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Was hat die Bratwurst mit dem Cervelat zu tun?

3 Sep

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Stellen Sie sich vor: Es ist Mitternacht und Sie gehen in einen Tankstellenshop. Sie kaufen eine 6er-Packung Cola-Dosen und vier Bratwürste. Sie möchten das Gleiche eine Stunde später kaufen? Sorry, geht leider nicht! Ab 1 Uhr morgens dürfen Sie höchstens Cervelats kaufen, nicht aber die daneben liegenden Bratwürste. Diese sind nämlich abgedeckt. Sie können im Übrigen auch 6 einzelne Cola-Dosen kaufen, aber nicht eine 6er-Packung. Morgens um 5 Uhr: Das gleiche Bild! Um 04:45 Uhr können Sie so viele Weggli posten, wie Sie möchten – aber kein Brot, dieses darf nämlich erst ab 5 Uhr verkauft werden. Verwirrend? Ja! Irrwitzig? Aber sicher!

Klar ist, dass der Tankstellenshop die ganze Nacht in Betrieb bleibt. Ebenso klar ist, dass die Verkäuferin oder der Verkäufer die ganze Nacht arbeiten dürfen, sofern sie das wollen. Zwischen morgens um 1 und 5 Uhr ändert sich rein gar nichts an der Arbeit im Shop, ausser dass dort den Kunden nicht das gesamte Sortiment verkauft werden darf. Verkaufen darf man zwischen 1 und 5 Uhr nur, was sofort konsumiert werden kann. Einen Cervelat kann man auf der Stelle verspeisen; eine Bratwurst müsste zuerst gebraten werden. Ein Weggli kann sofort gegessen werden; ein Laib Brot nicht (weshalb eigentlich…?). Nach der gleichen Logik: 6 Einzelbüchsen könnte man sofort trinken, ein 6er-Pack jedoch nicht… Alles klar soweit?

Wenn wir also über die Änderung des Arbeitsgesetzes im Bereich der Tankstellenshops abstimmen, dann geht es weder um die Arbeit noch um eine propagierte Liberalisierung der Öffnungszeiten. Es geht einzig und allein darum, dass 24 Tankstellen im Land ihr gesamtes Sortiment rund um die Uhr verkaufen können.

Bratwürste legalisieren! Mehr unter www.arbeitsgesetz-ja.ch

Bratwürste legalisieren! Mehr unter http://www.arbeitsgesetz-ja.ch

Warum sagt der Schweizerische Gewerbeverband sgv Ja zu dieser Änderung des Arbeitsgesetzes und bekämpft das Referendum der Gewerkschaften? Ganz einfach: Weil das Ja zu unserer konsequenten Strategie, zum Abbau von Regulierungskosten, passt. Der sgv setzt sich ein für die Abschaffung der offensichtlichen Schikane, Sortimentsteile abdecken zu müssen. Sie ist nämlich eine unsinnige Zusatzregulierung, welche nur Kosten verursacht und niemandem nützt. Im Übrigen ist das Abdecken des Sortiments so grotesk, dass sich die Ja-Kampagne entschieden hat, diese offensichtliche Absurdität des bestehenden Gesetzes zum Wahlkampfplakat zu machen: Ja zur Legalisierung der Bratwürste.

Dass Bratwürste zwischen 1 und 5 Uhr nicht verkauft werden können in einem Geschäft, das die ganze Nacht offen hat und wo die Mitarbeitenden ohnehin arbeiten, macht die Lächerlichkeit der bestehenden Regelung deutlich. Es ist, als ob es ein Verbot von Bratwurst bei gleichzeitiger Förderung des Cervelats gäbe. Das hat doch weder mit Arbeit noch Öffnungszeiten zu tun.

Deshalb gilt: Ja zur Änderung des Arbeitsgesetzes – Cervelats grillieren, Bratwürste legalisieren!

Mehr Informationen zu einer sinnvollen Revision des Arbeitsgesetzes unter www.arbeitsgesetz-ja.ch

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