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Divergenzen an der Klimakonferenz

14 Dez

Henrique Schneider, Stv. Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Es ist immer so: gegen Ende der Klimakonferenz erreichen die Verhandlungen einen Stillstand. Die Differenzen scheinen unüberbrückbar. Das ist gerade jetzt der Fall in Katowice. Meist wird eine Pause eingelegt, bis dann am Ende ein Kompromiss gefunden wird – vermutlich am Samstag oder am Sonntag. Was sind die Probleme, die diesmal, wie immer, unüberwindbar erscheinen?

  • Schon seit langem steht die Frage im Raum, wie man Klimaziele vergleicht. Denn die entsprechenden Länder haben sich ganz unterscheidliche Ziele gegeben. Einige haben sich absolute Reduktionsziele in Tonnen CO 2 gegeben, andere formulieren diese Ziele im Anteil des CO2 am Bruttoinlandprodunkt, andere wiederum haben verschiedene Gase einbezogen, es gibt Länder mit sektoriellen Zielen und solchen mit Massnahmezielen (, was auch immer das sein kann). Eine Übersicht über diese Gemengelage gibt die Schweizerische Gewerbezeitung im Artikel «Verschieden Wege zum Ziel»
  • Neu hingegen ist die Frage, wie mit den Berichten des International Panel on Climate Change IPCC umzugehen ist. Bisher haben Klimakonferenzen die wissenschaftliche Diskussion, die in diesen Berichten zusammengefasst wird, zur Kenntnis genommen. Einige Länder wollten sie nun beachten, andere willkommen heissen, und andere wiederum nicht nennen. Katowice schien fast, an dieser Entzweiung zu Grunde zu gehen. Zwei Minister wurden damit beauftragt, einen Kompromiss vorzuschlagen.
  • Alt und konstant sind die Forderungen der sich entwickelnden Ländern nach grosszügigen Finanz- und Technologietransfers. Über 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr sind ihrer Meinung nach nicht genug. Sie brauchen mehr Geld, um was sie «just transition (etwa: klimagerechte Transformation der Wirtschaft)» nennen zu bewerkstelligen.
  • Und dann verbleiben haufenweise technische Fragen zu allem Möglichen: Märkte, Buchhaltung, Technologie, Organisation der Konferenz, Gender, usw.

Anbei ist der momentane Gesamttext der Konferenz auf über 100 Seiten und mit über 800 Anträgen. Was da herauskommt, ist offen. Sicher ist nur: Ein Ergebnis wird es geben. Denn nach dem Freitag kommen die Kompromissverhandlungen. Es ist immer so.

LINK
Gesamttext der UNCCC in Katowice Stand 14.12.2018 (PDF)

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