Littering ist ein gesellschaftliches Problem

27 Okt

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizer Gewerbeverband sgv

Ob man es glaubt oder nicht: Es gibt Leute, die bewusst littern. Das heisst, es gibt Leute, die ihren Abfall im öffentlichen Raum entsorgen und es auch gut finden. Das ist zum Glück keine Mehrheit. Das ist nur eines der Ergebnisse einer kürzlich publizierten Studie.

Erstmals wurde in der Schweiz der Einfluss von verschiedenen Kontexten auf das Littering-Verhalten untersucht. Das Hauptinteresse der Studie gilt dabei insbesondere der Frage, ob dabei eine generelle gesellschaftliche Norm existiert? Oder ob vielmehr das soziale Umfeld, der jeweilige Ort oder die Tageszeit sowie auch individuelle Eigenschaften das Littering-Verhalten bestimmen.

Die Studie identifiziert das Bewusstsein für die negativen Konsequenzen des Litterns sowie die Be-reitschaft, nicht zu littern, als die wesentlichen Verhaltenstreiber für den Beitrag zum öffentlichen Gut «Sauberkeit im öffentlichen Raum». Anhand eines breit angelegten, repräsentativen Online-Experiments mit insgesamt über 15000 Teilnehmenden können erstmals Schlussfolgerungen gezogen werden, wie besagte Verhaltenstreiber in unterschiedlichen Situationen ausgeprägt sind. Es entsteht ein «Röntgenbild» des Littering-Verhaltens in der Schweiz. Anhand von diesem können einerseits gezielt effektive Massnahmen für die unterschiedlichen Kontexte abgeleitet und andererseits aktuell diskutierte Massnahmen hinsichtlich ihrer Verhaltenswirkung beurteilt werden.

Littering ist ein gesellschaftliche Problem, das sich mit Gebühren nicht lösen lässt.

Littering ist ein gesellschaftliche Problem, das sich mit Gebühren nicht lösen lässt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen klar: In der Schweizer Bevölkerung ist ein generelles Bewusstsein für die Problematik sowie eine generelle Bereitschaft, nicht zu littern, vorhanden. Es existiert eine Norm des «Nicht-Litterns», welche diese Bereitschaft in hohem Masse positiv beeinflusst und dazu führt, dass ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung nicht massgeblich zur Littering-Problematik beiträgt.

Aber: Die Bereitschaft, nicht zu littern, ist unter jungen Erwachsenen deutlich schwächer ausgeprägt. Das liegt an der zugrundeliegenden Werte- und Präferenzstruktur. Es bedeutet aber keinesfalls, dass nur junge Erwachsene littern. Und das Bewusstsein über die negativen Konsequenzen sowie die Bereitschaft, nicht zu littern, ist in verschiedenen Situationen sehr unterschiedlich ausprägt.

Diese Erkenntnisse sind für die derzeitige politische Diskussion in der Schweiz wichtig. Sie belegen, dass Littering nicht über die Einführung von Gebühren vermindert werden kann. Littering Gebühren funktionieren nicht. Massnahmen, welche auf potentiell Littering-gefährdende Gegenstände (wie z.B. Take-away-Verpackungen) alleine abzielen, führen in den meisten Fällen zu keiner signifikanten Verringerung des Litterings und können unter Umständen die Littering-Problematik verstärken.

Die Studie kann im Internet gefunden werden unter: http://littering-schweiz.ch

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