Schawinski serviert de Weck: Ein Roger hackt dem anderen kein Auge aus

12 Mai

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Im Schweizer Farbfernsehen ereignete sich am Montag dieser Woche zu später Stunde Unerhörtes. In ungewohnter Offenheit deklarierte der einst bissige Alt-Talker Roger Schawinski seine Sendung schon im Voraus als Propaganda in eigener Sache. „Die Sache“ – sprich: das erhoffte Ja zur neuen Billag-Mediensteuer – vertrat dann aber nicht etwa die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard, sondern „Schawis“ heutiger Chef und Brötchengeber Roger de Weck.

„Danke vielmals, dass Du gekommen bist, Roger“, begrüsste der ehemalige Radiopirat seinen langjährigen Intimfeind und liess damit erahnen, dass er heute jegliche journalistische Distanz zu seinem Gegenüber gar nicht erst würde aufkommen lassen. „WOW! Das ist ja unglaublich, was das alles bringt“, fasste Millionär „Schawi“ die Werbeshow seines ebenfalls bestens bezahlten Chefs zugunsten des neuen RTVG in billigster Billig-TV-Manier zusammen. In der Folge spielte der Talker seinem Chef die Bälle zu und liess de Weck von „eidgenössischer Soli­da­rität“ schwadronieren, fast ohne ihn je zu unterbrechen – Wohlfühl-TV als Dauerwerbesendung.

Schawinski hofiert SRG-Boss de Weck: Ein Roger hackt dem anderen kein Auge aus ...

De Weck weigerte sich in der Folge standhaft, sich der längst überfälligen Diskussion über den „Service public“ zu stellen und spulte stattdessen brav die Argumente „seiner“ Bundesrätin ab, um deren akut absturzgefährdete Billag-Mediensteuer in letzter Minute doch noch zu retten. Sogar die „bösen Grössen“ Facebook und Google mussten als Feindbilder herhalten, um die von de Weck als „Grabenkämpfer“ bezeichneten Billag-Gegner als ewiggestrige Grünwiesen-Anbeter zu desavouieren.

Immerhin musste auch Schawinski feststellen, dass sich der „Unmut über die SRG“ derzeit fast explosionsartig Raum schafft. Ansonsten verdingte sich der ehemals angriffige Talkmaster als lammfrommer, serviler Stich­worte-Lieferant. Damit unterbot Schawinski gar seinen ebenso peinlichen wie unvergesslichen Talk mit Andreas Thiel – und machte, Seite an Seite mit seinem Namensvetter de Weck, vor allem eines klar: Die SRG scheut die Diskussion um den Service public wie der Teufel das Weihwasser. Und dafür hat sie auch allen Grund: Sendungen wie „Schawinski“ sind definitiv das Geld nicht wert, das uns allen mit der neuen Billag-Mediensteuer aus dem Sack gezogen werden soll. So gesehen war der „Alles Roger-Talk“ nicht bloss die endgültige Demontage eines ehemals begnadeten Night-Talkers, sondern vor allem ein ungeheuerlicher Bärendienst an der SRG. Und ein unbezahlbarer Hinweis darauf, warum es am 14. Juni jetzt erst recht ein überzeugtes NEIN zur neuen Billag-Mediensteuer braucht.

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