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Warum die 1:12-Initiative den KMU so massiv schadet

7 Nov

Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv

Die 1:12-Initiative ist ein Papiertiger, der die Wettbewerbsfähigkeit der KMU-Wirtschaft schwächt und zu höheren Steuern und Abgaben führt. Das Ziel der Initiative, die überrissenen Löhne einiger Top-Manager zu beschränken, verfehlt sie klar. Dafür hält sie die KMU von der eigentlichen Arbeit ab und belastet diese mit weiterem bürokratischen Zusatzaufwand.

Gerade in KMU ist es für die Unternehmerinnen und Unternehmer von grösster Bedeutung, dass sie ihre Tätigkeit darauf fokussieren können, mit guten Mitarbeitenden produktiv und innovativ für ihre Kunden arbeiten und Geld verdienen zu können. Der erwirtschaftete Gewinn wird in der Regel in das Unternehmen respektive in die Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen reinvestiert. Nur wenn es den Unternehmern gelingt, die Arbeit auf das eigentliche Geschäft auszurichten, kann sich die Firma erfolgreich im Wettbewerb behaupten. Sehr häufig arbeiten die Mitarbeitenden und die Unternehmer aber mehr für den Staat und die Verwaltung als für ihre Kunden. Statt in Produkte und Dienstleistungen stecken sie Zeit und Energie in Formulare, Bescheinigungen, statistische Erhebungen oder Kontrollen, die sie von Gesetzes wegen liefern müssen.

Diese bürokratische Belastung schmälert die Wettbewerbsfähigkeit und wenn ich mich als Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv bei unseren Mitgliedern umhöre, ist dies eine der Hauptsorgen unserer KMU-Wirtschaft, die 99,7% aller Schweizer Unternehmen ausmacht, 2/3 aller Arbeitsplätze anbietet und 70% der Lernenden ausbildet.

Zweifelsohne gibt es gewisse Erhebungen und bürokratische Aufwände, die sinnvoll sind und für die sich Zeit und Aufwand rechtfertigen lässt. Es bestehen aber bereits heute sehr viele Vorschriften, die abgeschafft werden müssen. Mit der 1:12-Initiative kommt in diesem Herbst nun eine Vorlage zur Ab-stimmung, die bei einer Annahme für uns KMU-Unternehmen nicht nur viel zusätzlichen nutzlosen Papierkrieg, staatliche Lohnkontrollen und Bürokratieaufwand bedeutet, sondern mit massiven Ausfällen bei den Steuereinnahmen und den Sozialversicherungen von insgesamt bis zu 4 Milliarden Franken grosse Kosten für KMU-Wirtschaft und Mittelstand bringen wird.

Nutzlos gegen Abzocker – schädlich für die hart arbeitende KMU-Wirtschaft

Gepuscht wird die 1:12-Initiative von den Jungsozialisten. Diese behaupten, dass sie damit gegen Abzocker vorgehen wollen. Gegen überhöhte Löhne einzelner Manager wird die löchrige 1:12-Initiative kaum etwas bewirken. In der KMU-Wirtschaft spielt die Höhe der Löhne in den wenigsten Fällen eine Rolle, da die Differenz zwischen dem höchsten und dem tiefsten Lohn im Gewerbe selten 1:12 übersteigt. Vielmehr trifft sie aber die KMU, weil sie ein staatliches Lohndiktat mit einer regelrechten Bürokratiewalze bringen wird.

Ausser Spesen nix gewesen

Diktiert der Staat ein fixes Verhältnis zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn in einem Unter-nehmen, muss er dieses auch erheben, kontrollieren und durchsetzen. Schon aus Gründen der Rechtssicherheit müssten bei Annahme der Initiative Lohnkontrolleure die Löhne in sämtlichen Schweizer Firmen und damit in jedem KMU-Betrieb kontrollieren und Sanktionen ergreifen, falls die 1 zu 12 Regel nicht eingehalten ist.

Dieser staatliche Kontrollaufwand ist sehr gross, gerade weil die Initiative einfach umgangen werden kann und viele Schlupflöcher offen lässt. Eine einfache Erhebung des höchsten und tiefsten Lohnes alleine wird nie funktionieren. Eine Lohnpolizei muss kontrollieren, wer wirklich am meisten verdient, was sich immer wieder ändern kann. Oft verdient der oberste Chef nicht am meisten, sondern es gibt Spezialisten, die mehr verdienen. Die Lohnkontrolleure müssen feststellen, was der tiefste Lohn ist, ohne dass klar ist, wie mit Lehrlingen, Praktikanten, Verleihpersonal sowie geschützten Arbeitsplätzen umzugehen ist. Die Lohnkontrolleure müssen überprüfen, ob die Bezahlung eines Lohnes auf Arbeits-verhältnissen, Aufträgen oder Verträgen basiert, ohne dass klar ist, welche dieser Rechtsverhältnisse durch die 1:12-Initiative überhaupt abgedeckt sind. Und die Lohnkontrolleure müssen feststellen, ob Löhne an dauerhaft oder temporär angestellte Personen ausbezahlt wurden, ohne dass klar ist, welche vergüteten Tätigkeiten von der Regelung überhaupt betroffen sind.

Die Zeche bezahlen KMU und Mittelstand

Aus Sicht der JUSO ist es vielleicht aufregend und sicher äusserst medienwirksam, wenn man mit einer populistischen Initiative das Abzockerthema bewirtschaften und Einzelbeispiele von überhöhten Managersalären zur eigenen Profilierung hochkochen kann. Die Jungsozialisten und die Gewerkschaften nutzen mit der 1:12-Initiative schamlos und ohne jegliches Verantwortungsbewusstsein diese Neiddebatte aus, um sich selber in den Vordergrund zu stellen. Dass die 1:12-Initiative Ausfälle bei der AHV und Bundessteuer von insgesamt bis zu 4 Milliarden Franken und damit immense Kosten für die Allgemeinheit verursacht, wird einfach ausgeblendet oder in Kauf genommen. Jungsozialisten, SP und Gewerkschaften sind offensichtlich bereit, zur eigenen Profilierung der Allgemeinheit Steuereinnahmen von über einer  Milliarde Franken und der AHV Beiträge von bis zu 2.5 Milliarden Franken zu entziehen.

Dieses Geld wird fehlen und dieselben Kreise, die mit ihrer verantwortungslosen 1:12-Initiative die Steuerausfälle verursachen, werden die letzten sein, die bereit sind, das von ihnen verursachte Desaster mit Kosteneinsparungen bei der öffentlichen Hand auszugleichen. Man muss deshalb nur eins und eins zusammenzählen, um zu sehen, wohin uns dieses sozialistische Rezept der 1:12-Initiative führt. Mittelstand und KMU werden übrig bleiben, um die Löcher in den Finanzhaushalten von Gemeinden, Kantonen und beim Bund zu stopfen. KMU-Unternehmerinnen und Unternehmer und die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, die für ihren verdienten Lohn hart arbeiten, werden zur Kasse gebeten. Wir alle werden weniger Geld in der Tasche haben, weil wir für die ideologischen Experimente der Jungsozialisten die Zeche zahlen werden.

Der Schaden, den die 1:12-Initiative für KMU und für die gesamte Gesellschaft anrichtet, ist enorm. Deshalb müssen wir diese gefährliche Initiative am 24. November klar ablehnen.

Weitere Informationen zur schädlichen 1:12-Initiative der Jungsozialisten unter:

Heulen und Zähneklappern

4 Okt

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Die Kampfrhetorik der Linken gibt immer wieder Anlass zum Kopfschütteln. Da behauptete letzte Woche die SP, ohne rot zu werden, Bundesrat Johann Schneider-Ammann habe sich «im Alleingang ins Abseits» manövriert. Was also ist da Schreckliches geschehen?

Vorerst die Fakten. Bundesrat Schneider-Ammann hat letzte Woche vor den Medien klargestellt, dass die Volksinitiative «1:12 – Für gerechte Löhne» nicht hält, was sie verspricht. Unmissverständlich hielt er fest: «Die 1:12-Initiative ist ein Eigentor.» Mehr noch, er wagte es sogar, die Ausfälle in der AHV mit rund 600 Millionen Franken pro Jahr wiederkehrend zu beziffern und zusätzlich die ebenso gravierenden Steuerausfälle zu thematisieren.

Dass dies den Genossen als Befürworter natürlich nicht in den Kram passt, mag kaum zu erstaunen. Erstaunlich ist hingegen der Kommentar der SP in einer Medienmitteilung: «Die Auswirkungen, die eine Annahme der 1:12-Initiative mit sich brächte, sind sehr komplex und nicht mit ökonomischen Modellen zu quantifizieren.» In der Tat, die Verhältnisse sind komplex – vielleicht zu komplex für die Parteileitung der SP.

Klar dürfte nämlich sein, dass die Initiative der sozialistischen Jungspunde zu enormen Ausfällen bei AHV und Steuern führt. Entgegen der Parteiführung haben dies die SP-Vertreterinnen und -Vertreter, die in Kantonen und Gemeinden verantwortlich zeichnen, längst gemerkt. Es erstaunt deshalb nicht, dass sie warnen und die 1:12-Initiative konsequent ablehnen; zu nennen sind da beispielsweise SP-Stadtpräsidentin Corinne Mauch in der Stadt Zürich oder SP-Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher im Kanton Bern. Weitere Namen aus der SP-Nomenklatura im ganzen Land könnten angeführt werden, die sich von der Vorlage unmissverständlich distanzieren.

Wie sehr den Linken die Argumente fehlen, zeigen auch die Vertreter der Juso. Bei jedem stichhaltigen Argument gegen ihre unselige Vorlage heulen sie reflexartig auf, sind beleidigt, drohen mit Strafklagen und spielen theatralisch die Rolle der Moralisten. Nur stört sie umgekehrt nicht, Logos von Grossfirmen widerrechtlich auf ihren Flyern einzusetzen, sich um einheimische Arbeitsplätze zu foutieren, ihre Fahnen im Billigst-Lohnland China herstellen zu lassen oder den politischen Gegner in jeder erdenklichen Form zu verunglimpfen.

Vor diesem Hintergrund ist Bundesrat Schneider-Ammann zu seinem Mut und seiner Gradlinigkeit zu gratulieren. In aller Deutlichkeit bringt er die negativen Auswirkungen auf den Punkt: «Eine Annahme der Initiative würde den Arbeitsmarkt und Wirtschaftsstandort Schweiz schwächen. Die Initiative bedeutet eine Abkehr von den Grundsätzen der schweizerischen Arbeitsmarktpolitik, die in erster Linie auf Verhandlungen und dezentrale Entscheide setzt statt auf starre gesetzliche Regelungen. Diese Politik hat der Schweizerischen Volkswirtschaft die Schaffung und die Sicherung von vielen guten Stellen bei einer sehr niedrigen Arbeitslosigkeit ermöglicht. Europaweit steht die Schweiz damit sehr gut da.» – Dem ist nichts mehr beizufügen, ausser am 24. November ein deutliches «NEIN zur 1:12-Initiative» in die Urne zu legen.

Mehr Informationen zu den negativen Auswirkungen der gefährlichen 1:12-Initiative der Jungsozialisten: www.1-12-nein.ch

Politische Ränkespiele

20 Sep

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

«Welche Einbussen würde die Senkung der höchsten Löhne auf 500 000 Franken pro Jahr für die Sozialversicherungen (AHV, EO, IV) mit sich bringen?» Diese simple Frage stellte der Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv dem Bundesrat angesichts der bevorstehenden Abstimmung zur 1:12-Initiative der sozialistischen Jungspunde. Eigentlich nicht so schwierig zu beantworten – würde man meinen. Doch weit gefehlt.

In seiner Replik verzichtet die Regierung schlicht und ergreifend auf die Beantwortung. Lapidare Begründung: «Damit die Auswirkungen der Volksinitiative auf die Sozialversicherungen beurteilt werden können, bräuchte es zunächst eine genaue Vorstellung der Folgen für die ökonomischen Aggregate und im besonderen für die Lohnmasse.» Übersetzt bedeutet diese geschwollene Amtssprache nichts anderes, als dass man in verschiedenen Szenarien denken müsste. Dazu ist der Bundesrat aber offenbar nicht fähig, fährt er doch in seinen weiteren Ausführungen wörtlich fort: «In diesem Bereich überwiegen jedoch die Unsicherheitsfaktoren.»

Höhere Steuern und AHV-Beiträge für alle? Nein zur 1:12-Initiative! www.1-12-nein.ch

Höhere Steuern und AHV-Beiträge für alle? Nein zur 1:12-Initiative!
http://www.1-12-nein.ch

Aus unternehmerischer Sicht reibt man sich ob dieser Begründung verwundert die Augen. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass die Zukunft Unsicherheitsfaktoren beinhaltet. Mit dieser Herausforderung sehen sich Unternehmer laufend konfrontiert. Würde es diesen angesichts dieser unfassbaren Ausgangslage einfallen, auf die Einschätzung, Bewertung und Beurteilung ihrer unternehmerischen Entscheide zu verzichten? Oder noch deutlicher: ist Ihnen je ein erfolgreicher Unternehmer begegnet, der die Hände in den Schoss gelegt hat, nur um fatalistisch abzuwarten, welche Konsequenzen sein unternehmerisches Tun haben wird, dies immer verbunden mit der vagen Hoffnung, dass es dann doch nicht so schlimm kommt, wie es vielleicht kommen könnte…

Es ist eine Binsenwahrheit, der unternehmerische Alltag ist geprägt davon, in Szenarien und Eventualplanungen zu denken, um auf erwartete und nicht erwartete Entwicklungen angemessen reagieren zu können und um letztlich die eigene Zukunft erfolgreich zu meistern. Ganz anders offenbar die Landesragierung. In ihrer Begründung fährt sie nämlich angesichts der bestehenden Unsicherheit fort: «Aus diesem Grund hat der Bundesrat darauf verzichtet, ein bestimmtes Szenario vorzugeben und zu berechnen», nur um dann gleich beschwichtigend hinzuzufügen «allerdings nicht ohne seiner Besorgnis in Bezug auf die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft Ausdruck zu verleihen».

Nun, Zahlen liegen auf dem Tisch. Die Universität St. Gallen hat in einer Studie verschiedene Szenarien berechnet und beziffert im Falle einer Annahme der 1:12-Ini­tiative die Ausfälle bei der AHV auf bis zu 2.5 Milliarden Franken und bei den Steuern auf bis zu 1,5 Milliarden Franken. Angesichts dieses drohenden Finanzierungsabgrunds stellt sich als weiteres die Frage, wie der Bundesrat die Altersreform 2020 erfolgreich über die Bühne bringen will. Bereits heute setzt er – also noch ohne durch die Initiative zusätzlich drohende AHV-Ausfälle – auf Mehreinnahmen von sechs Milliarden Franken durch Erhöhung der Mehrwertsteuer! Es wird interessant sein, am kommenden Montag in der Fragestunde des Bundesrates zu hören, ob der Bundesrat wenigstens in diesem Fall in Szenarien denken mag oder ob er angesichts der Unsicherheit erneut lieber wieder darauf verzichtet.

Mehr Informationen zu den negativen Auswirkungen der 1:12-Initiative unter

www.1-12-nein.ch

Monitor der Glaubwürdigkeit

9 Aug

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Pünktlich kurz vor den Sommerferien publizierte das Meinungsforschungs-Institut gfs den Finanzmonitor 2013. Das erstmals vor sechs Jahren erstellte Informationssystem dient der längerfristigen Beobachtung zu Aspekten der Finanzpolitik aus Sicht der Stimmberechtigten.

Eine Fragestellung, die den Schweizerischen Gewerbeverband sgv immer auch interessiert, ist diejenige nach der Glaubwürdigkeit der Akteure innerhalb der finanzpolitischen Diskussion. Hier erstaunt es zunächst nicht, wenn «Leute wie Sie und ich» mit Abstand die Spitze der Rangliste zieren. Die Befragten schreiben sich mit 79 Prozent die höchste Kompetenz in den politischen Entscheiden zu (sehr oder eher glaubwürdig). Mit 72 Prozent folgt der Bundesrat als Ganzes an zweiter und mit 70 Prozent das Parlament als Ganzes an dritter Stelle.

Diesem Spitzentrio dicht auf den Fersen ist der sgv, der mit 68 Prozent in knappem Abstand  bereits auf Platz vier und damit praktisch auf gleichem Niveau mit den politischen Behörden liegt. Dabei wird der Gewerbeverband in allen Lagern als glaubwürdig eingestuft, wobei überraschenderweise der Wert bei den Anhängern der Grünen Partei am höchsten ist. Interessant ist weiter die Beobachtung, wonach die Gewerkschaften bloss einen Wert von 59 Prozent erzielen, währenddem sämtliche Parteien unter der 50-Prozent-Limite liegen.

Selbstverständlich dürfen solche Umfragewerte nicht zum absoluten Nennwert genommen werden, da immer auch Momentaufnahmen eine Rolle spielen. Trotzdem fällt doch auf, dass der sgv seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008 seinen Wert markant steigern konnte. Damals lag die Zustimmung gerade mal bei 56 Prozent.

Wichtiger noch ist aber die Feststellung, wonach diese Glaubwürdigkeit immer wieder unter Beweis gestellt werden muss. Ein Prüfstein dazu ist die Abstimmung zur 1:12-Initiative vom kommenden Herbst. Und hier sieht sich das Erfolgsmodell Schweiz einem beispiellosen Angriff von Links ausgesetzt. Die Schweiz steht inmitten von kriselnden Staaten erfolgreich, stabil und sozial ausgeglichen da. Während die umliegenden europäischen Länder mit hohen Arbeitslosenzahlen, Inflation und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit zu kämpfen haben, verzeichnen wir als innovativstes europäisches Land Vollbeschäftigung und praktisch keine Jugendarbeitslosigkeit.

Diese beneidenswerte Position wurde möglich, weil wir auf die Stärken unserer Bürgerinnen und Bürger gesetzt, das Unternehmertum gefördert und Arbeitsplätze und Wohlstand für die gesamte Gesellschaft geschaffen haben. Entscheidend waren Eigenverantwortung, gezielte Risikobereitschaft zu unternehmerischen Investitionen und damit die Schaffung von Zukunftsperspektiven.

Unsere beneidenswerte Position ist denn auch alles andere als selbstverständlich. Wenn wir beginnen, unseren Wohlstand, die prosperierende Wirtschaft und die soziale Stabilität als gegeben zu betrachten, werden wir verlieren. Arbeit, Einsatz und unternehmerisches Engagement müssen weiterhin als wichtiger gesellschaftlicher Wert und als unabdingbare Bedingung für eine erfolgreiche Schweiz geschätzt und gefördert werden. In krassem Gegensatz dazu steht die 1:12-Initiative, mit der der Staat per Lohndiktat in die Unternehmen eingreifen soll. Auslagerungen von Jobs, mehr Arbeitslosigkeit, höhere Steuern und Abgaben und staatliche Lohnkontrolleure und Bürokratie wären die Folgen. Dies gilt es mit einem Nein am kommenden 24. November zu verhindern.

Zerrbild Multis

2 Jul

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Vor einigen Tagen machte in der Wirtschaftspresse die Schlagzeile die Runde, wonach die Schweiz nicht als KMU-dominierte Wirtschaft bezeichnet werden könne, wie das gerne getan werde. Die Autoren und Absender – beide mit einem langjährigen Berufshintergrund im Umfeld von Grosskonzernen – veröffentlichten unter dem Titel «Multis: Zerrbild und Wirklichkeit» ein Diskussionspapier, das auf ein erhebliches Gewicht der Multis im volkswirtschaftlichen Gefüge der Schweiz hinweise.

Für den Schweizerischen Gewerbeverband sgv als grösster Dachverband der Schweizer Wirtschaft ist es eine Binsenwahrheit, dass die multinationalen Unternehmen in unserem Land und für unser Land wichtig sind. Warum diese Selbstverständlichkeit ausgerechnet zum heutigen Zeitpunkt diskutiert werden muss, ist deshalb nicht nachvollziehbar; die Autoren schweigen sich dazu aus. Als Interessensorganisation insbesondere der KMU-Wirtschaft sind wir es zudem gewohnt, in unsere Überlegungen ebenso die Ansprüche etwa der Grosskonzerne, der Exportbetriebe oder des Finanzplatzes mit einfliessen zu lassen und aus einer gesamtheitlichen Verantwortung heraus Politik zu machen. Diesen Anspruch lässt das Papier von Avenir Suisse leider vermissen, es fällt vielmehr auf durch unzulässige Schlussfolgerungen und ökonomische Fehlschlüsse.

Gravierender ist hingegen der Eindruck, wonach hier ein Keil zwischen die KMU-Wirtschaft und die Grossbetriebe geschlagen werden soll. Dies bewirkt einen äusserst schalen Nachgeschmack. Angesichts der Vernetzung unserer Wirtschaft und der gegenseitigen Abhängigkeiten von Gross und Klein wäre dies ein verheerendes Unterfangen. Insbesondere auch in einer kleinen Volkswirtschaft, die ihre Erfolge ihrer Offenheit gegenüber dem Ausland und den hohen Exportraten verdankt. Letzteres nicht zuletzt auch deshalb, weil wir über ein hervorragendes duales Bildungssystem verfügen. Ist es Zufall, dass auch diese bildungspolitische Errungenschaft von Avenir Suisse seit Jahren bestritten wird und deren Exponenten alles daranzusetzen scheinen, einen gefährlichen, KMU-schädigenden Systemumbau zu erzwingen?

Die Schweiz darf in aller Bescheidenheit als Erfolgsmodell bezeichnet werden. Vor dem Hintergrund der nach wie vor unbewältigten Finanz- und Schuldenkrise in Europa sind wir hervorragend positioniert. Gemäss dem IMD Lausanne steht unsere Wirtschaft international hinter den USA auf dem zweiten Rang in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit. Das Seco schätzt unser Wirtschaftswachstum für dieses Jahr auf 1,5 Prozent und prognostiziert für nächstes Jahr 2 Prozent. Zudem haben wir Vollbeschäftigung und keine Jugendarbeitslosigkeit – dies im Gegensatz zu europäischen Ländern, wo mehr als die Hälfte der Jugendlichen auf der Strasse steht und dieser unhaltbare Zustand sozialpolitischer Sprengstoff erster Güte ist.

Das Erfolgsmodell macht offenbar übermütig, führt zu sozialistischen Umverteilungsansprüchen der Linken und steht politisch insgesamt auf dem Prüfstand. Mit der bevorstehenden Abstimmung zur 1:12-Initiative, der Mindestlohn-Initiative, der Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, der Abschaffung der Pauschalbesteuerung oder auch der Erbschaftssteuer­-Initiative ist eine ganze Wagenladung an Projekten unterwegs, die unser Erfolgsmodell dramatisch gefährden und teilweise gar irreparabel beschädigen. So gesehen ist der Think Tank Avenir Suisse zum ernsthaften Nachdenken aufgerufen. Gefragt und erwartet sind fundierte Analysen, die nicht Vorurteile und die Hobbys einzelner Autoren bewirtschaften, sondern einen echten Beitrag zur gemeinsamen Weiterentwicklung unseres Erfolgsmodells Schweiz zu leisten vermögen. Die Reihen sind zu schliessen: Seiner jahrzehntelangen Tradition folgend bietet der Schweizerische Gewerbeverband sgv dazu jederzeit Hand.

Unpräzise Recherche

25 Mrz

Von Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Wettbewerb ist grundsätzlich zu begrüssen, und so gesehen ist es erfreulich, dass unter den Verlagshäusern mit den Sonntagsblättern eine intensive Konkurrenz ausgetragen wird. Ausdruck davon ist die Jagd nach dem ultimativen Primeur. Also jener Nachricht, die brandneu, exklusiv am Wochenende zu lesen und dazu geeignet ist, ein erhöhtes Mass an öffentlicher Empörung zu kreieren. Dieses System funktioniert je nach Temperament der Sonntagsredaktionen in Stil und Tonalität unterschiedlich, mit Blick auf die Auflagezahlen aber offenbar ganz passabel.

Sollte sich der ersehnte Primeur für einmal nicht finden lassen, so gibt es immer noch den Ausweg, eine griffige Story zu konstruieren. So geschehen in der Ausgabe der «NZZ am Sonntag» vom letzten Wochenende. Da wurde einmal mehr die Abzocker-Thematik bemüht und in grossen Lettern vermeldet, die Mehrheit der Chefs von börsenkotierten Firmen verdienten mehr als eine Million Franken. Mehr noch, auch die Mehrheit der KMU würden mitziehen. Als Beweis wurde eine Tabelle von 20 Firmen angeführt und in einem Kommentar unter dem Titel «Manager-Löhne: Auch die KMU greifen zu» gezielt die emotionale Empörung angeheizt.

Allerdings hat diese vermeintlich süffige Story gleich zwei Haken. Schaut man sich die Liste nämlich genau an, so handelt es sich durchwegs um börsenkotierte Firmen, sogenannte small-caps. Kennzeichen dieser Firmen ist tatsächlich, dass sie kleiner als die internationalen Grosskonzerne sind. Trotzdem gilt die Feststellung, wonach die Problematik der Managerlöhne mit der Annahme der Minder-Initiative, die die börsenkotierten Firmen – darunter eben auch die small-caps – betrifft, vom Souverän definitiv entschieden worden ist. Zudem hat der Bundesrat dargelegt, dass er mit der entsprechenden Umsetzungsverordnung rasch für klare Verhältnisse sorgen will.

Mangelhafte Präzision in der Recherche zeigt sich ebenso in der Definition der KMU. Laut Bundesamt für Statistik ist hier nicht die ­Börse massgebend, sondern folgenden Fakten:

98 Prozent aller Betriebe haben weniger als fünfzig Mitarbeitende und gelten als Kleinbetriebe. Weitere 1,7 Prozent beschäftigen bis zu zweihundertfünfzig Arbeitnehmende und gehören in die Kategorie der Mittelbetriebe. Nur gerade 0,3 Prozent aller Betriebe fallen unter die Grossbetriebe, darunter auch die oben angesprochene Liste in der «NZZ am Sonntag».

Angesichts dieser Fakten ist es unzulässig, die KMU der Abzockerei zu bezichtigen. Tatsache ist, dass sich die Patrons in den KMU durch Bodenhaftung auszeichnen und Verantwortung für ihre Angestellten übernehmen – eben gerade weil sie ihr ganzes persönliches Vermögen investiert haben und das unternehmerische Risiko mit dem eigenen Portemonnaie tragen.

Mittels der 1:12-Initiative hingegen erfolgt der sozialistische Frontalangriff auf den wichtigsten Standortvorteil unseres Landes im internationalen Standort-Wettbewerb. Die Schweiz ist deshalb das innovativste Land weltweit, weil wir insbesondere über einen flexiblen Arbeitsmarkt verfügen, der Arbeitsplätze, Vollbeschäftigung und Wohlstand garantiert. Freiheit setzt Verantwortung voraus. Die sozialistische Initiative will Lohnkontrolleure und Planwirtschaft, Umverteilung durch Inkaufnahme von Wohlstandsverlusten.

Darauf gibt es nur eine Antwort: ein wuchtiges Nein.

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