ist Zeit, die Diskussion über die Frauenförderung, die bisher einzig auf Grossunternehmen ausgerichtet war, in neue Bahnen zu lenken.

Quellen (PDF-Dateien):

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