Finanzplatzgesetzgebung: 300 Millionen Franken für Kundendiskriminierung

20 Jan

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Ab nächster Woche werden das Finanzdienstleitungsgesetz (Fidleg) und das Finanzinstitutsgesetz (Finig) beraten. Beide Vorlagen sollen den Finanzplatz Schweiz völlig neu aufstellen. Insbesondere wurde mehr Kundenschutz  versprochen. Doch gerade das Gegenteil trifft zu. Die Vorlagen generieren pro Jahr 300 Millionen Franken Regulierungs­kosten und schliessen Kunden von der Beratung aus. Bizarr? Es wird noch schlimmer.

Wenn es nach dem Entwurf geht, müssen sich Kunden zunächst qualifizieren, um überhaupt beraten zu werden. Nur wer eine Eignungsprüfung hinter sich hat, kann ein Gespräch mit dem Finanzdienstleister führen. Und es ist nicht der Kunde, der entscheidet, welches Produkt er will. Nein, der Finanzdienstleister muss auch noch dazu eine Angemessenheitsprüfung machen. Nur geeignete Kunden werden mit angemessen Produkten versorgt. Das heisst konkret: Kunden mit kleinen Vermögen oder wenig Wissen werden womöglich nicht mehr bedient. Oder sie müssen den sogenannten Haftungsausschluss unterschreiben. Damit ist die Gleichberechtigung von Kunde und Berater definitiv verloren. Denn Berater wählen ihre Kunden aus und überwälzen Ihnen auch noch das ganze Risiko.

Die Bilanz zu Fidleg und Finig ist vernichtend: 300 Millionen Franken Regulierungskosten pro Jahr und schlechter gestellte Kunden, die mit weniger Produkten zu schlechteren Konditionen versorgt werden.

Die Bilanz zu Fidleg und Finig ist vernichtend: 300 Millionen Franken Regulierungskosten pro Jahr und schlechter gestellte Kunden, die mit weniger Produkten zu schlechteren Konditionen versorgt werden.

Überwälzt werden den Kunden neben dem Risiko auch noch die ganzen Regulierungskosten. Fidleg und Finig schaffen es pro Jahr auf rund 300 Millionen Franken Regulierungskosten. Das hört sich nach viel an und es ist auch viel. Die Schätzung allerdings ist eher konservativ. Denn Aufsichtsorganisationen, Prospektprüfer, Ombudsstellen und Register werden neu ins Leben gerufen. Ihr Zweck? Regulieren und beaufsichtigen. Wen? Die unabhängigen Vermögensverwalter und andere Finanz-dienstleister. Warum? Das weiss man nicht so genau, denn in diesen Finanz-KMU kam es bisher weder zu Skandalen noch zu staatlichen Rettungsaktionen. Die viel wichtigere Frage ist, wer bezahlt die Kosten? Das sind die Kunden, logischerweise.

Wer meint, die schlechten Nachrichten für die Kunden hätten jetzt ein Ende, der irrt. Auf sie warten weitere Bürden.  Hunderte von Seiten an Prospekten, Erklärungen, Haftungsausschussformularen müssen gelesen und unterschrieben werden.

Entsprechend vernichtend fällt sie aus, die Bilanz zu Fidleg und Finig: 300 Millionen Franken Regulierungskosten pro Jahr; schlechter gestellte Kunden, die mit weniger Produkten zu schlechteren Konditionen versorgt werden. Und der Nutzen? Der lässt sich schnell beziffern: 0. Weil Fidleg und Finig Kundendiskriminierungsvorlagen sind, lehnt sie der sgv ab.

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