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Strombarone: Abzocke auf Kosten der KMU

15 Mrz

Von Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

KMU stehen unter Druck, ihre Produkte zu verbessern und die Kunden zu überzeugen. Falls sie innovativ sind, Investitionen tätigen und qualitativ gut arbeiten, bleiben ihnen die Kunden treu und sie erwirtschaften Gewinn. Ist das normal? Nein! Jedenfalls nicht in allen Branchen. Denn in der Stromwirtschaft läuft die Sache komplett anders: Hier gibt es einen bedingungslosen Grundgewinn.

Die Stromfirmen ist sind gleich dreifach geschützt: Erstens können die Kunden ja nicht abspringen. Zweitens werden Stromunternehmen vom Staat geschützt; sie geniessen die implizite Bestandesga-rantie (sie werden nie Pleite) und das explizite Monopol. Drittens haben sie ein gesetzliches Anrecht auf Gewinn – alleine deswegen, weil sie existieren!

Der bedingungslose Grundgewinn war schon immer hoch. In Zeiten negativer Realzinsen, wie heute, kassieren die Strombarone eine Rendite von etwa vier Prozent im Jahr. Für das 2014 hat der Bundesrat, gestützt auf eine «wissenschaftliche» Studie, die staatliche garantierte Rendite auf 4,7 Prozent des Kapitals korrigiert. Das kostet die Stromkunden zusätzlich 108 Millionen Franken im Jahr.

Strombarone: Abzocke auf Kosten der KMU und Konsumenten

Strombarone: Abzocke auf Kosten der KMU und Konsumenten

Und das soll keine Abzocke sein? Staatlich geschützte Monopolisten, die keinerlei Risiken tragen, die unternehmerisch nicht an ihrem Produkt beteiligt sind und die unanständig hohe garantierte Gewinne auf Kosten der Mehrheit kassieren…

Unsere Strombarone werden nicht müde, zu betonen, dass sie das Geld investieren. Mittlerweile steht fest: Sie tun es wirklich – indem sie Firmen aufkaufen und dem lokalen Gewerbe Konkurrenz machen! Die grossen Monopolisten, die alle gesetzlichen Regalien geniessen, sind so dreist, im Rahmen von schön ausgestalteten und politisch gewollten «Eignerstrategien» KMU aus dem Markt zu drängen. Sie kaufen sich Installations-, Beratungs- und andere Unternehmen, setzen die Preise tiefer, als das lokale Gewerbe es offerieren kann, und untergraben dadurch die KMU.

Tatsache ist, dass der Bundesrat von seiner früheren Linie abgewichen ist. Bisher betonte die Exekutive, dass die Rendite hoch genug und richtig berechnet sei. Dann plötzlich kam die magistrale Umkehr, über dessen Gründe man nur spekulieren kann: Die einen sagen, es war ein Geschenk an die Stromwirtschaft, damit sie der Energiestrategie zustimmt. Andere behaupten, man wollte Ruhe von der Zwängerei der Branche, denn sie brachte alle Jahre das Thema wieder aufs Tapet.

Unabhängig davon, welche Erklärung stimmt, es ist und bleibt ein Skandal: Zuerst zocken die Strombarone uns alle ab – und dann konkurrenzieren sie die KMU! Man darf sich fragen, wie viele «Abzockerinitiativen» nötig sein werden, bis auch die Strombranche geerdet wird.

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