Archiv | November, 2015

Titelgebung: Auf dem richtigen Weg?

27 Nov

Christine Davatz, Vizedirektorin Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI schlägt bezüglich des englischen Titels für Abschlüsse der Berufsbildung einen eigenwilligen Weg ein. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv akzeptiert dies nicht und wehrt sich vehement.

Noch im Juli ging der sgv davon aus, dass Bundesrat und das SBFI seine Anliegen zur Stärkung der höheren Berufsbildung ernst nehmen würden. Der Entscheid aus Sicht des Bundes scheint jedoch nun gefällt zu sein. Wenn es nach dem SBFI geht, wird es definitiv keinen «professional Bachelor» und keinen «professional Master» bei den englischen Übersetzungen der Titel in der höheren Berufsbildung geben. Die Berufsverbände sind aber weiterhin für die Bezeichnungen ihrer Berufsabschlüsse verantwortlich. Es stellt sich die Frage: Geht das überhaupt auf, und wird das SBFI wirklich zustimmen, wenn sich ein diplomierter Bäcker-Konditor – in der Umgangssprache wohl immer noch Bäckermeister genannt – plötzlich Master Baker nennen will?

Kein „professional Bachelor“ und kein „professional Master“ bei den englischen Titeln in der höheren Berufsbildung? Das SBFI hat da seine ganz eigenen Ansichten.

Kein „professional Bachelor“ und kein „professional Master“ bei den englischen Titeln in der höheren Berufsbildung? Das SBFI hat da seine ganz eigenen Ansichten.

sgv kämpft für seine Unternehmerinnen und Unternehmer

Als grösster Dachverband der Schweizer Wirtschaft vertritt der sgv 250 Verbände und gegen 300 000 Unternehmen. Die Berufsbildung und insbesondere die Stärkung der höheren Berufsbildung gehören zu seinen Kerngeschäften. Das erklärte Ziel des sgv ist es, dass der Wert dieses Bildungswegs endlich anerkannt wird. Dazu gehört auch ein anständiger englischer Titel der Berufsabschlüsse in der höheren Berufsbildung. Der sgv hat von den Unternehmerinnen und Unternehmern den Auftrag, für die Anerkennung der Gleichwertigkeit der Berufsbildung zu kämpfen, selbst wenn einige Verbandsvertreter dies offenbar nicht gleich sehen.

«Der sgv fordert attraktive englische Titel der Berufsabschlüsse in der Höheren Berufsbildung.»

Der sgv will die höhere Berufsbildung stärken, für Junge und Eltern als Karrieremöglichkeit attraktiv machen und im Ausland den Wert dieses Bildungswegs verdeutlichen. Da unser Bildungssystem ausgesprochen durchlässig ist und beide Wege – der rein schulisch-akademische und der Berufsbildungsweg mit beruflicher Grundbildung und höherer Berufsbildung – gemäss Verfassung gleichwertig sind, soll dies auch bei den englischen Titeln zum Ausdruck kommen.

Das englischsprachige Ausland kennt als höhere Bildungsabschlüsse ohnehin nur diejenigen der akademischen Welt – also Bachelor und Master. Analog zum Hochschulbereich, wo Niveau 6 «Bachelor» und Niveau 7 «Master» bedeuten, kann dies gemäss sgv auch für die englischen Übersetzungen der Titelbezeichnungen in der höheren Berufsbildung übernommen werden.

Es geht nicht darum, die höhere Berufsbildung zu verakademisieren oder die heute geltenden Titel in den drei Amtssprachen abzulösen. Es muss aber das Ziel sein, für den englischsprachigen Raum die Niveaus dieser Abschlüsse klar erkennbar zu machen. Nur so wird die höhere Berufs­bildung auch als eigenständiger Weg gestärkt, denn es braucht dann keinen Wechsel in die akademische Laufbahn, um mit dem gleichen Niveau einen analogen Titel und damit Ansehen zu erlangen. Zudem wird mit den englischen Übersetzungen «Professional Bachelor» oder «Professional Master» den Jugendlichen aufgezeigt, dass sie mit einer Berufslehre und der höheren Berufsbildung gleichwertige Karrierechancen zum gymnasialen Weg haben, was zweifellos auch auf die Eltern wirkt. Mit der Ergänzung Professional (Professional Bachelor oder Professional Master) ist auch die Abgrenzung zu den Hochschulabschlüssen deutlich gemacht.


DAS FORDERT DER SGV

Verbundpartnerschaftlich klären

  • dass die Inkraftsetzung der vorgeschlagenen Empfehlung bezüglich der englischen Titelbezeichnungen zurückgestellt wird;
  • dass sämtliche offenen Fragen (z.B. die Umsetzung der «Zertifizierung» durch die Trägerschaften, Verbindlichkeit der englischen Übersetzungen, Bezeichnung der HF-Abschlüsse oder Abstimmung bezgl. Diplomanerkennung) vorgängig verbund­partner­schaftlich geklärt werden und auch Berufsbildungsexperten und -expertinnen aus dem deutschsprachigen Ausland beizuziehen sind;
  • dass umgehend eine Zusammenführung der beiden Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR-BB und NQR-HS) angegangen wird. Nur ein einziger Qualifikationsrahmen für das gesamte Bildungssystem ist europakompatibel und macht unser Bildungssystem für die übrigen Länder verständlich.

RANDNOTIZ

Eigenwillige Zwängerei des SBFI

Auch Einwände von englischsprachigen Übersetzungsprofis wurden vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI nicht zur Kenntnis genommen. Mit wenigen Worten wurden sie als altbacken und frech abgetan und ihr Gegenvorschlag zur wenig schmeichelhaften Abkürzung PET (Professional Education and Training für Titel der höheren Berufsbildung) oder für das jetzt vom SBFI favorisierte «Diploma of Higher Education» einfach in der Schublade versteckt. Wieso wohl? Weil der Gegenvorschlag genau dem entsprach, was der sgv immer wollte: professional Bachelor’s degree (für Abschlüsse der HBB auf dem NQR-Niveau 6) und professional Master’s degree (für NQR-Niveau 7).

LINK

Vernehmlassungsantwort sgv „Englische Titelbezeichnungen für Abschlüsse der Berufsbildung“ (PDF)

Ja zu mehr Sicherheit!

24 Nov

Ulrich Giezendanner, Nationalrat SVP AG

In den letzten 15 Jahren wurden die Autofahrer von der Politik in Sachen Verkehrssicherheit sensibilisiert. Alt Bundesrat Moritz Leuenberger formulierte dies so: Vision Zero ist ein Teil der zukünftigen Sicherheit, der andere Teil ist die Verbesserung von Infrastrukturen. Der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Aussage ist ein Vorstoss der grünen alt Nationalrätin Franziska Teuscher, die Bussengelder für Sicherheitsinfrastrukturen einsetzen wollte. Kompetente Ingenieure und Planer forderten im Vorfeld der NEAT-Planung (Schiene) unmissverständlich Tunnels mit zwei Röhren – eine reine Sicherheitsmassnahme. Der Gotthardbasistunnel und der Ceneritunnel wurden und werden im Zweiröhren-System gebaut.

Nein zu noch mehr Unfällen und Toten

Der heutige Gotthard-Strassentunnel ist etwa 17 km lang. Leider passieren wöchentlich Unfälle. Leider sind viele Todesopfer zu beklagen. Eine echte Sicherheit kann bei einem so langen Tunnel nur mit richtungsgetrennten Röhren garantiert werden. In diesem Tunnel verkehren Motorräder, Auto und Lastwagen. Verheerende Unfälle im gemischten Verkehr haben gezeigt, dass nur eine Richtungstrennung die optimale Sicherheit bietet.

Sanierung Gotthard-Strassentunnel: JA zur zweiten Röhre, JA zur massiv verbesserten Sicherheit!

Sanierung Gotthard-Strassentunnel: JA zur zweiten Röhre, JA zur massiv verbesserten Sicherheit!

Märchen von versenkbaren Leitplanken der Gegner tönen wohl schön, sie sind aber leider keine Sicherheitslösung, sondern lediglich ein gefährliches Ablenkungsmanöver. Stellen Sie sich vor, was passiert wenn ein 80 km/h schneller 40-Tönner mit dem Vorderrad die versenkbare Leitplanke touchiert. Der Lastwagen ist nicht mehr lenkbar, er wird allenfalls sogar auf die versenkbare Leitplanke (sie wirkt dann wie ein Keil) auffahren und sich überschlagen. Der Gegenverkehr wäre vollumfänglich betroffen, hinter dem verunglückten Fahrzeug könnte kein Auto mehr „fliehen“. Die Folgen wären verheerend.

Keine Blockade mehr – dafür bessere Verkehrslenkung

Praktisch kein Tag vergeht ohne eine Verkehrsmeldung über den Gott­hard­tunnel: „Geschlossen wegen einem Pannenfahrzeug“. Es hat wohl Aus­stell­buchten im Tunnel, normalerweise aber hat leider ein Motorfahrzeug die Panne nicht in oder vor der Ausstellbucht. Das defekte Fahrzeug blockiert nicht nur den Verkehr, es ist auch eine grosse Gefahr für den Gegen­ver­kehr. Ein Vergleich mit dem Seelisbergtunnel verdeutlicht die Unterschiede: Ein Pannenfahrzeug, das die Spur blockiert, löst sofort ein Rotlicht aus. Das ist optimale Sicherheit.

Sanierungstunnel bringt Quantensprung an Sicherheit

Der Sanierungstunnel wird nach Abschluss der Renovationsarbeiten zum Sicherheitstunnel. Autofahrer von und nach unserem Südkanton Tessin sind spätestens dann nicht mehr Menschen zweiter Klasse. Unsere Tessiner Freunde, unsere geschätzten Touristen wie auch die gesamte Bevölkerung können ab diesem Moment bei grösster Sicherheit die Alpen durchqueren, ganz nach dem Motto von alt Bundesrat Leuenberger: Höchst mögliche Sicherheit für alle Strassenbenutzer.

LINK

www.gotthard-tunnel-ja.ch

Vereinfachung? – von wegen…

19 Nov

Ruedi Noser, Unternehmer und Nationalrat FDP Zürich

Der 1. Mai 1984 war der erste Arbeitstag der Firma Noser. Wir begannen einfach zu arbeiten. Ein Treuhänder hatte die Einzelfirmen gegründet, und nun legten wir los. Ich erinnere mich gut an die grösste Schwierigkeit: Die war, ein Logo zu finden. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie einfach alles war. Symbolisch dafür steht der erste Arbeitstag unserer Firma: Heute dürften wir am Tag der Arbeit gar nicht mehr arbeiten.

Grundsätzlich gilt: Jede gesetzliche Änderung verursacht Umstel­lungs­kosten, Mehraufwand und Unsicherheiten. In den letzten Jahren haben diese vor allem zu mehr Komplexität und höheren latenten Risiken geführt. Der administrative Aufwand in den Firmen ist gestiegen. Vieles, was in Bern als Vereinfachung verkauft wird, ist eine Vereinfachung für den Staat, aber macht den Firmen das Leben komplizierter.

Die Verordnungen machen es kompliziert

Am besten kann man das an der Vereinfachung der Mehrwertsteuer-Gesetzgebung aufzeigen, auf die wir im Parlament so stolz sind. Dort haben wir einiges vereinfacht, aber die Verordnungen dazu haben für die Firmen vieles verkompliziert.

Die Politik muss der Schweizer KMU-Wirtschaft Rahmenbedingungen bieten, mit welchen diese gut arbeiten kann. Dies bedeutet insbesondere, zu unnötigen Regulierungen konsequent Nein zu sagen.

Die Politik muss der Schweizer KMU-Wirtschaft Rahmenbedingungen bieten, mit welchen diese gut arbeiten kann. Dies bedeutet insbesondere, zu unnötigen Regulierungen konsequent Nein zu sagen.

Vor der Vereinfachung konnte man die Vorsteuer in dem Quartal geltend machen, in dem die Lieferantenrechnung eintraf, nun in jenem, in dem man die Ware an den Kunden verkauft. Das vereinfacht der Verwaltung die Kontrolle, aber für die Firmenabläufe wird es unheimlich kompliziert. Erschwerend kam noch dazu, dass die Fristen verkürzt wurden, innerhalb derer man zugunsten der Unternehmung Fehler nachmelden kann. Diese beiden Umstellungen führten dazu, dass bei uns in der Firma das Projekt Vereinfachung der Mehrwertsteuer als administrativer Mehraufwand angekommen ist.

Ärgernis Spesen- und Zulagenabrechnung

Ein anderes grosses Ärgernis sind die Spesenabrechnungen. An sich müsste ein in einem Kanton genehmigtes Spesenreglement auch von allen anderen Kantonen anerkannt werden. Das ist aber in der Praxis überhaupt nicht so. Wer Niederlassungen in mehreren Kantonen hat, muss das Spesenreglement in allen Kantonen genehmigen lassen, um Rechts­sicher­heit zu haben. Zudem fordern die Kantone zusätzliche Tabellen zu pauschalen Vergütungen (GA, Geschäftsauto etc.), obschon alles bereits auf dem Lohnausweis steht. Das erhöht ohne verständliche Begründung den administrativen Aufwand.

Ein weiteres Ärgernis sind die AHV- und Kinderzulagenabrechnungen. Obschon sie auf einem nationalen Gesetz basieren, sind sie pro Kasse und pro Kanton unterschiedlich. Deshalb gibt es kein System der Abwicklung für alle Schweizer Niederlassungen, sondern pro Niederlassung ein unter­schied­liches. Hier wären Vereinfachungen dringlich, sonst wird auch die elektronische Lohnmeldung im Endeffekt keine Vereinfachung bewirken.

Enormes Schadenspotenzial

Was heisst das für die Politik? Erstens muss man in Bern in erster Linie auch zu vielem Nein sagen; das Schadenspotenzial von – auch gut gemeinten – Regulierungen ist enorm. Und zweitens brauchen wir in Bern mehr Unternehmer, die aus eigener Erfahrung erzählen können, was eine neue Regulierung für einen Betrieb bedeutet. Unsere KMU haben es schwer genug – die Politik muss ihnen Rahmenbedingungen bieten, unter denen sie gut arbeiten können.

China: Von Gürteln und Strassen

16 Nov

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Chinas „Neue Seidenstrassen“-Initiative – „One Belt, One Road OBOR“ – hat zum Ziel, einen grossen Teil des komplexen Netzwerkes bilateraler Beziehungen in ein einziges regionales System zu verwandeln. Regionales System bedeutet dabei: unter Chinas Führung. Überraschung: Die Schweiz will sich daran beteiligen.

Dieses übergreifende chinesische Programm wird die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen des Landes mit rund 65 Ländern und mehr als 4 Milliarden Menschen beeinflussen. Auf Jahre hinaus wird es Eurasien in den zentralen Fokus der chinesischen Diplomatie und Sicherheitspolitik rücken sowie zur bedeutendsten Zieladresse für seine Auslands­inves­ti­tionen machen.

Chinesische Finanzierung und Technologie halfen beim Bau des Tiefseehafens in Gwadar, Pakistan, am Arabischen Meer. Dies ist Teil des Maritimen Seidenstrassenprojekts Chinas.

Chinesische Finanzierung und Technologie halfen beim Bau des Tiefseehafens in Gwadar, Pakistan, am Arabischen Meer. Dies ist Teil des Maritimen Seidenstrassenprojekts Chinas.

Die Strategie sollte die zunehmenden strukturellen Wirtschaftsprobleme Chinas verbessern und die politische Stabilität sowohl im Inland als auch in den benachbarten Ländern stärken. Sie stellt auch eine enorme wirt­schaft­liche Möglichkeit für die Vereinigten Staaten und Europa dar – aber werden sie diese Chance auch ergreifen?

EU und USA reagieren

Die Vereinigten Staaten und Europa reagierten auf die Ankündigung von OBOR mit dem Hinweis, dass es sich dabei um eine schlichte Antwort auf die „Neue Seidenstrassen“-Initiative der Regierung von Präsident Obamas handelt, die im Oktober 2011 angekündigt wurde.

Wenn dem so ist, dann ist Chinas Version sehr viel erfolgreicher gewesen. Der Plan der Vereinigten Staaten wurde durch die Einbeziehung Afghani­stans belastet sowie durch die Unfähigkeit, bürokratische Barrieren und andere Faktoren zu beseitigen, die den freien Verkehr von Waren und Personen behinderten. Washington hat für das Projekt niemals genügend Ressourcen – weder diplomatische noch wirtschaftliche – bereitgestellt. Als sich die US Truppen aus Afghanistan zurückzogen und sich die Sicher­heitssituation dort weiter zu verschlechtern begann, schwand Washingtons Engagement für die Region und das Projekt.

Was die EU anbelangt, so glauben in China viele, dass sie die Bedeutung der OBOR-Initiative schlichtweg übersehen hat. Die EU beginnt erst jetzt damit, sich über einige der Kooperationschancen klar zu werden. Trotzdem reagieren die EU-Länder auf einer bilateralen Basis ohne Beteiligung Brüssels. Vierzehn Mitgliedstaaten sind der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank beigetreten, einem wichtigen Instrument für chinesische Investitionen in den Ländern, die von OBOR anvisiert werden.

Und die Schweiz?

Die Schweiz will sich aktiv an der asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank AIIB beteiligen. Sie möchte deshalb sowohl Beiträge einzahlen als auch Direktoriumsmitglied werden.

Die Hintergründe zur OBOR werden im GIS-Expertenbericht geschildert. Dieser erscheint in zwei Teilen; in der Schweiz exklusiv im Gewerbe-Blog.

LINKS (PDF-Dokumente)


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Die Zwiebel, ein Beispiel um Indiens Volkswirtschaft zu verstehen

5 Nov

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

«Unglaubliches Indien» ist ein Slogan, der den Tourismus in Indien bewirbt. Für viele Bürger des Landes beschreibt es die Realität ziemlich genau. Das wirtschaftliche Leben Indiens ist reich an unglaublichen Phänomenen – und auch an einigen, die einen Grund zu ungläubigem Staunen geben. Indien ist ein wirtschaftlich interessantes Land, aber eben auch ein schwieriges. Die Zwiebel kann als Beispiel dienen.

Neu Delhi August 2015: Aktivisten rufen Parolen, während sie auf einer Kundgebung gegen die steigenden Grundnahrungsmittelpreise, insbesondere für Hülsenfrüchte und Zwiebeln, demonstrieren

Neu Delhi August 2015: Aktivisten rufen Parolen, während sie auf einer Kundgebung gegen die steigenden Grundnahrungsmittelpreise, insbesondere für Hülsenfrüchte und Zwiebeln, demonstrieren

Gibt es irgendeinen anderen Ort, an dem die Wahlen vom Zwiebelpreis entschieden werden? In wie vielen Ländern verhängen die Regierungen Beschränkungen auf den Inlandstransport und den Export von Zwiebeln? Welches Regime der Welt ist schonungslos genug, um Gemüsehändler wegen des Hortens von Zwiebeln strafrechtlich zu verfolgen? Wo sonst begegnet man staatlich betriebenen Läden ‚Fairer Preise‘, die Zwiebeln anbieten und Grenzen für die Mengen festlegen, die eingekauft werden dürfen? Oder wo findet man schon die Situation, dass Bauern in einem Teil des Landes Zwiebel-Notverkäufe durchführen müssen, wohingegen sich die Konsumenten in einer anderen Region zum gleichen Zeitpunkt bitterlich über die sehr hohen Zwiebelpreise beklagen?

Zwiebeln haben in der Politik Indiens seit fast vier Jahrzehnten eine entscheidende Rolle gespielt. Alle paar Jahre wiederholt sich das gleiche verrückte Schauspiel wieder. Zuerst gibt es eine wetterabhängige Kata­strophe, die den Zwiebelanbau trifft. Vielleicht regnet es zu viel oder zu wenig. Dies ruft ein vollkommen vorhersehbares Ergebnis auf dem Zwiebelmarkt hervor – einen Engpassmoder ein Überangebot. Und jedes Mal reagiert die Regierung in derselben reflexartigen Weise: sie verfällt in Panik und gibt eine Flut an ineffektiven, administrativen Verordnungen heraus.

Im beiliegenden GIS-Expertenreport werden die Komplexitäten der Indischen Politik vertieft. Dieser Report ist exklusiv über den Gewerbe Blog zu lesen.

LINK

GIS Expertenbericht „Die Zwiebel, ein Beispiel um Indiens Volkswirtschaft zu verstehen“ (PDF-Datei)


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