Die zentrale Rolle der Frauen in den Schweizer KMU

4 Jun

Nationalrat Jean-François Rime, Präsident Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Unternehmerinnen und Frauen in Kaderpositionen spielen in der KMU-Wirtschaft eine viel wichtigere Rolle als in grossen Unternehmen oder in der Verwaltung. Diese Rolle könnte jedoch Schaden nehmen, wenn man den KMU allgemeine, auf Grossunternehmen ausgelegte Regeln auferlegt. Die Diskussion über die Stärkung der Frauen war bisher einzig auf die grossen Unternehmen ausgerichtet und muss dringend in neue Bahnen gelenkt werden.

In den KMU nehmen 35 % der Frauen eine Vorgesetztenfunktion ein. Fast jede zweite Einzelfirma wird von einer Frau geführt. Und mit einem Anteil von 22 % sind Frauen in der KMU-Wirtschaft im Vergleich zum Schnitt über alle Unternehmen (15 %) auch im Verwaltungsrat überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen tätig. Diese erfolgreiche Integration der Frauen in die Führungsebene ist sehr wertvoll. Das beweist auch die Tatsache, dass Familienbetriebe mit 58 % Frauenanteil mehrheitlich von Frauen geführt werden.

Unternehmerische Flexibilität: 70% der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen.

Unternehmerische Flexibilität: 70% der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen.

Diesen offensichtlichen Unterschieden wird aber in der Hauptdiskussion zum Thema Frauenförderung keinerlei Rechnung getragen. Sie dreht sich ausschliesslich um Quoten und organisatorische Zwangsmassnahmen, die in grossen Unternehmen und in der Verwaltung umgesetzt werden sollen. Die Realität in den KMU wird im besten Fall ausgeblendet. Oft werden jedoch undifferenzierte, auf grosse Organisationen ausgerichtete Ideen verallgemeinernd auch den KMU übergestülpt.

Die Diskussion über die Frauenförderung muss dringend in neue Bahnen gelenkt werden.

Die Frauen profitieren heute von der unternehmerischen Flexibilität in kleinen Firmen und Familienunternehmen. Sie finden dort oft individuelle Lösungen, die ihnen die Möglichkeit bieten, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Als Beweis: 70 % der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen. Der Handlungsspielraum dieser Frauen würde eingeschränkt, wenn die KMU dazu verpflichtet würden, starre Quoten und organisatorische Zwangsmassnahmen anzuwenden.

Wenn man die KMU-Unternehmerinnen wirklich fördern will, müssen vielmehr zuallererst die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es den selbstständigen Unternehmerinnen, treibenden Kräften in einem Familienunternehmen oder Teilzeit angestellten Kaderfrauen ermöglichen, effizient und ohne unnötige administrative Belastungen arbeiten zu können. Diese Bedingungen sind umso notwendiger, als dass diese Frauen daneben häufig noch zahlreiche Aufgaben in der Familie übernehmen.

Anstatt die Frauen in KMU mit starren Quoten und Vorgaben auszubremsen, verlangt der Schweizerische Gewerbeverband sgv eine bewusste Stärkung der Frauen in der höheren Berufsbildung. Trotz ihrer zentralen Rolle in den KMU verfügen mit 12 % nämlich nur wenige dieser Frauen über einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe und damit über eine ihrer Verantwortung entsprechende Ausbildung. Es ist deshalb dringend notwendig, dass der Bund die höhere Berufsbildung auch für die KMU-Frauen stärkt und finanziell unterstützt. Nur so können die Frauen in den KMU wirklich gefördert werden! Es ist Zeit, die Diskussion über die Frauenförderung, die bisher einzig auf Grossunternehmen ausgerichtet war, in neue Bahnen zu lenken.

Quellen (PDF-Dateien):

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