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Regulierungen benachteiligen ältere Arbeitnehmende

21 Apr

Dieter Kläy, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Die Arbeitsmarktsituation der über 50-jährigen Arbeitnehmenden in der Schweiz ist gut. Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in den Arbeitsmarkt integriert und weisen eine hohe Erwerbsbeteiligung auf. Häufiger als jüngere sind sie in relativ stabilen Arbeitsverhältnissen. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist unterdurchschnittlich. Die Bereitschaft der Betriebe, ältere Mitarbeitende zu beschäftigen, ist hoch. Mehrheitlich haben die Unternehmer eine positive Einstellung zu einer längeren Beschäftigung. Auch die Wissenschaft liefert keine Fakten, dass ältere Arbeitnehmende auf dem Arbeitsmarkt systematisch schlechtere Karten haben, wie das immer wieder behauptet wird.

Die Gewerkschaften fordern regulatorische Eingriffe in den Arbeitsmarkt wie etwa einen Kündigungsschutz für über 50jährlige Arbeitnehmende. Diese wären jedoch kontraproduktiv und würden die Chancen der älteren arbeitsuchenden Personen verschlechtern. Der sgv lehnt eine zusätzliche Regulierung des Arbeitsmarktes ab und setzt stattdessen auf die fortlaufende Qualifizierung als Schlüssel für die Arbeitsnarktfähigkeit älterer Arbeitnehmenden.

Die Gewerkschaften fordern regulatorische Eingriffe in den Arbeitsmarkt wie etwa einen Kündigungsschutz für über 50jährlige Arbeitnehmende. Diese wären jedoch kontraproduktiv und würden die Chancen der älteren arbeitsuchenden Personen verschlechtern. Der sgv lehnt eine zusätzliche Regulierung des Arbeitsmarktes ab und setzt stattdessen auf die fortlaufende Qualifizierung als Schlüssel für die Arbeitsnarktfähigkeit älterer Arbeitnehmenden.

Wer allerdings als über 50-Jähriger seine Arbeit verliert, hat im Schnitt länger, bis er bzw. sie wiederum eine Beschäftigung findet. Sicher gibt es Personen, die nach einem Jobverlust sehr lange ohne Arbeit bleiben oder gar keine Tätigkeit mehr finden. Diese in jüngster Vergangenheit in den Medien verstärkt porträtierten Einzelschicksale dürfen aber nicht dazu verleiten, den Arbeitsmarkt weiter zu regulieren. Forderungen nach mehr Regulierungen des Arbeitsmarktes, wie sie im Vorfeld der nationalen Konferenz zum Thema ältere Mitarbeitende von kommender Woche von Seiten der Gewerkschaften gestellt werden, sind fehl am Platz Dies insbesondere deshalb, weil zusätzliche Regulierungen ältere Mitarbeitende schwächt und nicht stärkt. Massnahmen wie ein Kündigungsschutz für über 50-jährige Mitarbeitende sind kontraproduktiv und bewirken das Gegenteil. Ältere Mitarbeitende auf Arbeitssuche würden weniger eingestellt. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv lehnt regulatorische Eingriffe wie einen erweiterten Kündigungsschutz ab. Auch das Verbot Alterslimiten in Stellenangeboten zu publizieren, ist ein unsinniger regulatorischer Eingriff in den Arbeitsmarkt, der für die älteren Mitarbeitenden höchstens eine negative Wirkung haben kann.

Im eigenen Interesse benötigen die Unternehmen verlässliche und erfahrene Mitarbeitende, die in ihrer Tätigkeit auf dem aktuellen Stand des Wissens sind. Folglich muss bei der Qualifizierung angesetzt werden.

Im eigenen Interesse benötigen die Unternehmen verlässliche und erfahrene Mitarbeitende, die in ihrer Tätigkeit auf dem aktuellen Stand des Wissens sind. Folglich muss bei der Qualifizierung angesetzt werden. Notwendig sind deshalb primär Massnahmen, die dem Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit dienen. Das gilt für alle Personen im Arbeitsmarkt. Dazu braucht es die Motivation und die Bereitschaft der Betroffenen, sich weiter zu bilden und ihre Berufskenntnisse laufend à jour zu halten. Standortbestimmungen und Weiterbildungs- oder Umschulungs­mass­nahmen sind in erster Linie Angelegenheit, die zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer geregelt werden müssen. Dazu braucht es weder neue gesetzliche Bestimmungen noch neue Verpflichtungen in den Gesamtarbeitsverträgen.

Der Schweizerische Gewerbeverband und seine Branchenverbände engagieren sich stark in der beruflichen Grundbildung, der beruflichen Weiterbildung sowie in der höheren Weiterbildung und legen so eine solide Basis für die Berufskenntnisse und den Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit.

Mit Blick auf über 50-jährige Arbeitnehmende auf Stellensuche muss es zudem gelingen, die Kanäle der Verleihfirmen und der Temporärarbeit noch besser zu nutzen. Als Brückenbauer im Arbeitsmarkt ist die Temporärarbeit ein erfolgreicher Integrationsmotor.

Umsetzung MEI: nationalrätliche Kommission bleibt auf halbem Wege stehen

5 Dez

Dieter Kläy, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Der Ständerat droht Unternehmen mit Strafe bis 40’000.- Busse, wenn sie geeignete Stellensuchende nicht zum Bewerbungsgespräch einladen. Eine Ablehnung eines Kandidaten muss per Gesetz begründet werden. Das hat der Ständerat in der ersten Woche der laufenden Wintersession beraten. Jetzt geht die Vorlage in den Nationalrat. Dieser hatte sich bekanntlich in der Herbstsession für den „Inländervorrang light“ entschieden, der sich auf eine Stellenmeldepflicht beschränkt- ohne Anhörungs- und Begründungs­pflicht.

Mit Blick auf die Verschärfung im Ständerat ist die Staatspolitische Kommission des Nationalrates nun aber eingeknickt. Sie will vom Beschluss seines Plenums in der Herbstsession nichts mehr wissen. Stattdessen will sie die schärfere Variante des Ständerates abmildern. Die Pflicht zur Anhörung soll weiterhin bestehen. Absagen detailliert begründen müssten die Arbeitgeber aber nicht mehr. Berufsgruppen mit besonders hoher Arbeitslosigkeit soll damit über die RAV einen Vorsprung eingeräumt werden. Während einer bestimmten Frist sollen sie exklusiven Zugang zu den Stellenausschreibungen haben, die den Arbeitsämtern gemeldet werden. So soll die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften gedrosselt werden. Die grosse Kammer hat das Geschäft für heute Montag, 5. Dezember 2016, traktandiert. Das ist eine Verbesserung gegenüber dem Ständerat, aber nach wie vor ein viel zu bürokratischer Ansatz.

Der sgv verlangt, dass die Masseneinwanderungsinitiative unbürokratisch umgesetzt wird und unterstützt eine niederschwellige und automatisierte Meldepflicht offener Stellen. Eine aktive, obligatorische und exklusive Meldepflicht an die RAV lehnt der sgv entschieden ab, ebenso wie eine Pflicht der Unternehmen, vom RAV zugewiesene Stellensuchende anzuhören.

Der sgv verlangt, dass die Masseneinwanderungsinitiative unbürokratisch umgesetzt wird und unterstützt eine niederschwellige und automatisierte Meldepflicht offener Stellen. Eine aktive, obligatorische und exklusive Meldepflicht an die RAV lehnt der sgv entschieden ab, ebenso wie eine Pflicht der Unternehmen, vom RAV zugewiesene Stellensuchende anzuhören.

Der Nationalrat darf nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Wie in der Herbstsession beschlossen, soll der unbürokratische Weg zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative weiterverfolgt werden. Jegliche Verschärfungen lehnt der sgv ab. Insbesondere unverhältnis­mässig für die KMU sind drakonische Bussen in der Höhe bis zu CHF 40‘000.-.

Der sgv unterstützt eine niederschwellige und automatisierte Melde­pflicht offener Stellen. Offene Stellen sollen durch die Firmen auf ihrer eigenen Webpage ausgeschrieben werden. Auf diese Weise können die RAV im Internet gemeldete Stellen automatisch erfassen und über­nehmen. Damit werden Vakanzen dem RAV gemeldet, bevor sie durch ausländische Fachkräfte besetzt werden können. Es soll aber ausdrücklich keine Exklusivmeldefrist ans RAV sein. Eine aktive, obligatorische und exklusive Meldepflicht unter Einhaltung einer bestimmten Karenzfrist an die RAV lehnt der sgv entschieden ab, ebenso wie eine Pflicht der Unternehmen, vom RAV zugewiesene Stellensuchende anzuhören. Zudem ist es unklar, wer über die Zahl der Dossiers und die Eignung der Kandidaten entscheidet. Die Pflicht des Arbeitgebers, durch das RAV zugeteilte Stellensuchende empfangen und beurteilen zu müssen, ist ein zu starker Eingriff in den Arbeitsmarkt.

Teure AHV-Initiative für KMU nicht verkraftbar

22 Aug

Hans Jürg Domenig, Geschäftsführer Ansatz Werbung GmbH

Als Inhaber eines Werbetechnik-Betriebs mit 10 Mitarbeitenden in Bad Zurzach bin ich äusserst besorgt über die milliardenteure und verantwortungslose AHV-Initiative. Ob Fahnen, Blachen, Gebäude-beschriftungen, Messestände oder Textilien: abgestimmt auf die Wünsche der Kunden bringen wir Werbung wirkungsvoll praktisch auf jeder Ober­fläche an. Das ist unsere Spezialität.

Unser Unternehmen ist ein klassischer Handwerksbetrieb, bei dem die Lohnkosten mit rund 70 Prozent am Gesamtbudget hoch sind. Mit Sorge schaue ich deshalb auf die gefährliche und schädliche AHV-Initiative. Obwohl die AHV bereits jetzt in finanzieller Schieflage ist und saniert werden muss, fordern die Initianten nochmals einen Leistungsausbau von 10 Prozent.

Bei Handwerks- und Kleinstbetrieben belaufen sich die Lohnkosten in der Regel auf 60 bis 70 Prozent der Gesamtkosten. Die Finanzierung der jährlichen Mehrkosten von über 4 Milliarden Franken der AHV-Initiative über Lohnprozente hätte für diese KMU verheerende Auswirkungen.

Bei Handwerks- und Kleinstbetrieben belaufen sich die Lohnkosten in der Regel auf 60 bis 70 Prozent der Gesamtkosten. Die Finanzierung der jährlichen Mehrkosten von über 4 Milliarden Franken der AHV-Initiative über Lohnprozente hätte für diese KMU verheerende Auswirkungen.

Wie das finanziert werden soll, das interessiert die Herren und Damen der Gewerkschaften offenbar nicht. Denn ansonsten hätten sie festgestellt, dass sich ihre Initiative am Ende gegen die Leute richtet, die sie zu vertreten vorgeben. Für die Finanzierung kommen praktisch nur zusätzliche Lohnprozente in Frage. Bei jährlichen Zusatzkosten von über 4 Milliarden Franken steigen die Zusatzkosten bei den Löhnen in den Unternehmen um über 1 Prozent an.

Handwerkliche Betriebe werden das schlicht nicht stemmen können. Ihr jährlicher Gewinn beträgt heute schon im Durchschnitt nicht mehr als 2 bis 3 Prozent. Wenn dieser Minimalgewinn durch solche Zusatz­kosten weggefressen wird, bleibt den Unternehmen nichts Anderes übrig, als die seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses eingeführten Spar- und Effizienzsteigerungsmassnahmen nochmals zu verstärken und auszu­dehnen.

Konkret werden die KMU die Zusatzkosten beispielsweise mit längeren Arbeitszeiten oder dem Hin-auszögern von Lohnerhöhungen kompensieren müssen. Neben den Unternehmen zahlen damit die Mitarbeitenden für die unsinnigen Vorstellungen der AHVplus-Initianten. Faktisch zahlen sie sogar doppelt, da auch die Arbeitnehmenden mit höheren Lohnabzügen belastet werden. Realitätsfremde Vorschläge wie die AHV-Initiative der Gewerk­schaften sind ein direkter Angriff auf das Erfolgsmodell Schweiz: sie gefährden unsere Wettbewerbsfähigkeit, unseren Wohlstand und schluss­endlich Arbeitsplätze. Dazu sage ich entschieden Nein.

LINKS

Bedingungsloses Grundeinkommen? Eine echte Gefahr.

30 Mai

Henrique Schneider, stellvertretender Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Die Volksinitiative „für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ (BGE) ist teuer: Die Kosten von über 200 Milliarden Franken im Jahr lassen sich nicht finanzieren. Sie ist kompliziert im Vollzug und unvorhersehbar im Ergebnis. Der Hauptmangel am BGE ist jedoch seine ideologische Ver­brämung. Es ist ein Projekt, das die Menschen in ihrem fundamentalsten Gut angreift: In ihrer Menschenwürde. Diese Behauptung ist vielleicht erstaunlich. Denn gerade die BGE-Befürworter sprechen gerne und oft von der „Emanzipation“ und „Befreiung“ der Menschen durch die Bedingungs­losigkeit des Grundeinkommens.

Was sie aber hinter diesen Begriffen verstecken ist: Das BGE kreiert Ab­hängigkeiten. Individuen werden vom Gemeinwesen, vom Staat, von den anderen abhängig. Sie werden in die Abhängigkeit geködert. Und ein Entrinnen gibt es nicht, denn alle müssen das BGE nehmen, selbst dann, wenn nur wenige dafür Werte schöpfen. Alle werden zu Bettlern gemacht.

Die Initiative für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht finanzierbar. Der Bundesrat schätzt die Kosten auf 208 Milliarden (!) Franken pro Jahr.

Die Initiative für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht finanzierbar. Der Bundesrat schätzt die Kosten auf 208 Milliarden (!) Franken pro Jahr.

Geist der Aufklärung

„Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ war der Leitspruch der Aufklärung. Auf dieser Maxime baut auch unsere moderne, demokra­tische und freie Gesellschaft. Der Satz bedeutet viel mehr, als dass man selbständig denken soll. Er fordert die Menschen als Individuen auf, das eigene Leben in die Hände zu nehmen. Er verlangt Engagement und Eigen­verantwortung.

Der Leitspruch der Aufklärung sagt etwas Einfaches aber Entscheidendes aus. Nicht ein König, nicht eine Zunft, nicht eine Verwandtschaftsbande und auch nicht ein Staat ist für die Individuen zuständig. Niemand darf bevor­mun­­det werden. Denn jeder Mensch hat einen eigenen Anspruch aufs Mensch-Sein. Jeder Mensch als Mensch die eigene Würde.

Gerade diese Würde darf nicht von einem anderen, wer auch immer das ist, angegriffen werden. Vor allem nicht vom Staat. Und gerade diese Würde darf nicht externalisiert werden. Doch die Würde verlangt auch, dass jeder Mensch selber seine Entscheidungen trifft, dafür Risiken eingeht, aber auch die Früchte der eigenen Entscheidungen behalten kann.

Liberaler Gesellschaftssinn

Auch die Aufklärung wusste es: Menschen leben nicht alleine, sondern in Gesellschaft. Und auch der klassische Liberalismus – ein Kind der Aufklä­rung – war vom Anfang an eine Philosophie der menschlichen Gemein­schaft. Doch Gemeinschaft und Gesellschaft sind eben nicht beding­ungs­los. Sie bedingen zunächst den Willen des Individuums, daran teilzunehmen. Und dann bedingen sie, dass sich Menschen darin selbstverantwortlich begeben.

Aufklärung und Liberalismus waren auch nicht vor der Tatsache blind, dass einige Menschen sich nicht immer gänzlich an der Gesellschaft beteiligen können. Deswegen wurden auch die sozialen Auffanginstitutionen geschaf­fen. Aber ihr Ziel ist klar: Sie sollen die Individuen befähigen, das eigene Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen.

Das eigene Leben in die Hand zu nehmen heisst nichts anderes als sich Chancen erdenken, Möglichkeiten abschätzen, Risiken bewerten und Entscheidungen treffen. Jedes Individuum ist in der Lage, für sich selbst eine eigene Vision zu entwickeln. Zwang – insbesondere der Zwang zu einer kollektiven Vision  – widerspricht der Individualverantwortung.

Verlust der Menschenwürde

Das BGE kehrt das aufklärerische Prinzip um, bis es ausser Kraft gesetzt wird. Wenn die Individuen die Gestaltungskraft am eigenen Leben aus der Hand geben, verlieren sie ihre Selbstbestimmung. Wenn es nicht einmal ihr Ziel ist, wieder eigene, selbstverantwortliche Entscheidungen zu treffen, verlieren sie den Mut, sich ihres Verstandes zu bedienen.

Genau das ist das grösste Problem des BGE. Indem es dem Individuum die Selbstverantwortung wegnimmt, nimmt es den Menschen die Wür­de weg. Es macht sie zu einer von der Masse abhängigen Masse. Es nimmt ihnen die Perspektive, selbst ein Individuum zu sein.

Das BGE ist also nicht nur falsch, weil es unfinanzierbare Kosten generiert, nicht umsetzbar ist und den Standort Schweiz schwächt. Es ist ein noch viel fundamentalerer Irrtum. Es respektiert das  selbstbestimmte Individuum nicht. Es nimmt dem Menschen seine Würde.

 

Bürokratiewahn durch Lohnanalysen

9 Dez

Dieter Kläy, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Der Bundesrat will Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichten, in ihrem Unternehmen Lohnanalysen durch externe Kontrollstellen durchzuführen. Anschliessend müssen die Arbeitgeber die Mitarbeitenden über das Ergebnis dieser Kontrolle informieren. Wer nicht spurt, wird an den Pranger gestellt. Als grösster Wirtschaftsverband der Schweiz lehht der sgv lehnt diese weitere bürokratische Belastung der Unternehmen ab. Gegen Lohndiskriminierung ist eine Lohnpolizei der falsche Weg.

Bereits mit der Frauenquote in Verwaltungsräten signalisierte der Bundesrat, dass er von einer wirtschaftsfreundlichen Politik Abschied genommen hat. Mit der nun vorgesehenen Schaffung einer Lohnpolizei schickt er von neuem eine unsinnige Vorlage in die Vernehmlassung.

Bürokratiewahn durch Lohnanalysen: Lohngleichheit kann nur in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern erreicht werden. Eine Lohnpolizei dagegen ist nicht zielführend und ein inakzeptabler Eingriff in den liberalen Arbeitsmarkt, der die unsinnige bürokratische Belastung der Unternehmen weiter ansteigen lässt.

Bürokratiewahn durch Lohnanalysen: Lohngleichheit kann nur in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern erreicht werden. Eine Lohnpolizei dagegen ist nicht zielführend und ein inakzeptabler Eingriff in den liberalen Arbeitsmarkt, der die unsinnige bürokratische Belastung der Unternehmen weiter markant ansteigen lässt.

Lohngleichheit ist in der Verfassung verankert. Gleiche Arbeit – bei gleicher Qualifikation und Erfahrung – muss gleich entlohnt werden. Der Schweize­rische Gewerbeverband sgv steht dazu, weshalb er sich am Lohngleich­heits­dialog beteiligt hat. Um Lohnungleichheit zu bekämpfen und zu minimieren hat sich die KMU-Wirtschaft im Rahmen dieses Lohn­gleich­heits­dialogs zu umfangreichen Aufklärungs- und Sensibilisierungsmassnahmen verpflichten lassen. Die vereinbarten Ziele wurden erfüllt. Auf grosse Anerkennung gestossen ist das Engagement des sgv allerdings nicht.

Der Bundesrat will trotzdem mit einer Änderung des Gleich­stellungs­gesetzes Arbeitgeber mit 50 und mehr Mitarbeitenden dazu verpflichten, regelmässig eine Lohnanalyse zur Bekämpfung von „Lohndiskriminierung“ zwischen den Geschlechtern durchzuführen und diese extern kontrollieren zu lassen. Unternehmen, die dieser neuen Verpflichtung nicht nach­kommen, sollen an einen Pranger gestellt werden, der in Form einer Liste öffentlich einsehbar wäre.

In einer für die Wirtschaft schwierigen Zeit der Frankenstärke und des zunehmenden Fachkräftemangels ist es inakzeptabel, dass der Bundesrat die Unternehmen mit zusätzlichen bürokratischen Hürden belasten will. Letztlich liegt es im Interesse der Unternehmen selbst für die gleiche Leistung auch den gleichen Lohn zu bezahlen. Nur so können sie ihr qualifiziertes Personal halten. Lohndiskriminierung kann nur zusammen mit den Arbeitgebern und nicht mit teuren Überregulierungen bekämpft werden.

Lohnpolizei und administrative Eingriffe in den liberalen Arbeitsmarkt hingegen sind das falsche Mittel. Auch die Pflicht zur Publikation in Geschäftsberichten lehnt der sgv ab. Jeder einzelne Lohnunterschied müsste ausführlich erklärt werden. Nicht alle unerklärbaren Lohn­unter­schiede kommen jedoch einer Diskriminierung gleich. Im Endeffekt kommt die vom Bundesrat vorgeschlagene Überprüfung der Lohngleichheit von Unternehmen einem staatlichen Lohndiktat gleich. Der liberale Arbeitsmarkt soll einer aufwändigen und teuren Bürokratieübung geopfert werden. Als grösster Dachverband der Schweizer Wirtschaft wird sich der sgv entschieden dagegen zur Wehr setzen.

Frankreich ersetzt ineffiziente durch teure Regulierung des Arbeitsmarktes

15 Okt

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Die Arbeitslosigkeit in Frankreich befindet sich auf einem Allzeithoch. Obwohl fast eine halbe Million subventionierter Arbeitsplätze geschaffen wurden, sind die Reihen der Arbeitslosen in den vergangenen drei Jahren seit der Wahl Präsident François Hollandes um circa 1,2 Millionen auf 6,4 Millionen angeschwollen. Bereits seit geraumer Zeit wird der französischen Öffentlichkeit mitgeteilt, dass der Trend im Begriff ist, sich umzukehren. Monat für Monat jedoch sind die Hoffnungen der Menschen zunichte gemacht worden.

Im September 2015 argumentiert der französische Präsident François Hollande während seiner sechsten zweimal im Jahr stattfindenden Pressekonferenz für eine Vereinfachung des Arbeitsgesetzbuches des Landes und für eine Dezentralisierung des Entscheidungsprozesses bezüglich der Arbeitsvorschriften.

Im September 2015 argumentiert der französische Präsident François Hollande während seiner sechsten zweimal im Jahr stattfindenden Pressekonferenz für eine Vereinfachung des Arbeitsgesetzbuches des Landes und für eine Dezentralisierung des Entscheidungsprozesses bezüglich der Arbeitsvorschriften.

Seitdem Präsident Hollande versprochen hat, sich nicht zur Wiederwahl zu stellen, wenn es ihm nicht gelingt die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, kann er sich nicht mehr vor dem Problem drücken. Auf einer Pressekonferenz im September hat der Präsident das Thema direkt angesprochen. Er beharrte darauf, dass die übermässige Komplexität des französischen Arbeits­gesetz­buches teilweise Schuld hat und er verlangte dessen Reform, um die Leistungskraft der Unternehmen zu verbessern, während gleichzeitig der Schutz der Arbeiter garantiert wird.

Die Methode, die er hierzu wählt, ist die Verlagerung der Aufsicht vom zentralisierten System der staatlichen Regulierung hin zu Regelungen, die zwischen den Arbeitgebern und den Gewerkschaften auf lokaler Ebene ausgehandelt werden. Die Inspiration hierfür kommt ganz eindeutig vom deutschen und nordischen System. Wer hier aber meint, der Arbeitsmarkt werde flexibler, irrt sich. Denn anders als in der Schweiz werden in Frankreich ziemlich alle GAV allgemeinverbindlich. Die Folge? Die Regulierung wird zwar effizient, aber weil mehr Akteure daran beteiligt sind, viel teurer.

Die Vorzüge und Probleme des Modells werden im GIS Report diskutiert. Der Report steht exklusiv den Leserinnen und Leser des Gewerbe-Blogs zur Verfügung.

LINK
GIS-Bericht „Hollande lanciert das nordische Modell als Heilmittel für Frankreichs komplexes Arbeitsgesetzbuch“ (PDF-Datei)


Logo Geopolitical Information Service GISGeopolitical Information Service AG (GIS) ist ein international aufgestellter Informa­tions­dienstleister, der Interessierten tiefe Einblicke in den Bereichen Geopolitik, Wirtschaft, Verteidigung, Sicherheit und Energie erlaubt. Ein weltweites Team von ausgewiesenen Experten verfasst unabhängige Reports, die die Faktenlage ergänzen, analysieren und Hintergründe liefern. Ferner äussern sich die GIS-Experten in Szenarien zu signifikanten geopolitischen Entwicklungen. Somit bieten die Reports nicht nur ein expertengestütztes „big picture“, sondern auch wertvolle Einschätzungen über künftige Geschehnisse. Damit wird die langfristige Entschei­dungs­findung von Unternehmen auf Basis gesicherter und breiter Informationen unterstützt.

Wider Alarmismus und Impertinenz!

7 Jul

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Vor kurzem hat der Bundesrat seinen Umsetzungsvorschlag zur Masseneinwanderungs-Initiative präsentiert. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv begrüsst das Konzept mehrheitlich. Der Volkswille einerseits und die Anliegen der Wirtschaft andererseits werden im Wesentlichen respektiert. Stellt sich nur die Frage, weshalb Kreise aus der Wirtschaft trotzdem auf falschen Alarmismus machen und die Linke einmal mehr mit Impertinenz glänzt.

Angesichts des Abstimmungsresultates anfangs Februar ging der sgv in der anschliessenden Diskussion zur Umsetzung entschlossen in den Lead. Der grösster Dachverband der Schweizer Wirtschaft forderte deren Interessen mit Nachdruck ein.

Bereits Mitte März skizzierte die Verbandsführung des sgv  erste konkrete Lösungsansätze. Im Kick-off-Meeting des Bundesrates waren die Sozialpartner, die Kantone und die Verwaltung  vertreten. Die Ausgangslage war klar: der Volksentscheid ist zu respektieren und entlang der Verfassungsbestimmung umzusetzen. Oberste Priorität hat die im Text erwähnte Berückichtigung der «gesamtwirtschaftlichen Bedürfnisse». Dies erfordert die Gewährleistung des freien Marktzugangs in die EU und die Beibehaltung der bilateralen Verträge.

Ebenso müssen jegliche Regulierungsschübe vermieden und Freiräume ausgenutzt werden. Die heutigen Stärken unseres flexiblen Arbeitsmarktes sollen unter Respektierung der Verfassung weitgehend beibehalten werden. Flexibilität ist insbesondere bei den Kurzaufenthaltern bis zu einem Jahr auszumachen, die aus Sicht des sgv nicht unter den Begriff der Zuwanderung fallen. Entgegen dem Vorschlag des Bundesrates sollten diese nicht nur während 90 Tagen, sondern während eines Jahres kontingentsfrei in der Schweiz arbeiten dürfen.

Diesen Forderungen entspricht das Umsetzungskonzept, wie es derzeit vorliegt. Massgebliche Ausnahme: Der Spielraum für Kurzaufenthalter über ein Jahr wird nicht vollumfänglich ausgeschöpft. Hier stellt sich die Frage, ob dies Anlass sein kann, um gleich den Untergang der Wirtschaft zu prognostizieren, wie dies teilweise aus Wirtschaftskreisen der Fall ist. Alarmismus ist zum heutigen Zeitpunkt der falsche Ratgeber. Zunächst gilt, dass wir erst am Anfang des politischen Prozesses stehen. Was momentan vorliegt, ist ein Umsetzungskonzept. Darauf basierend wird nun in den nächsten Monaten eine Vorlage ausgearbeitet, die anschliessend – wie in unserem Land üblich – in die Vernehmlassung geht. An dieser Stelle wird sich Gelegenheit bieten, auf mögliche Fehlentwicklungen hinzuweisen und Korrekturen auch während des parlamentarischen Entscheidprozesses anzubringen.

Doch nicht nur aus Wirtschaftskreisen werden aufgeregte Stimmen laut. Wie gewohnt versucht die SP die Gunst der Stunde zu nutzen und ihr Programm zur «Überwindung des Kapitalismus» umzusetzen. Präsentiert wird der übliche Forderungskatalog. Geradezu impertinent ist dabei die erneute Forderung nach Stärkung von Löhnen und Kaufkraft: «Existenzsichernde Mindestlöhne führen zu Rationalisierung und verhindern Lohndumping», steht da zu lesen.

Einmal mehr tritt die Linke hier die Meinung des Souveräns mit Füssen. Drei Viertel aller Stimmbürger haben gerade erst ein wuchtiges Nein zur Mindestlohn-Initiative in die Urne eingelegt. Dieses Verdikt möge bitte schön endlich auch von den Sozialisten zur Kenntnis genommen werden! Für unser Land gilt glücklicherweise unverändert: Das letzte Wort hat nach wie vor der Souverän.

Die zentrale Rolle der Frauen in den Schweizer KMU

4 Jun

Nationalrat Jean-François Rime, Präsident Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Unternehmerinnen und Frauen in Kaderpositionen spielen in der KMU-Wirtschaft eine viel wichtigere Rolle als in grossen Unternehmen oder in der Verwaltung. Diese Rolle könnte jedoch Schaden nehmen, wenn man den KMU allgemeine, auf Grossunternehmen ausgelegte Regeln auferlegt. Die Diskussion über die Stärkung der Frauen war bisher einzig auf die grossen Unternehmen ausgerichtet und muss dringend in neue Bahnen gelenkt werden.

In den KMU nehmen 35 % der Frauen eine Vorgesetztenfunktion ein. Fast jede zweite Einzelfirma wird von einer Frau geführt. Und mit einem Anteil von 22 % sind Frauen in der KMU-Wirtschaft im Vergleich zum Schnitt über alle Unternehmen (15 %) auch im Verwaltungsrat überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen tätig. Diese erfolgreiche Integration der Frauen in die Führungsebene ist sehr wertvoll. Das beweist auch die Tatsache, dass Familienbetriebe mit 58 % Frauenanteil mehrheitlich von Frauen geführt werden.

Unternehmerische Flexibilität: 70% der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen.

Unternehmerische Flexibilität: 70% der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen.

Diesen offensichtlichen Unterschieden wird aber in der Hauptdiskussion zum Thema Frauenförderung keinerlei Rechnung getragen. Sie dreht sich ausschliesslich um Quoten und organisatorische Zwangsmassnahmen, die in grossen Unternehmen und in der Verwaltung umgesetzt werden sollen. Die Realität in den KMU wird im besten Fall ausgeblendet. Oft werden jedoch undifferenzierte, auf grosse Organisationen ausgerichtete Ideen verallgemeinernd auch den KMU übergestülpt.

Die Diskussion über die Frauenförderung muss dringend in neue Bahnen gelenkt werden.

Die Frauen profitieren heute von der unternehmerischen Flexibilität in kleinen Firmen und Familienunternehmen. Sie finden dort oft individuelle Lösungen, die ihnen die Möglichkeit bieten, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Als Beweis: 70 % der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit – auch in Führungspositionen. Der Handlungsspielraum dieser Frauen würde eingeschränkt, wenn die KMU dazu verpflichtet würden, starre Quoten und organisatorische Zwangsmassnahmen anzuwenden.

Wenn man die KMU-Unternehmerinnen wirklich fördern will, müssen vielmehr zuallererst die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es den selbstständigen Unternehmerinnen, treibenden Kräften in einem Familienunternehmen oder Teilzeit angestellten Kaderfrauen ermöglichen, effizient und ohne unnötige administrative Belastungen arbeiten zu können. Diese Bedingungen sind umso notwendiger, als dass diese Frauen daneben häufig noch zahlreiche Aufgaben in der Familie übernehmen.

Anstatt die Frauen in KMU mit starren Quoten und Vorgaben auszubremsen, verlangt der Schweizerische Gewerbeverband sgv eine bewusste Stärkung der Frauen in der höheren Berufsbildung. Trotz ihrer zentralen Rolle in den KMU verfügen mit 12 % nämlich nur wenige dieser Frauen über einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe und damit über eine ihrer Verantwortung entsprechende Ausbildung. Es ist deshalb dringend notwendig, dass der Bund die höhere Berufsbildung auch für die KMU-Frauen stärkt und finanziell unterstützt. Nur so können die Frauen in den KMU wirklich gefördert werden! Es ist Zeit, die Diskussion über die Frauenförderung, die bisher einzig auf Grossunternehmen ausgerichtet war, in neue Bahnen zu lenken.

Quellen (PDF-Dateien):

Nein zum Mindestlohn: Die Gewerkschaften müssen ihre irregeleitete Politik grundsätzlich überdenken

18 Mai

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben heute bewiesen, dass sie sich nicht von emotionalisierenden Schaumschläger-Kampagnen der Gewerkschaften blenden lassen. Die auf Selbstprofilierung und Eigenmarketing der Gewerkschaftsfunktionäre ausgerichtete Mindestlohn-Initiative wurde mit einem wuchtigen Nein von über 75% bachab geschickt.

Der Souverän sagt es mit aller Deutlichkeit: Die Schweizerinnen und Schweizer wollen keine Einmischung des Staates bei der Festlegung der Löhne! Nachdem bereits die 1:12 Initiative haushoch abgelehnt wurde, ist das heutige Ergebnis das zweite klare Nein gegen ein staatliches Lohndiktat innerhalb weniger Monate. Gewerkschaftliche Forderungen, dass der Staat mit Förder- oder Zwangsmassnahmen zum Abschluss von Gesamtarbeitsverträgen in den Arbeitsmarkt eingreifen soll, sind mit dem heutigen Resultat endgültig vom Tisch.

sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler im Interview zur wuchtigen Ablehnung der schädlichen Mindestlohn-Initiative

sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler im Interview zur wuchtigen Ablehnung der schädlichen Mindestlohn-Initiative

Das klare Nein richtet sich aber auch gegen die irregeleitete Politik der Gewerkschaften, die sich in diesem Abstimmungskampf insbesondere in der Unia Co-Präsidentin Vania Alleva und mit Corrado Pardini personifizierte. Unter der Führung dieser Funktionäre haben die Gewerkschaften ihre eigene Basis verraten und benutzt, indem massive Negativkonsequenzen in Kauf genommen wurden, nur damit sich der Gewerkschaftsapparat von Alleva, Pardini und Co. mit ihrer populistischen aber für die eigenen Leute schädlichen Vorlage über Monate in den Medien zeigen konnte. Das deutliche Nein des Souveräns am heutigen Abstimmungssonntag ist  die verdiente Quittung.

Die Funktionäre Alleva und Pardini sollten das Votum auch der tausenden von Arbeitnehmenden ernst nehmen, die heute mit ihrem Nein dem üblen Spiel des von der Unia dominierten Schweizerischen Gewerkschaftsbundes eine klare Absage erteilten. Sie sollten bemerkt haben, dass das Volk unter „Arbeitnehmer vertreten“ etwas anderes versteht als undifferenzierte staatliche Zwangsmassnahmen zu fordern. Frau Alleva und Herr Pardini sollten zur Kenntnis nehmen, dass das Volk keine Gewerkschaften will, die Arbeitsplätze gefährden, anstatt diese zu schützen. Und die beiden sollten zusammen mit ihrer Entourage heute gelernt haben, dass die Schweizerinnen und Schweizer ihr Erfolgsmodell mit der tiefen Arbeitslosigkeit, dynamischen und innovativen Firmen und dem erfolgreichen dualen Berufsbildungssystem nicht auf dem Altar eines von der Basis entfremdeten Funktionärskollegiums zu opfern bereit sind.

Diskreditiert und abgestraft von der eignen Basis müssen die Gewerkschaften nach der heutigen Abstimmungsniederlage grundsätzlich über die Bücher. Denn wie soll dieselbe Truppe, die im Abstimmungskampf über Monate die Sozialpartnerschaft untergraben und die zentralsten Verhandlungsinhalte an den Staat delegieren wollten, weiterhin glaubwürdig an Verhandlungen teilnehmen? Und wie können Gewerkschaften und SP ihren massiven Feldzug gegen das Erfolgsmodell Schweiz weiterhin rechtfertigen, zu dem sich das Volk heute erneut so deutlich bekannt hat? Denn die mit der Forderung zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung und der geforderten Einführung einer neuen nationalen Erbschaftsteuer gehen die linken Angriffe auf das Schweizer Erfolgsmodell ungebrochen weiter. Der Schweizerische Gewerbeverband wird sich auch gegen diese Vorlagen mit aller Vehmenz einsetzen.

Starrer Mindestlohn – pures Gift für Wirtschaft und Gesellschaft

1 Mai

Nationalrat Jean-François Rime, Präsident Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Die Mindestlohn-Initiative ist eine populistisch geschickt verpackte Giftpackung, die auf den ersten Blick vernünftig daherkommt, die für die gesamte Wirtschaft und insbesondere für die Mitarbeitenden, die Frauen, Leute mit tiefen Einkommen und Jugendliche aber massiven Schaden mit sich bringen wird.

Es steht enorm viel auf dem Spiel, wenn wir unüberlegten und verantwortungslosen Vorlagen wie der schädlichen Mindestlohn-Initiative zustimmen.

Heute haben wir in der Schweiz mit etwas über drei Prozent eine international rekordtiefe Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig ist es uns gelungen in der Schweiz die Frauen überdurchschnittlich gut ins Erwerbsleben zu integrieren. Das Resultat ist eine sehr hohe Netto-Beschäftigungsquote bei den 15 bis 64-Jährigen von über 80 Prozent. Wir haben in der Schweiz innovative und erfolgreiche Branchen und Unternehmen. Diese können ihren Mitarbeitenden im internationalen Vergleich gute Löhne bezahlen, die sie über eine funktionierende Sozialpartnerschaft mit den Mitarbeitenden oder den Gewerkschaften im Dialog aushandeln. Hinter der USA sind wir weltweit das wettbewerbsfähigste Land und bezüglich der Innovationskraft seit Jahren in den besten Rängen platziert.

Dass das so ist, ist nicht selbstverständlich. Es ist vielmehr die Folge von wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen, die wir nicht aufgeben dürfen. Für dieses Erfolgsmodell sind Vorlagen wie die Mindestlohn-Initiative pures Gift.

Populistisch verpackt wird den Bürgerinnen und Bürgern mehr Geld versprochen. Gleichzeitig ziehen solche Vorlagen mit ihren schädlichen Forderungen den Leuten wirtschaftlich den Boden unter den Füssen weg. Denn wo es Mindestlöhne gibt, werden schwächere Arbeitnehmende häufiger durch Maschinen oder besser qualifizierte und produktivere Mitarbeitende ersetzt. Berufseinsteiger mit wenig oder keiner Erfahrung werden grosse Mühe haben, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Und Teilzeitstellen, die es insbesondere Frauen in Randregionen erlauben, ein wichtiges Zusatzeinkommen für die Familie zu verdienen, drohen mit den hohen Lohnkosten zu verschwinden.

Starres Lohndiktat, das Schwächere aus dem Arbeitsmarkt verdrängt, Teilzeitstellen vernichtet und nicht zwischen Regionen, Branchen und Qualifikationen unterscheidet? Darum am 18. Mai: Nein zum schädlichen Mindestlohn!

Starres Lohndiktat, das Schwächere aus dem Arbeitsmarkt verdrängt, Teilzeitstellen vernichtet und nicht zwischen Regionen, Branchen und Qualifikationen unterscheidet? Darum am 18. Mai: Nein zum schädlichen Mindestlohn!

Gleichzeitig torpedieren wir unser duales Berufsbildungssystem, das ein sehr wichtiger Pfeiler unseres Erfolgsmodells ist und massgeblich zur tiefen Arbeitslosigkeit gerade bei Jugendlichen beiträgt. Wenn wir aber jeder Aushilfskraft ohne Berufserfahrung, ohne Ausbildung und ohne die minimalsten Sprachkenntnisse per Verfassungsartikel mindestens 22 Franken Stundenlohn zahlen müssen, nehmen wir den Jugendlichen doch sämtliche Anreize in eine Lehre zu investieren und eine Ausbildung zu machen. Wir locken sie mit dieser schädlichen Vorlage direkt in die Armutsfalle. Denn wer keine Ausbildung hat, wird der erste sein, der ohne Job auf der Strasse steht, wenn die Wirtschaft einmal weniger gut läuft. Wir sollten in der Schweiz in Bildung und Weiterbildung investieren und nicht mit staatlich diktierten Mindestlöhnen unseren eigenen Kindern Knebel zwischen die Beine werfen.

Zudem hat die Mindestlohn-Initiative fatale Auswirkungen speziell auf ländliche Regionen und Berggebiete in der Schweiz. Diese Regionen haben deshalb wirtschaftliche Perspektiven, weil sie dank tieferer Lebenserhaltungs- und Lohnkosten wettbewerbsfähig sind. So kostet eine Viereinhalbzim-merwohnung mit 100 Quadratmetern Wohnfläche im Jura oder im Toggenburg durchschnittlich 1000 Franken im Monat während eine vergleichbare Wohnung in Zürich oder Genf um die 3000 Franken kostet. Darauf nimmt die Mindestlohn-Initiative überhaut keine Rücksicht. Sie fordert für die Zürcher Bahnhofsstrasse dieselben Bedingungen wie im Luzernern Hinterland, dem Berner Oberland oder den ländlichen Gebieten in der Ostschweiz. Diese Gebiete verlieren durch die schädliche Mindestloh-Initiative einen der wichtigsten Wettbewerbsvorteile, den sie haben – ihre tieferen Kosten. Gerade ländliche Gebiete, wo um jeden Arbeitsplatz gekämpft wird und wo es direkte gesellschaftliche Kon-sequenzen hat, wenn eine Familie mangels Erwerbsmöglichkeiten wegzieht, werden die Zeche für die Mindestlohn-Initiative zahlen. Wo keine Arbeit ist und es keine wirtschaftlichen Perspektiven gibt, zie-hen die Leute weg. Ganze Talschaften verwaisen, Schulen schliessen und nur die alten Dorfbewohner bleiben zurück, weil die Jungen in die Ballungszentren abwandern.

Das darf nicht die Vorstellung von Zusammenhalt in unserem Land sein. Deshalb ist die die schädliche Mindestlohn-Initiative am 18. Mai in aller Deutlichkeit abzulehnen.

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