China: Von Gürteln und Strassen

16 Nov

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Chinas „Neue Seidenstrassen“-Initiative – „One Belt, One Road OBOR“ – hat zum Ziel, einen grossen Teil des komplexen Netzwerkes bilateraler Beziehungen in ein einziges regionales System zu verwandeln. Regionales System bedeutet dabei: unter Chinas Führung. Überraschung: Die Schweiz will sich daran beteiligen.

Dieses übergreifende chinesische Programm wird die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen des Landes mit rund 65 Ländern und mehr als 4 Milliarden Menschen beeinflussen. Auf Jahre hinaus wird es Eurasien in den zentralen Fokus der chinesischen Diplomatie und Sicherheitspolitik rücken sowie zur bedeutendsten Zieladresse für seine Auslands­inves­ti­tionen machen.

Chinesische Finanzierung und Technologie halfen beim Bau des Tiefseehafens in Gwadar, Pakistan, am Arabischen Meer. Dies ist Teil des Maritimen Seidenstrassenprojekts Chinas.

Chinesische Finanzierung und Technologie halfen beim Bau des Tiefseehafens in Gwadar, Pakistan, am Arabischen Meer. Dies ist Teil des Maritimen Seidenstrassenprojekts Chinas.

Die Strategie sollte die zunehmenden strukturellen Wirtschaftsprobleme Chinas verbessern und die politische Stabilität sowohl im Inland als auch in den benachbarten Ländern stärken. Sie stellt auch eine enorme wirt­schaft­liche Möglichkeit für die Vereinigten Staaten und Europa dar – aber werden sie diese Chance auch ergreifen?

EU und USA reagieren

Die Vereinigten Staaten und Europa reagierten auf die Ankündigung von OBOR mit dem Hinweis, dass es sich dabei um eine schlichte Antwort auf die „Neue Seidenstrassen“-Initiative der Regierung von Präsident Obamas handelt, die im Oktober 2011 angekündigt wurde.

Wenn dem so ist, dann ist Chinas Version sehr viel erfolgreicher gewesen. Der Plan der Vereinigten Staaten wurde durch die Einbeziehung Afghani­stans belastet sowie durch die Unfähigkeit, bürokratische Barrieren und andere Faktoren zu beseitigen, die den freien Verkehr von Waren und Personen behinderten. Washington hat für das Projekt niemals genügend Ressourcen – weder diplomatische noch wirtschaftliche – bereitgestellt. Als sich die US Truppen aus Afghanistan zurückzogen und sich die Sicher­heitssituation dort weiter zu verschlechtern begann, schwand Washingtons Engagement für die Region und das Projekt.

Was die EU anbelangt, so glauben in China viele, dass sie die Bedeutung der OBOR-Initiative schlichtweg übersehen hat. Die EU beginnt erst jetzt damit, sich über einige der Kooperationschancen klar zu werden. Trotzdem reagieren die EU-Länder auf einer bilateralen Basis ohne Beteiligung Brüssels. Vierzehn Mitgliedstaaten sind der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank beigetreten, einem wichtigen Instrument für chinesische Investitionen in den Ländern, die von OBOR anvisiert werden.

Und die Schweiz?

Die Schweiz will sich aktiv an der asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank AIIB beteiligen. Sie möchte deshalb sowohl Beiträge einzahlen als auch Direktoriumsmitglied werden.

Die Hintergründe zur OBOR werden im GIS-Expertenbericht geschildert. Dieser erscheint in zwei Teilen; in der Schweiz exklusiv im Gewerbe-Blog.

LINKS (PDF-Dokumente)


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