Der Abschwung Chinas: eine gute Nachricht?

11 Jun

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Das Wachstum in China verlangsamt sich auf ungefähr sieben Prozent oder fällt vielleicht sogar darunter und viele Kommentatoren sind beunruhigt. Doch China-Pessimisten übertreiben.

China wächst an jeglichen anderen Standards gemessen immer noch sehr schnell. Die Beschäftigung nimmt signifikant zu und es sieht nicht so aus, als dass soziale Spannungen ausbrechen würden. Obwohl die Bauwirtschaft und das Bankwesen kritische Merkmale aufweisen, sind bedeutende Wirtschaftsreformen noch nicht in Sicht und dies ist auch nicht das Haupt­problem. Es ist zu erwarten, dass Peking grosse Anstrengungen unter­nehmen wird, um im Inland das Vertrauen zu stärken und die Exporte aufrechtzuerhalten, indem es möglicherweise stark ins Weltbankwesen investiert. Dieser zum Teil neue Ansatz sollte für den Westen eine gute Nachricht sein.

Ein kurzfristiges Szenario

Das Vertrauen ist die wichtigste Variable, die von den Behörden überwacht wird. Deshalb wird das wahrscheinlichste kurzfristige Szenario durch das Bemühen gekennzeichnet sein, die öffentliche Meinung davon zu über­zeugen, dass alles unter Kontrolle ist. Ausserdem wird man sich bemühen, die Wirtschaft an das relativ langsame Wachstum anzupassen und die kritischen Bereiche zu begrenzen. Gleichzeitig könnte es zu einem Gesinnungswandel in Bezug auf die internationalen Wirtschaftsbeziehungen und, allgemeiner, in der Aussenpolitik kommen.

In China fielen die durchschnittlichen Preise für neue Wohnungen im März 2015 auf eine jährliche Basis gerechnet den siebten Monat in Folge.

In China fielen die durchschnittlichen Preise für neue Wohnungen im März 2015 auf eine jährliche Basis gerechnet den siebten Monat in Folge.

Die Exporte sind zurückgegangen, aber das ist nicht überraschend, seitdem die Welthandelsströme während des letzten Jahres stagnierten. Das aktuelle chinesische Verhältnis des Exports zum BIP ist mit 30 Prozent am Welt­standard gemessen ziemlich hoch. Dies wird zwangsläufig abnehmen, wenn sich die Wirtschaft diversifiziert.

Die Chinesen werden versuchen, dem Rückgang entgegenzuwirken und wir können erwarten, dass sie erneute Anstrengungen unternehmen werden, um in ausgewählte Märkte einzutreten oder dort weiter zu expandieren. Die kürzlich gegründete Internationale Entwicklungsbank ist ein Beispiel für Ver­suche, die in dieser Richtung unternommen werden.

Ein weiteres Beispiel ist die Kauf-Welle, die chinesische Anleger in der ganzen Welt vornehmen, und die zunehmend grössere chinesische Präsenz im globalen Bankwesen, wodurch neue Geschäftstätigkeiten finanziert und die Bandbreite an potentiellen Kunden für chinesische Lieferanten aus­ge­dehnt werden.

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