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Absolute Wahrheit gibt es nur in der Philosophie

24 Aug

Stephan Loeb, Verantwortlicher E-Communication Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Am 23. September stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über die «Fair-Food»-Initiative und die Initiative «für Ernährungssouveränität», die sogenannten Agrar-Initiativen, ab. Alle im Rahmen von Pro- oder Contra-Kampagnen involvierten Kräfte versuchen, ihre Kernargumente den Ziel­gruppen möglichst überzeugend zu vermitteln. Dazu stehen verschiedenste Instrumente zur Verfügung: Von Anlässen wie der Medienkonferenz über das Kampagnen­material (Argumentarium, Flyer, Inserate, Plakate) bis hin zu den Aktivitäten online, welche in der jüngeren Vergangenheit massiv an Bedeutung gewonnen haben.

Es ist bedenklich, wie rasch einzelne politische Akteure den Ausdruck „fake news“ in den Mund nehmen. In der Regel geschieht dies dann, wenn man feststellen muss, dass der politische Kontrahent gute und überzeugende Argumente hat, welche man nicht mit besseren Gegenargumenten kontern kann. Dann wird halt zur Diskreditierungskeule gegriffen. | Le penseur von Auguste Rodin. Quelle: Fotolia

Wichtig ist, dass man für seine Kampagne drei, vier Kernargumente festlegt, von denen man weiss, dass sie eine starke Überzeugungskraft haben. Wenn man diese für die Massnahmen online in der Form eines Comics mit vier Bildern auf seiner Facebook-Seite abbildet, dann ist es ganz normal, dass die entsprechenden Argumente überzeichnet werden. Dies machen alle involvierten Parteien und Organisationen, von ganz links bis ganz rechts. So zu tun, als würde man dem Stimmvolk die absolute Wahrheit erzählen, ist einfach nur heuchlerisch, denn diese gibt es in der politischen Kommunikation schlichtweg nicht.

Im Zusammenhang mit den Agrar-Initiativen, über welche wir am 23. September abstimmen, gibt es jedoch einige offensichtliche Sachverhalte:

  • «Fair-Food»-Initiative: Die Initiative verlangt, dass in der Verfassung verankert wird, wie Lebensmittel produziert werden («fair, nachhaltig und tierfreundlich»). Importierte Lebensmittel müssen Schweizer Standards erfüllen.
  • Initiative «für Ermährungssouveränität»: Die Initiative will die Schweizer Landwirtschaftspolitik planwirtschaftlich reorganisieren: Der Staat soll in die Preisbildung eingreifen und den Bauern ein höheres Einkommen sichern.
  • In der Summe haben die Agrar-Initiativen bei einer Annahme einige absehbare Folgen:
    • Um die ganzen Vorschriften zu überprüfen braucht es einen grossen und teuren zusätzlichen Kontrollapparat. Die Kosten für diese vorsätzlich geschaffene Bürokratie werden letztlich die Konsumentinnen und die Konsumenten in Form von deutlich höheren Lebensmittelpreisen tragen müssen.
    • Die Auswahl an Lebensmitteln wird erheblich kleiner, da der Import verboten werden kann, sofern die definierten Standards nicht erfüllt werden. Die Schweizerinnen und Schweizer werden staatlich bevormundet, wie sie sich zu ernähren haben.
    • Die markant höheren Lebensmittelpreise in der Schweiz werden den Einkaufstourismus befeuern; dies trifft zuerst den Schweizer Detailhandel, letztlich aber auch die zuliefernde Landwirtschaft.
    • Beide Volksinitiativen schaffen neue Handelshemmnisse und verletzen damit internationales Handelsrecht.

Die beiden Agrar-Initiativen sind aus den genannten Gründen äusserst gefährlich und würden der gesamten Schweiz grossen Schaden zufügen. Daher sind diese am 23. September klar abzulehnen.

LINKS

www.agrarinitiativen-nein.ch
www.facebook.com/sgvusam

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