Archiv | Finanzmarkt RSS feed for this section

Fintech: Innovation statt Strukturen

26 Jul

Henrique Schneider, stv. Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Am vergangenen Treffen der G-20 Finanzminister verlangte Bundesrat Ueli Maurer einen besonderen Fokus auf digitale Entwicklungen in der Finanz­branche. Wer so etwas sagt, denkt in Strukturen. Entscheidend sind sie aber nicht. Was zählt, ist die Innovation.

Fintech ist eine Art der Erbringung von Finanzdienstleistungen, welche in besonderem Masse Informationstechnologie IT einsetzt. Gestandene Banken können genauso Fintech sein, wie Jungunternehmerinnen, die den Zahlungsprozess mit einer App umkrempeln. Fintech kann sowohl bei bestehenden Finanzdienstleistern als auch bei Neugründungen von Firmen geschehen.

Der Erfolg der Fintech-Unternehmen lässt sich insbesondere an den folgenden vier Kriterien messen: Personalisierung der Kundenbeziehung, Schnelligkeit der Transaktion, Relevanz der Lösung und Vermeidung von Medienbrüchen.

Der Erfolg der Fintech-Unternehmen lässt sich insbesondere an den folgenden vier Kriterien messen: Personalisierung der Kundenbeziehung, Schnelligkeit der Transaktion, Relevanz der Lösung und Vermeidung von Medienbrüchen.

Sieht man von der strukturellen Perspektive auf Fintech ab – die Schweiz scheint zu sehr damit beschäftigt zu sein: Wie funktioniert Fintech? Und was macht den Erfolg von Fintech aus?

Aus der Perspektive der Innovation, kann Fintech vorwiegend an vier kombinierbaren Elementen arbeiten:

  • Daten: Fintech-Applikationen, die auf Daten fokussieren, bündeln Daten und legen sie kunden- oder anbietergerecht aus. Beispiele hierfür sind die berühmten Kryptowährungen, das automatisierte Handeln an der Börse oder das Robo-Advisory in der Vermögens­verwaltung.
  • Frontend: Hier geht es darum, die Kundenbeziehungen insgesamt zu vereinfachen. Einerseits können Kunden ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen und andererseits entfallen Transaktionskosten. Beispiele hierfür sind Plattformlösungen wie Crowdlending oder Zahlungs­abwicklungen.
  • Operationen: Das sind Fintech-Anwendungen, die hinter den Kulissen spielen. Bei ihnen wird IT eingesetzt, um Prozesse einfacher, günstiger und besser zu machen. Der altbekannte Bancomat gehört zu dieser Kategorie – dieses Beispiel zeigt im Übrigen, wie alt Fintech schon ist. Auch die online-Eröffnung eines Bankkontos gehört dazu.
  • Infrastruktur: Natürlich braucht Fintech eine ganze Reihe unter­stützender Infrastrukturen. Diese sind sowohl Hardware als auch Software. Es braucht beispielsweise neue Vernetzungskonzepte, um die wachsende Menge dezentraler Transaktionen zu bewältigen. Und es braucht auch Sicherheitskonzepte. Auch das gehört zu Fintech.

Der Erfolg der Fintech-Unternehmen lässt sich insbesondere an den folgenden vier Kriterien messen:

  • Personalisierung der Kundenbeziehung: Kunden empfinden die Betreuung als auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten.
  • Schnelligkeit der Transaktionen: Je schneller die Transaktion erledigt ist, desto besser.
  • Relevanz der angebotenen Lösung: Die Gegenseite muss die Fintech-Applikation als praktisch und situationsspezifisch optimal erleben.
  • Keine Medienbrüche: Was online/IT-gestützt angefangen hat, muss bis zuletzt online/IT-gestützt bleiben.

Und nun kann man sich fragen: Was ist neu an der ganzen Sache? Sind diese Elemente und Merkmale nicht ohnehin Teile eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses? Die Antwort ist: Ja. Warum Minister darüber nachdenken sollen – das ist vielmehr die Frage.

Fintech: Zwischen Innovation und Regulierung

24 Jul

Henrique Schneider, stv. Direktor Schweizeischer Gewerbeverband sgv

Schon wieder tourt eine Schweizer Delegation durch die Welt. Diesmal geht es nach Südamerika. Unter der Leitung von Bundesrat Ueli Maurer werden dort «Fintech»-Potenziale erkundet. So weit so gut. Aber: Was ist Fintech?

Fintech ist eine Art des Wirtschaftens. Es geht darum, mit Hilfe der Infor­mations­technologie IT die Wertschöpfung in den Finanzdienstleitungen zu erhöhen. Das kann geschehen, weil die IT erlaubt, bestehende Wert­schöpfungs­schritte schneller, besser oder hochwertiger zu machen. Es kann auch passieren, weil mittels IT sogenannte Netz­werkeffekte in den Finanzdienstlistungen genutzt werden. Es kann freilich auch sein, dass mit IT neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

Beispiele für Fintech sind: Nicht-bankliche Zahlungsfunktionen, auto­ma­tisierte Kundenberatung, Plattformen für dezentrale Investititionen, Kryptowährungen und vieles mehr. Fintech ist also keine Branche, keine Technologie, geschweige denn eine «neue Wirtschaft». Sie ist lediglich die IT-gestützte Weiterentwicklung der Finanz­dienstleistungen.

Weltweites Wettrennen mit Abstrichen

Weltweit findet gerade ein Wettrennen um die Spitzenposition in Fintech statt. Warum dies der Fall ist, weiss man nicht so genau. Denn weltweit findet derzeit auch ein Wettrennen um die Regulierung der Finanzplätze und der Finanzflüsse statt. Das führt zum Paradox: Die meisten Länder versuchen, Fintech von Anfang an mit der Regulierung wachsen zu lassen. D.h. praktisch überall haben sich Kollusionen von Fintech-Unternehmern, Regulatoren und Politik gebildet.

Die Verbindung von Fintech, Reglementierung und staatlicher Subventionierung ist problematisch und wenig erfolgsversprechend. Dagegen zeigen die Beispiele USA und Taiwan: Wenig Reglementierung, eine allgemeine Technologiefreundlichkeit und ein leichter Zugang zu Wagniskapital sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Die Verbindung von Fintech, Reglementierung und staatlicher Subventionierung ist problematisch und wenig erfolgsversprechend. Dagegen zeigen die Beispiele USA und Taiwan: Wenig Reglementierung, eine allgemeine Technologiefreundlichkeit und ein leichter Zugang zu Wagniskapital sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Die so Kooperierenden betonen immer wieder, dass die Lösung für alle gut sei. Die Politik freut sich ob der innovativen Kraft; die Regulatoren freuen sich ob der Flexibilität, die sie selber zeigen; und die Fintech-Anbieter freuen sich ob der staatlichen Hilfe und ob der Legitimierung, die sie zu erhalten sich wähnen, weil sie von Anfang an reguliert sind.

Doch diese Kollusion birgt Probleme. Denn diese staatlich aufgezogenen Fintechs sind selten erfolgreich. Zum Beispiel in Grossbritannien oder Singapur, wo Fintechs zunächst in «Sandboxen» den Markt testen, schaffen sie den Sprung aus der Box praktisch nie. In Österreich und Deutschland, wo Fintechs direkte und indirekte Sunbventionen erhalten, überlebt kaum eine Firma ihr drittes Jahr. Entweder machen sie zu oder sie werden durch ein bestehendes Grossunternehmen gekauft – womit der Staat praktisch Grossunternehmen subventioniert. In der Schweiz und in Hong Kong zeigen sich die angekündigten regulatorischen Begleitmassnahmen als eher abschreckend für Investoren.

Erfolgsfaktoren für Fintech

Gemessen an der Nachhaltigkeit von Fintech scheinen die USA nicht alles falsch zu machen. Vermutlich hat dieses gute Abschneiden jedoch etwas mit der Grösse des Finanzmarktes, mit der allgemeinen Technologie­freundlichkeit und mit der kulturellen Tradition des «Venture-Capitalism» zu tun. Aber auch Taiwan schneidet gut ab. Über die Hälfte der – zugegeben: wenigen – Unternehmen, die auf Fintech setzen, sind damit erfolgreich. Erfolgreich bedeutet, dass das Modell skaliert wird, länger als fünf Jahre im Markt bleibt und Gewinne abwirft.

Interessanter Weise sind gerade die USA und Taiwan jene Länder, die regulatorisch am wenigsten für Fintech tun. Beide sind hochregulierte Märkte, aber in beiden gibt es IT-technische und betriebswirtschaftliche Talente. In beiden Ländern ist es möglich, an Wagniskapital heran­zukommen – ganz ohne Staat. In beiden Ländern wird Technologie allgemein als eine positive Kraft gesehen. Und vor allem: In beiden Ländern werden die Funktionalitäten von Fintech höher gewichtet als deren organisationeller Aufbau und die institutionelle Einbettung.

Was die Schweizer Delegation in Südamerika diesbezüglich lernen will?

Finanzplatzgesetze Fidleg/Finig: desaströse Gemengelage

24 Jun

Henrique Schneider, stv. Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Am Montag berät die Wirtschaftskommission des Ständerates das Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) und das Finanzinstitutsgesetz (Finig). Die Gemengelage ist unübersichtlich. Sie ist auch nicht mehr lösbar. Deshalb ist die Rückweisung an den Bundesrat der beste und logische Ausweg aus dieser Situation.

Die Probleme der Vorlagen hat der Bundesrat selbst verschuldet. Statt auf die Anliegen der Anspruchsgruppen einzugehen, verlor sich der Bundesrat in planerischem Gigantismus. Plötzlich sollten die kleinsten Finanz­dienst­leister fast wie Grossbanken reguliert werden. Plötzlich sollten KMU Kunden von der Finanzberatung ausgeschlossen werden. Plötzlich sollten 300 Millionen Franken Mehrkosten auf Kundinnen und Kunden überwälzt werden.

Die Bilanz zu Fidleg und Finig ist vernichtend: 300 Millionen Franken Regulierungskosten, Finanz-KMU werden (fast) wie Grossbanken (über)reguliert und schlechter gestellte Kunden, die zu höheren Preisen eine geringere Auswahl an Finanzprodukten erhalten.

Die Bilanz zu Fidleg und Finig ist vernichtend: 300 Millionen Franken Regulierungskosten, Finanz-KMU werden (fast) wie Grossbanken (über)reguliert und schlechter gestellte Kunden, die zu höheren Preisen eine geringere Auswahl an Finanzprodukten erhalten.

Kein Wunder, dass es dagegen Widerstand gibt. Dazu kommt: Eine Studie, die im Rahmen der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ erstellt wurde, bestätigt diese Vorbehalte klipp und klar. Die Studie ist hier ersichtlich (PDF).

Was kann man tun? Wenn die ständerätliche Kommission die Vorlage an den Bundesrat zurückweist, kann dieser in spezifischen Gesetzen punktuell regeln, was geregelt werden muss. Und dies so, dass die Sache für die Branchen angepasst und für Kunden verhältnismässig ausfällt.

Differenzierung ist halt ein Wettbewerbsvorteil der Schweiz. Planerischen Gigantismus braucht es dabei nicht.

LINKS

Finanzplatzgesetze: Rechnung nicht ohne Kunden machen

11 Apr

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Heute Montag wird die Wirtschaftskommission des Ständerates das Finanzdienstleistungsgesetz FIDLEG und das Finanzinstitutsgesetz FINIG beraten. Eine Studie der HWZ Zürich vom 31. März bestätigt, was der sgv schon lange sagt: Für Kunden und Finanz-KMU sieht es mit FIDLEG und FINIG schlecht aus.

Eine Studie der HWZ bestätigt: Für Kunden und Finanz-KMU sieht es mit FIDLEG und FINIG schlecht aus. Infolge der unter der geplanten Regulierung erhöhten aufsichtsrechtlichen Anforderungen an KMU-Finanzdienstleister, werden deren Regulierungskosten massgeblich steigen.

Eine Studie der HWZ bestätigt: Für Kunden und Finanz-KMU sieht es mit FIDLEG und FINIG schlecht aus. Infolge der unter der geplanten Regulierung erhöhten aufsichtsrechtlichen Anforderungen an KMU-Finanzdienstleister, werden deren Regulierungskosten massgeblich steigen.

Die Studie stellt fest, „… dass  FIDLEG  und  FINIG  voraussichtlich  in  mehrfacher  Hinsicht  zu  Marktverzerrungen  führen  werden.  Infolge  der  unter  der  geplanten  Regulierung  erhöhten  aufsichtsrechtlichen  Anforderungen  an  KMU-Finanzdienstleister,  werden  deren  Regulierungskosten massgeblich  steigen.  Somit  wird  es  für  KMU-Finanzdienstleister  nicht  mehr  rentabel  sein, Kleinkunden  zu  bedienen,  denn  je  kleiner  das  Anlagevermögen  ist,  desto  weniger  kann  die Kostenseite  strapaziert  werden.  Im  Zuge  dieser  Entwicklung  ist  die  gravierendste  Auswirkung für  Kleinkunden,  dass  sie  vom  individuellen  Beratungsprozess  durch  KMU-Finanzdienstleister,  wie  er  unter  geltendem  Recht  durchgeführt  werden  kann,  in  einen  Beratungsprozess gedrängt  werden,  der  für  sie  nur  noch  hochgradig  standardisierte  Finanzprodukte  bereitstellt. Mit  der  geplanten  Regulierung  werden  daher  voraussichtlich  gerade  jene  Kunden  aus  dem individuellen  Beratungsprozess  gedrängt,  die  am  meisten  Beratung  benötigen,  aber  vor  allem mit  der  geplanten  Regulierung  hätten  geschützt  werden  sollten. “

Das ist starker Tobak. Es gibt nur eine Art, das unverhältnismässige Paket zu entschärfen: Mit differenzierter, sektorieller Regulierung. Und mit der Absage an den regulatorischen Grössenwahn von sogenannten „Querschnittsgesetzen“.

Finanzplatzgesetze: Empörung der Nutzniesser

8 Apr

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Wenn es nicht dramatisch wäre, wäre es niedlich: Die Finanzplatz-Akteure, die von der erhöhten Regulierung profitieren sind empört. Sie sind empört, weil die Kunden und die, welche aus dem Markt verdrängt werden, ein verhältnismässigeres Modell vorschlagen. Aber wie gesagt, es ist nicht niedlich, sondern dramatisch.

Das Drama ist die Vorstellung einiger Finanzplatz-Akteure, sie können mittels Regulierungen Finanz-KMU aus dem Markt drängen. Dramatisch ist die Einbildung dieser Finanzplatz-Akteure, sie können einfach so 300 Millionen Franken pro Jahr Regulierungskosten rechtfertigen. Dramatisch ist auch, wenn ebendiese Akteure diese Kosten eiskalt den Kunden überwälzen wollen. Am dramatischsten ist: Die Nettonutzniesser empören sich, wenn der sgv eine viel verhältnismässigere und kostengünstigere Variante vorschlägt.

Was will der sgv?

Zusammen mit den unabhängigen Vermögensverwaltern hat der sgv vorgeschlagen, auf der heute gültigen – und funktionierenden – gesetzlichen Grundlage aufzubauen. Bestehende Gesetze, etwa das Bankengesetz oder das Gesetz über Börsen und Effektenhandel, sollen in Richtung erhöhter Transparenz angepasst werden. Vermögensverwalter sollen neu in einem Vermögensverwaltungsgesetz reguliert werden.

Die grossen Nutzniesser der überdimensionierten Finanzdienstleistungsgesetze FIDLEG und FINIG, welche jährlich zusätzliche Regulierungskosten von 300 Mio. verursachen und Kunden wie Finanz-KMU aus dem Markt drängen: Die Banken und insbesondere die Grossbanken

Die grossen Nutzniesser der überdimensionierten Finanzdienstleistungsgesetze FIDLEG und FINIG, welche jährlich zusätzliche Regulierungskosten von 300 Mio. verursachen und Kunden wie Finanz-KMU aus dem Markt drängen: Die Banken und insbesondere die Grossbanken

Man mag sich nun die Frage stellen: Warum ist es besser so? Die technische Antwort lautet: Fidleg und Finig sehen grob vor, die Banken-Standards auf unabhängige Vermögensverwalter auszudehnen. Das ist nicht nur Überregulierung. Das verdrängt die Finanz-KMU aus dem Markt. d.h. Nettonutzniesser sind vor allem Banken.

Es gibt auch eine einfache Antwort: Keinem Menschen würde es einfallen, die gleichen Regeln für alle Ballspiele zu erlassen. Fussball und Basketball haben Eigenheiten und deshalb auch je eigene Regeln. Und sie stehen im Wettbewerb um die Zuschauergunst. So soll es ein.

Im Finanzplatz gibt es verschiedene Geschäftsmodelle. Diese sollen im Wettbewerb zueinander bestehen. Ein Modell mittels Regulierung eliminieren zu wollen, ist nicht nur egoistisch. Es ist auch unredlich.

LINK
Medienkonferenz „FIDLEG/FINIG: Gegenvorschlag des Gewerbes“ vom 7. April 2016

Finanzplatzgesetze: Alleingang und Irrweg

15 Feb

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Am Dienstag berät die ständerätliche Kommission die neue Finanz­platz­gesetzgebung. Sie besteht aus dem Finandienstleistungsgesetz (Fidleg) und aus dem Finanzinstitutsgesetz (Finig). Es ist die falsche Regulierung zum falschen Zeitpunkt. Warum?

Fidleg und Finig geben vor, Marktzugang zur EU zu schaffen. Dafür wollen sie die europäische MIFID II Richtlinie in ein Schweizer Gesetz umgiessen. Das Dumme ist nur: MIFID II wurde von der EU verzögert. Die europäischen Länder konnten sich bisher weder auf den Inhalt noch auf die Umsetzung der Direktive einigen.

20160215_finanzdienstleistungen_w800px

Was versucht also die Schweiz zu übernehmen? Nichts. Denn Fidleg und Finig sind Alleingänge der Schweiz. Dafür gibt es kein entsprechendes „Gesetz“ in der EU.

Doch der Alleingang ist noch nicht genug. Er findet sogar auf einem Irrweg statt.

Denn ein künftig mögliches MIFID II wird kein „Querschnittsgesetz“ sein, wie Fidleg und Finig dies sind. Und MIFID II ist nicht für Marktzugang zuständig. Dieser fällt nach wie vor in den Souveränitätsbereich der einzelnen Länder. Wenn die Schweiz Marktzugang zum Beispiel zu Deutschland oder Slowenien braucht, muss es mit jedem Land je einzeln verhandeln – völlig unabhängig der lokalen Gesetze. Das heisst, Fidleg und Finig nehmen sich noch das Falsche zum Vorbild.

Was ist die Schlussfolgerung?

Fidleg und Finig sind Alleingänge der Schweiz. Die europäische Regu­lie­rung, die sie umzusetzen vorgibt, existiert noch gar nicht. Aber selbst diese Regulierung ist nicht der richtige Orientierungspunkt. Denn mit ihr ist noch lange kein Marktzugang garantiert.

Und wer zahlt die Zeche für Alleingang und Irrweg? Die Kunden natürlich. Sie werden von Beratung ausgeschlossen; und sie werden die 300 Millionen Franken Regulierungskosten bezahlen müssen. Deshalb gilt: Fidleg und Finig sind zurückzuweisen.

Finanzplatzgesetze: Die Mär vom Marktzugang

25 Jan

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Es tönt so schön: Die Schweiz macht ein Gesetz. Dieses schützt Kunden vor den Finanzdienstleistern. Und schafft somit Äquivalenz und deswegen den Zutritt zum EU-Markt für die Finanzdienstleister. Zu schön, um wahr zu sein? Ja. Denn das Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) und Finanz­instituts­gesetz (Finig) schützen Kunden nicht. Und vor allem: EU-Markt­zugang können sie auch nicht gewähren. Fidleg und Finig sind irgendetwas zwischen frommem Wunsch und unfrommem Märchen.

Hier die ganze Geschichte: Fidleg und Finig geben vor, den Zugang zum EU Markt für Finanzdienstleister zu ermöglichen. Schliesslich – so geht das Märchen – setzen beide Gesetze die EU Direktive MIFID II um. Das Dumme ist nur: MIFID II enthält keine „cross-border“-Regulierung. Unter MIFID II sind die einzelnen EU Mitgliedstaaten selber für die Zulassung ausländischer Anbieter zuständig; sie können sogar EU/EWR- und stärker noch nicht-EU/EWR-Finanzdienstleiter besonderen Regelungen unterwerfen. Regeln die für ihre jeweiligen Inländer nicht gelten würden.

Was in einem EU-Mitgliedsland gelten kann, heisst noch nicht Marktzugang im ganzen EU Raum. Das zeigt folgendes Beispiel: Ein EU-Mitgliedsstaat macht die Vorschrift, dass ein nicht-EU/EWR- Finanzdienstleister eine Niederlassung eröffnen müsse, um Marktzugang zu erhalten. Eine solche Niederlassung steht unter MIFID II. Sie garantiert aber noch überhaupt keinen Marktzugang im ganzen EU-Raum (EU-Passport). Dieser müsste bei jedem einzelnen EU-Staat ersucht werden.

Kompliziert? Nein, eigentlich sehr einfach. Erstens kann die Schweiz mit einem Schweizer Gesetz nicht die EU dazu zwingen, das Schweizer Gesetz in der EU für verbindlich zu erklären. Zweitens lehnt sich das Schweizer Gesetz an die MIFID II an, aber es hat mit Fidleg und Finig nichts zu tun. Kurz: Die Schweiz hat sich den falschen Orientierungspunkt gesucht.

Fidleg und Finig geben vor, den Zugang zum EU Markt für Finanzdienstleister zu ermöglichen. Die EU-Direktive MIFID II enthält jedoch keine „cross-border“-Regulierung. Unter MIFID II sind die einzelnen EU Mitgliedstaaten selber für die Zulassung ausländischer Anbieter zuständig; sie können sogar EU/EWR- und stärker noch nicht-EU/EWR-Finanzdienstleiter besonderen Regelungen unterwerfen.

Fidleg und Finig geben vor, den Zugang zum EU Markt für Finanzdienstleister zu ermöglichen. Die EU-Direktive MIFID II enthält jedoch keine „cross-border“-Regulierung. Unter MIFID II sind die einzelnen EU Mitgliedstaaten selber für die Zulassung ausländischer Anbieter zuständig; sie können sogar EU/EWR- und stärker noch nicht-EU/EWR-Finanzdienstleiter besonderen Regelungen unterwerfen.

Das Versprechen von Äquivalenz zur EU und damit von Marktzugang kann ohnehin nicht eingehalten werden. Schweizer und EU Regulierung sind in vielen Fällen unterschiedlich. Während die Schweiz einen meist auf Prinzipien basierenden, bottom-up Ansatz pflegt, ist die EU eher Regel-orientiert, top-down. Das macht die Vergleichbarkeit und somit die Gewährung von Äquivalenz schwer. Aber Äquivalenz selbst ist ein poli­tischer Entscheid. Nur weil die Schweiz sich Regeln gibt, bedeutet es noch nicht automatisch, die EU und jedes einzelne Mitgliedsland würde der Schweiz die Äquivalenz zugestehen. Auf jeden Fall geschieht dies nicht automatisch über FIDLEG/FINIG, sondern bestenfalls als Konsequenz von politischen Verhandlungen.

Es geht aber noch weiter: Äquivalenz ist kein Dauerzustand. Wie sich die EU-Regulierung verändert, so müsste sich die Schweiz stetig daran anpassen.

Die Folgen davon wären alles andere als positiv: Die Schweiz würde damit immer mehr dem politischen Druck aus der EU und der Logik des Binnenmarktes unterstehen. Das ist umso problematischer, als Äquivalenz zur EU keineswegs Marktzugang zu internationalen Märkten allgemein bedeutet. Im Gegenteil: Diese Äquivalenz sorgt für eine Massierung des Finanzdienstleistungsgeschäfts in der EU und wirkt sich gegenteilig auf eine globale Diversifizierung aus. Damit wird die Äquivalenz zum eigentlichen Klumpenrisiko.

Der Marktzugang ist also weder Wunsch noch Märchen. Er ist ein Traum mit Potenzial zum Alptraum. Und deswegen setzt sich der Schweizerische Gewerbeverband sgv gegen die neuen Finanplatzgesetze ein.

%d Bloggern gefällt das: