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Fintech: Zwischen Innovation und Regulierung

24 Jul

Henrique Schneider, stv. Direktor Schweizeischer Gewerbeverband sgv

Schon wieder tourt eine Schweizer Delegation durch die Welt. Diesmal geht es nach Südamerika. Unter der Leitung von Bundesrat Ueli Maurer werden dort «Fintech»-Potenziale erkundet. So weit so gut. Aber: Was ist Fintech?

Fintech ist eine Art des Wirtschaftens. Es geht darum, mit Hilfe der Infor­mations­technologie IT die Wertschöpfung in den Finanzdienstleitungen zu erhöhen. Das kann geschehen, weil die IT erlaubt, bestehende Wert­schöpfungs­schritte schneller, besser oder hochwertiger zu machen. Es kann auch passieren, weil mittels IT sogenannte Netz­werkeffekte in den Finanzdienstlistungen genutzt werden. Es kann freilich auch sein, dass mit IT neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

Beispiele für Fintech sind: Nicht-bankliche Zahlungsfunktionen, auto­ma­tisierte Kundenberatung, Plattformen für dezentrale Investititionen, Kryptowährungen und vieles mehr. Fintech ist also keine Branche, keine Technologie, geschweige denn eine «neue Wirtschaft». Sie ist lediglich die IT-gestützte Weiterentwicklung der Finanz­dienstleistungen.

Weltweites Wettrennen mit Abstrichen

Weltweit findet gerade ein Wettrennen um die Spitzenposition in Fintech statt. Warum dies der Fall ist, weiss man nicht so genau. Denn weltweit findet derzeit auch ein Wettrennen um die Regulierung der Finanzplätze und der Finanzflüsse statt. Das führt zum Paradox: Die meisten Länder versuchen, Fintech von Anfang an mit der Regulierung wachsen zu lassen. D.h. praktisch überall haben sich Kollusionen von Fintech-Unternehmern, Regulatoren und Politik gebildet.

Die Verbindung von Fintech, Reglementierung und staatlicher Subventionierung ist problematisch und wenig erfolgsversprechend. Dagegen zeigen die Beispiele USA und Taiwan: Wenig Reglementierung, eine allgemeine Technologiefreundlichkeit und ein leichter Zugang zu Wagniskapital sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Die Verbindung von Fintech, Reglementierung und staatlicher Subventionierung ist problematisch und wenig erfolgsversprechend. Dagegen zeigen die Beispiele USA und Taiwan: Wenig Reglementierung, eine allgemeine Technologiefreundlichkeit und ein leichter Zugang zu Wagniskapital sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Die so Kooperierenden betonen immer wieder, dass die Lösung für alle gut sei. Die Politik freut sich ob der innovativen Kraft; die Regulatoren freuen sich ob der Flexibilität, die sie selber zeigen; und die Fintech-Anbieter freuen sich ob der staatlichen Hilfe und ob der Legitimierung, die sie zu erhalten sich wähnen, weil sie von Anfang an reguliert sind.

Doch diese Kollusion birgt Probleme. Denn diese staatlich aufgezogenen Fintechs sind selten erfolgreich. Zum Beispiel in Grossbritannien oder Singapur, wo Fintechs zunächst in «Sandboxen» den Markt testen, schaffen sie den Sprung aus der Box praktisch nie. In Österreich und Deutschland, wo Fintechs direkte und indirekte Sunbventionen erhalten, überlebt kaum eine Firma ihr drittes Jahr. Entweder machen sie zu oder sie werden durch ein bestehendes Grossunternehmen gekauft – womit der Staat praktisch Grossunternehmen subventioniert. In der Schweiz und in Hong Kong zeigen sich die angekündigten regulatorischen Begleitmassnahmen als eher abschreckend für Investoren.

Erfolgsfaktoren für Fintech

Gemessen an der Nachhaltigkeit von Fintech scheinen die USA nicht alles falsch zu machen. Vermutlich hat dieses gute Abschneiden jedoch etwas mit der Grösse des Finanzmarktes, mit der allgemeinen Technologie­freundlichkeit und mit der kulturellen Tradition des «Venture-Capitalism» zu tun. Aber auch Taiwan schneidet gut ab. Über die Hälfte der – zugegeben: wenigen – Unternehmen, die auf Fintech setzen, sind damit erfolgreich. Erfolgreich bedeutet, dass das Modell skaliert wird, länger als fünf Jahre im Markt bleibt und Gewinne abwirft.

Interessanter Weise sind gerade die USA und Taiwan jene Länder, die regulatorisch am wenigsten für Fintech tun. Beide sind hochregulierte Märkte, aber in beiden gibt es IT-technische und betriebswirtschaftliche Talente. In beiden Ländern ist es möglich, an Wagniskapital heran­zukommen – ganz ohne Staat. In beiden Ländern wird Technologie allgemein als eine positive Kraft gesehen. Und vor allem: In beiden Ländern werden die Funktionalitäten von Fintech höher gewichtet als deren organisationeller Aufbau und die institutionelle Einbettung.

Was die Schweizer Delegation in Südamerika diesbezüglich lernen will?

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